Sie können ihre gemeinsame Herkunft nicht leugnen: Die Blätzfiguren (von links) von Brunnen, Schwyz, Sattel und Steinen einträchtig nebeneinander.
Sie können ihre gemeinsame Herkunft nicht leugnen: Die Blätzfiguren (von links) von Brunnen, Schwyz, Sattel und Steinen einträchtig nebeneinander.
Der Arlecchino als Urvater: Für die Ausstellung wurde extra ein Kostüm nach alter Vorlage hergestellt. Bilder Josias Clavadetscher
Der Arlecchino als Urvater: Für die Ausstellung wurde extra ein Kostüm nach alter Vorlage hergestellt. Bilder Josias Clavadetscher

Volkskultur

Nüsslerausstellung voller Leckerbissen

Das hat es auf diese Weise noch gar nie gegeben: eine volkskundliche Ausstellung über das Nüsseln. Sie fasziniert mit vielen Details, bietet einige Überraschungen und lässt auch den närrischen Schalk aufblitzen.

Die Nüsslergesellschaft Brunnen-Ingenbohl ist 75 Jahre alt. Das hätte leicht dazu verleiten können, einfach die Vereinsgeschichte zu feiern und eine Nabelschau zu zeigen. Das vom Jubiläums-OK eingesetzte Ausstellungsteam unter Christoph Clavadetscher hat das gespürt und über etliche Grenzen hinaus geschaut. Daraus ist unter dem Motto «Wenn Narren tanzen» eine volkskundliche, populär gehaltene Ausstellung über das Nüsseln an sich geworden. In diesem Konzept steckt auch der eigentliche Reiz dieser Ausstellung.

Vier Traditionen vereint

Ohne zu werten oder zu bewerten, sind erstmals alle vier relevanten Nüsslertraditionen in ihren Nuancen einträchtig vereint zu sehen. Faszinierend für die Besucher stehen da die vier typischen Blätzfiguren von Brunnen, Schwyz, Steinen und Sattel einträchtig nebeneinander und verführen selbst alte Kenner, über Details zu referieren und fachsimpeln. Und noch besser: In allen vier Varianten ist der Narrentanz aufgezeichnet worden, wird lebensgross an die Wand projiziert und verführt zum (heimlichen) Mitnüsseln. Die klassischen Figuren der Rott werden auch in ihrem Zusammenhang mit ihren Urfiguren, oder «Verwandten », aus Venedig, der Commedia dell’Arte oder dem Barock gezeigt. Für die Ausstellung ist sogar ein herrliches Arlecchino-Kostüm hergestellt worden und spielt beim Eingang zur Galerie gleich den Gastgeber.

Nüsseln «einst» zu sehen

Die Ausstellung hat zudem weitere witzige und begeisternde Überraschungen zu bieten. Wer die Treppen hochsteigt, wird laufend mit Fragen zum Nüsseln eingedeckt. Fragen, über die sich ein Nachdenken lohnt. Oder dann kann man sich an einen Beizentisch zu einem Hudi setzen, den Kopfhörer aufstülpen und erlebt dann die Schwatzhaftigkeit dieser Intrigantin, während durch die Scheibe von draussen ein Kind gwundrig ins Restaurant guckt.Auch gibt es einen kindgerechten Fragebogen für die Jugend, mit dem sie in die Geheimnisse der Rott eingeführt wird. Oder es werden nonstop auf dem Bildschirm Sequenzen aus früheren Jubiläen, Preisnüsseln und Fasnachtsauftritten gezeigt. Für einheimische Fasnächtler wirkt diese Schau wie ein Magnet, wenn sich einstige Narrenzeiten so nochmals erleben lassen. Genau gleich wie auch Fotos, alte Inserate, Episoden und Kuriositäten – zum Beispiel in Bali geschnitzte Rott-Masken – zu sehen sind. Natürlich kommt daneben die eigene Vereinsgeschichte nicht ganz zu kurz. Zum Beispiel liegt das Gründungsprotokoll der Nüssler von 1938 auf, oder es ist in einer Broschüre die Vereinsgeschichte kurz geschildert. Im Mittelpunkt aber eindeutig: das Nüsseln.

Ausstellung «Wenn Narren tanzen», Galerie am Leewasser, Eisengasse 8, bis 17. Februar. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Samstag, 14.00 bis 22.00 Uhr, Sonntag 14.00 bis 18.00 Uhr. Zusätzlich geöffnet am Güdelmontag und Güdeldienstag.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Brauchtum / Feste

Publiziert am

14.01.2013

Webcode

schwyzkultur.ch/34Ce1S