Bühne

«Ciao, Ciao, Ciao» – ein Fernsehabend im Theater

Am 13. März feiert das Stiftstheater Einsiedeln Premiere mit dem Stück «Ciao, Ciao, Ciao». Autorin und Regisseurin Livia Stampfli-Huber gibt Auskunft zu Idee und Besonderheiten dieses «Fernseh-Theaters», in dem 24 junge Frauen ihre Rollen in der Gesellschaft spielen.

Eugen von Arb: Wie sind Sie auf die Idee für dieses Stück gekommen – etwa vor dem Fernseher?

Livia Stampfli-Huber: Nein, nein (lacht). Ich stand vor der schwierigen Aufgabe, ein Stück für 24 Schülerinnen und 2 Schüler bereitzustellen, die sich für das Theaterprojekt angemeldet hatten. Da ich die Mädchen letztes Jahr alle zu Soldatinnen gemacht hatte, hatten sie dieses Jahr etwas «Schöneres » verdient: Ein Fernsehabend im Theater, mit allen Möglichkeiten, zu singen und zu tanzen und die Idee von Weiblichkeit in der Gesellschaft darzustellen. Das Ziel ist ein Spiegel der Realität, selbstverständlich gerne auch überspitzt dargestellt, eine Komödie eben.

Das klingt ein bisschen wie eine Zwischenbilanz zum Tag der Frau, oder nicht? 

Ich möchte die Mädchen dazu animieren, über ihre Weiblichkeit zu reflektieren, ohne aber dabei eine politische Haltung einzunehmen. Sie werden dazu in verschiedenen Rollen in Fernsehsendungen auftreten – vom Topmodel über Skirennfahrerin bis hin zur marktlücken-suchenden Hipsterin.

 

Die Geburtstagswünsche der Mutter und Hausfrau bleiben wieder einmal auf der Strecke – ist ihre Rolle der undankbarste Job der Menschheitsgeschichte geblieben?

Ja, so ist es bis zum Ende, aber den Hausmännern geht es wohl ähnlich (lacht).

 

Drei weibliche Teenies, die es nicht schaffen, sich rasch bereit zu machen, und darum die Mutter um das Theatervergnügen an ihrem Geburtstag bringen – ist das kein Klischee?

Ja, ich nehme bewusst Klischees auf, entspringen doch diese der Realität und werden auf der Bühne zum Spiegel. Auch die meisten Fernsehsendungen funktionieren mit Stereotypen, Klischees.

 

Mit dem Klassiker «Der Widerspenstigen Zähmung» gerät auch noch der gute alte Shakespeare ins Rampenlicht, warum?

Es ging mir darum, den Schülern noch eine andere literarische Sprache zu zeigen. Ausserdem habe ich mich für den Einbezug dieses Stücks entschieden, weil sich die Frage stellt, inwiefern sich eine Frau bändigen lässt.

 

Verstehen Sie das Leben als «Fernsehtheater», in dem nur «herumgezappt» und nichts bis zum Ende geschaut wird?

Eigentlich ist es unerhört, dass im Theater ferngesehen wird. Jedes Familienmitglied wechselt den Kanal nach seinen Wünschen, und alle sind verschieden. Das «Zappen» bietet die Möglichkeit, immer wieder kurz in ein Thema einzutauchen, ohne näher darauf einzugehen. Diese Geschwindigkeit ist eine Herausforderung, und ich bin gespannt, wie es funktioniert.

 

Aber sind Fernsehen und Theater nicht zwei reichlich antiquierte Kanäle im Vergleich zu Tiktok und Konsorten? 

Absolut. Aber glücklicherweise werden die Menschen anscheinend nicht satt von diesen «antiquierten Kanälen», haben sie bis jetzt doch beide neben Tiktok überlebt.

 

«Ciao, Ciao, Ciao» – bedeutet dies auch der Abschied der Kinder von den Eltern?

Ja, es hat auch einen Bezug zur Trennung von den Eltern, denn die Mädchen sind in dem Ablösungsalter, und die Konflikte im Stück haben auch damit zu tun.

 

Das Stück verlangt wohl eine besondere Konstellation bei der Aufführung?

Ja, es werden über 75 verschiedene Kostüme getragen, und das Bühnenbild wird ständig gewechselt. Alle müssen sich extrem aufeinander verlassen können.

 

Das Stiftstheater ist jedes Jahr neu zusammengesetzt, wie gehen Sie als Regisseurin damit um?

Es ist eine grosse Herausforderung, jedes Jahr mit dieser Masse von Anmeldungen umzugehen, denn normalerweise wird ein Stück mit 12 bis 15 Personen besetzt. Dabei ist es auch nicht immer einfach, die Talente in der Gruppe angemessen zu fördern. Ich bin aber überzeugt, dass ich in diesem Stück für alle eine Rolle gefunden habe, in der sie oder er brillieren kann.

 

Auf dem Flyer steht «Komödie – Unterhaltung – Drama». Was bedeutet das?

Wir wollten diesmal kein ernstes, sondern ein lustiges und unterhaltsames Stück zeigen. Mit etwas Glück wird es auch auf diesem Weg zum Denken anregen. Der Altershinweis von 7+ soll darauf aufmerksam machen, dass das Stück auch für jüngere Zuschauerinnen und Zuschauer geeignet ist.

 

Einsiedler Anzeiger / Eugen von Arb

Autor

Einsiedler Anzeiger

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Publiziert am

03.03.2026

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