Das Gersauer Seegusler Chörli verbreitet mit Lieder voller Fern- und Heimweh Seemanns-Romantik. Bild: Roger Bürgler
Das Gersauer Seegusler Chörli verbreitet mit Lieder voller Fern- und Heimweh Seemanns-Romantik. Bild: Roger Bürgler

Musik

Chor lebt Seefahrer-Romantik aus

In Gersau ist man überaus musikaffin. Jetzt bereichert das Gersauer Seegusler Chörli die lebendige Szene.

Als 2001 in Gersau zum zweiten Mal ein Nauentreffen stattfand, bereicherte ein Chor mit Seemannsliedern das Fest. Kleine «hundswiise» Auftritte im Restaurant Schiff (2008 und 2013) und im «Burggeist» (2010) folgten. Dann war wieder Schluss. Walter Christen und Erwin Nigg griffen die Idee aber wieder auf, trommelten ein paar Gleichgesinnte zusammen und boten bei der Verabschiedung des Dampfschiffs «Stadt Luzern» im letzten Juni eine Kostprobe.


«Noten brauchen wir nicht»


Doch diesmal wurde Nachhaltigkeit gefordert. 13 Herren und eine Frau bilden heute das Gerüst des Gersauer Seegusler- Chörlis, das von Küde Nigg am Akkordeon und Josef Küttel an der Mundharmonika und Gitarre begleitet wird. «Wir machen Musik ganz im Stile der Shantys», verriet Erwin Nigg, der als früherer Musiklehrer und Dirigent gewisserweise musikalischer Leiter ist. «Aber wir nehmen uns nicht zu ernst und machen unsere Musik in erster Linie aus Freude.» So brauche er weder mit Noten noch mit einem intensiven Probeplan aufzufahren. «Da würden die meisten die Flucht ergreifen.»


Mit zwei waschechten Hochseematrosen


Dafür wird das Liedgut und auch die (Lebens)weisheiten der Shantys zelebriert. Shanty kommt wohl von chant (singen) und steht für die Gesänge der Matrosen auf hoher See. «Eigentlich handelt es sich um Arbeitslieder, und oft sind es auch Wechselgesänge», sagt Erwin Nigg weiter. Die Gersauer mit einigen wahrhaftigen Seeguslern und sogar zwei ehemaligen waschechten Hochseematrosen im Chor sind geradezu prädestiniert, etwas Seemanns-Romantik zu verbreiten. Obwohl die Gersauer Shantys bereits eine Vorgeschichte haben, galt der Auftritt am letzten Sonntag im Alters- und Pflegeheim Rosenpark als Premiere. Eingekleidet in Seemanns-Hemden, -Mützen und -Halstücher gab das Gersauer Seegusler-Chörli 17 Titel zum Besten. Abwechselnd mit den Akkordeonisten Louis Camenzind und Joe Wiget sowie Küde Nigg am Klavier wurde über Fernund Heimweh, die Liebe zu Schiffen und wartenden Gattinnen oder Geliebten, aber auch von Stürmen auf hoher See und in den Hafenkneipen gesungen. Dies in Deutsch und auf Englisch. Ganz wie ein Shanty-Chor dies eben macht. Das Publikum im voll besetzten Altersheim- Cafe war begeistert, und Josef Baggenstos (Tübli Seebi) hielt eine spontane Lobesrede. «So schöne Musik, so frisch und fröhlich. Das ist wahre Medizin für Jung und Alt.» Diese Woche trafen sich die beiden Initianten auf hoher See in einem SGVKursschiff, um die Zukunft zu besprechen. «Wir werden unseren Chor, die Shanty-Musik und die Kameradschaft weiter pflegen und auch hin und wieder auftreten», sagt Walter Christen zum «Boten».


Bote der Urschweiz / Roger Bürgler

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

17.01.2019

Webcode

schwyzkultur.ch/RknkKp