Verstehen sich für die Improvisation eines Themas perfekt: Klezmer-Musik vom Allerfeinsten von Fides auf der Maur (Klarinette) und Sergej Simbirev (Akkordeon). Bild: Josias Clavadetscher
Verstehen sich für die Improvisation eines Themas perfekt: Klezmer-Musik vom Allerfeinsten von Fides auf der Maur (Klarinette) und Sergej Simbirev (Akkordeon). Bild: Josias Clavadetscher

Musik

Wehmut, Schwermut und Übermut

Das war Klezmer-Musik vom Allerfeinsten. Mit einem emotionalen, begeisternden Konzert haben Fides Auf der Maur und Sergej Simbirev ihre neue Tournee eröffnet.

Das rund zweistündige Konzert lief unter der Ansage «Klezmer plus». Es war tatsächlich plus. Klezmer-Musik, einst entstanden in den jiddischen Gemeinden Osteuropas, ist längst schon zur bekannten und viel gespielten Weltmusik geworden. Nur setzt sie von den Interpreten voraus, dass diese Musik gefühlt werden muss und nichts von Noten und Arrangements hält. Klezmer ist verschmitzt, geerdet, sehr emotional und braucht offene Herzen und viel Freiheit. Sie will ja kein Korsett und ist für alles offen. Eigentlich lassen sich alle Melodien «verklezmern».

In New York von Klezmer infisziert

Fides Auf der Maur, in Ibach aufgewachsen und heute in Zürich wohnhaft, besitzt genau diese Boden- und Lebenshaftung. Mit Klezmer-Musik hat sie sich infisziert, als sie während eines mehrmonatigen Aufenthalts im Künstleratelier des Kantons Schwyz in New York mit diesem Genre näher in Kontakt gekommen ist. Seither ist Klezmer ihre Passion. Im Konzert am Sonntagabend im «Waldstätterhof» in Brunnen wurde dies erneut überdeutlich. Auf der Maur liess die Klarinette schluchzen, jauchzen, klagen, trillern, lachen, jubeln. Mal Melancholie, mal grenzenlose Freude. In diesen traditionell überlieferten Melodien war die Weite des Ostens, der Schmerz der Jahrhunderte und die Freude am Leben zu hören. Wehmut, Schwermut, Übermut, meist in einem Stück gleich nacheinander. Klezmer ist ja nicht weit weg von der einheimischen Volksmusik. Beide sind schnell, kennen zwei oder drei Themen, die sich wiederholen, und beide kommen auch als Tanzmusik daher. Nur: Bei Klezmer erklingt vieles in Moll und vor allem ist es Improvisation pur, mit Ausnahme der Béla-Bartók-Kompositionen, die Auf der Maur gespielt hat. Aber sonst werden die Stücke, auf dem Thema aufbauend, laufend «neu erfunden». Was Auf der Maur zur grossen Form auflaufen lässt, zum Überfliegen. Sie liebt diese Freiheit, es sei spannend, je nach Stimmung und Eingebung zu interpretieren. Was wiederum die Vielseitigkeit von Fides Auf der Maur zeigt.

Auf der Maur ist äusserst vielseitig talentiert

Sie ist klassische Klarinettistin, Kammermusikerin, unterrichtet am Konservatorium Zürich, spielt als Solistin im Symphonischen Orchster Zürich und im Opernhaus und zieht immer wieder originelle eigene Projekte durch und geht damit auf Tournee. Zudem ist sie hervorragende Interpretin der alten Innerschwyzer Volksmusik, die in ihrem Tempo und den Trillern die weite Verwandtschaft zu Klezmer-Volksmusik ebenfalls ahnen lässt. Dieses grosse Talent der Improvisation setzt voraus, dass man sich im Ensemble perfekt versteht. Mit Sergej Simbirev, einem Akkordeonisten mit russischen Wurzeln, ist das perfekt gegeben. Ein Augenkontakt oder ein Lächeln genügten, um sich im Tempo, bei Wechseln, in der Klangfarbe abzustimmen. Fides Auf der Maur war an diesem Abend nicht nur hervorragende Solistin, Interpretin und Improvisatorin, sondern hat auch gleich noch selber durchs Programm moderiert. Witzig, gut erklärend und mit Schalk im Nacken. Wie gesagt: Sie ist multifunktional hoch talentiert. Leider fanden an diesem Abend einmal mehr gleichzeitig weitere Konzerte in der Region statt. Darum hätte der Abend durchaus mehr Besucher verdient.

Bote der Urschweiz (Josias Clavadetscher)

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

19.09.2017

Webcode

schwyzkultur.ch/Vcjikr