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«Das ist greifbare Geschichte aus Holz»

Das fertig restaurierte Haus aus dem Jahr 1270 in der Perfiden in Rickenbach wird der Öffentlichkeit gezeigt.

«Das Haus im Acherli ist ein Glücksfall für uns», eröffnete die kantonale Denkmalpflegerin Monika Twerenbold am Freitag den Rundgang durch das Haus vor einer ausgewählten Gruppe von Expertinnen und Experten. Ganz wichtig sei, dass die Eigentümer Ruedi Fassbind und seine Freundin Maja Rohrer von Anfang an mit Begeisterung mitgemacht hätten. Dadurch sei es möglich geworden, den uralten Blockbau neuzeitlich zu gestalten, auf die Wünsche der Bauherrschaft einzugehen und das Haus bewohnbar zu machen. Es ist das viertälteste Haus aus einem Ensemble von 30 Blockbauten, die in den Jahrzehnten vor und nach dem Jahr 1300 im Talkessel von Schwyz entstanden sind, «ein einmaliger Zeuge aus den Anfängen der Eidgenossenschaft », unterstrich Twerenbold und ergänzte: «Es ist greifbare Geschichte aus Holz.» Das Haus Acherli ist zudem in eine geschichtsträchtige Gegend eingebettet. Es liegt am historischen Verkehrsweg von Schwyz über die Ibergeregg und nach Illgau–Muotathal. Zudem steht es in unmittelbarer Nachbarschaft eines nachgewiesenen herrschaftlichen Wohnturms. Teile dieser abgegangenen Burg haben Verwendung gefunden im Sockelbau des Blockhauses, das 1622 um wenige Meter an den heutigen Standort versetzt wurde.

 

Geisterbanndübel und ein rätselhaftes Bild

Den bauarchäologischen Untersuch leitete Ulrike Gollnick, eine Expertin auf dem Gebiet der alten Blockbauten im Talkessel. Sie erkannte durch Indizien schnell, dass es sich beim Objekt um ein altes Gebäude handeln musste. Doch das durch dendrochronologische Untersuchungen (Jahrringe im Baumstamm) zutage geförderte Alter von über 750 Jahren war dann doch eine grosse Überraschung. Der Blockbau erfuhr im Verlauf der Jahrhunderte einige Veränderungen, doch das bauzeitliche Gefüge und die Aussengestalt wurden nur geringfügig verändert. Alois Fassbind, der Vater des heutigen Eigentümers, wuchs mit sechs Geschwistern in diesem Haus auf. Er kann sich noch an Veränderungen im 20. Jahrhundert erinnern. Das Haus zeigt Geschichte, beispielsweise Zeichen von Volksfrömmigkeit durch sogenannte Geisterbanndübel. Rätselhaft und einmalig ist ein eingeritztes Bild an der Nordwand, das einen Turm oder eine Kirche darstellt. Erstklassig sind die Verarbeitungsmethoden des Fichtenholzes, das auf über 1000 Metern über Meer im Winter 1269/70 geschlagen wurde.

 

Neu sind ein Anbau und ein Käsekeller

Die Raumhöhe sei bei der Restaurierung, die durch die BSS Architekten begleitet worden sei, eine grosse Herausforderung gewesen, habe aber für alle befriedigend gelöst werden können, erwähnte Monika Twerenbold. Das Dach konnte wegen seiner geringen Neigung nicht mit Ziegeln bedeckt werden. So entschied man sich für Eternit. Der Bauherrschaft kam man entgegen, indem ein Käsekeller eingerichtet und ein Anbau an der Nordseite bewilligt wurde. Es wurden neue Fenster eingebaut und die Aussenhülle mit Holz verschalt. Damit konnten auch die Hauptziele erreicht werden: die ursprüngliche Substanz sichtbar erhalten und das heimelige Haus bewohnbar machen. «Die Baugeschichte und die Blockbauweise sind gut lesbar», wertet die Denkmalpflegerin das Ergebnis. Alois Fassbind bedankte sich am Schluss des Rundgangs im Namen der Eigentümerschaft für die herausfordernde, aber gute Zusammenarbeit mit den Instanzen. Das zweigeschossige Haus sei «innen und aussen einmalig schön und habe viel Charme». Landammann Michael Stähli erinnerte daran, dass der Schutz alter Häuser ein «hochemotionales Thema» sei. «Hier ist die Zusammenarbeit auf allen Stufen hervorragend gelungen. Es ist ein anschauliches Beispiel, wie alte Baukultur weiterentwickelt und in die Zukunft geführt werden kann.»

 

Finanzierung gelöst 

Ruedi Fassbind konnte das Haus vor neun Jahren von seinem Grossvater Xaver kaufen. Die Finanzierung der Instandstellung von solch alten Häusern ist jeweils eine Herausforderung, doch hier ist sie dank drei Säulen gelungen. Der gelernte Schreiner Ruedi Fassbind konnte viel Eigenleistung in die Restaurierung stecken. Verschiedene Stiftungen sprachen Geld, und schliesslich gab es Subventionen von 35 Prozent vom Kanton für die substanzerhaltenden Massnahmen am Altbau. Weiter wird der Bund noch mitfinanzieren.

 

Bote der Urschweiz / Franz Steinegger

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Bote der Urschweiz

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Publiziert am

09.05.2026

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