Die Klosterfront bildet zusammen mit dem Klosterplatz, auf dem die Arkaden mit den Verkaufsgeschäften und dem Pilgerunterstand sowie der Marienbrunnen stehen, eine geschlossene architektonische Einheit. Foto: GSK © Dirk Weiss
Die Klosterfront bildet zusammen mit dem Klosterplatz, auf dem die Arkaden mit den Verkaufsgeschäften und dem Pilgerunterstand sowie der Marienbrunnen stehen, eine geschlossene architektonische Einheit. Foto: GSK © Dirk Weiss
Abt Urban eröffnet die Vernissage im Grossen Saal des Klosters Einsiedeln. Foto: Magnus Leibundgut
Abt Urban eröffnet die Vernissage im Grossen Saal des Klosters Einsiedeln. Foto: Magnus Leibundgut
Architektur, Stuckatur und Malerei fliessen übergangslos ineinander und sind teilweise nur schwer auseinanderzuhalten.Auch der eine Generation jüngere Chor schliesst nahtlos ans Kirchenschiff an. Foto: Robert Rosenberg, Einsiedeln
Architektur, Stuckatur und Malerei fliessen übergangslos ineinander und sind teilweise nur schwer auseinanderzuhalten.Auch der eine Generation jüngere Chor schliesst nahtlos ans Kirchenschiff an. Foto: Robert Rosenberg, Einsiedeln
Eine Illustration aus der Schweizer Bilderchronik des Diebold Schilling aus dem Jahr 1513 zeigt den Brüel mit dem Kloster im Hintergrund.
Eine Illustration aus der Schweizer Bilderchronik des Diebold Schilling aus dem Jahr 1513 zeigt den Brüel mit dem Kloster im Hintergrund.
Eine Reliquienprozession im Dorf während der Zwischenkriegszeit. Foto: Stiftsarchiv Einsiedeln o
Eine Reliquienprozession im Dorf während der Zwischenkriegszeit. Foto: Stiftsarchiv Einsiedeln o

Kunst & Design

Das Kloster Einsiedeln im Fokus

Das Kloster Einsiedeln hat zusammen mit der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (GSK) einen neuen Kunstführer über das Kloster vorgestellt. Markus Bamert, Georges Decoeudres und Pater Gregor Jäggi haben das Werk verfasst. Am Freitag ging im Grossen Saal die Vernissage zum neuen Kunstführer über die Bühne.

Das Kloster Einsiedeln gehört zu den bedeutendsten barocken Klosteranlagen. An der Stelle der Zelle des Einsiedlers Meinrad entstand im Hochmittelalter ein Benediktinerkloster. Im Verlauf der Zeit entwickelte sich eine Wallfahrt, zunächst zur Kapelle, die an der Stelle von Meinrads Zelle gebaut und vom Herrn geweiht worden war (Engelweihe), später zum ersten Madonnenbild in dieser Kapelle. Noch heute ist die Kapelle mit dem Gnadenbild der Schwarzen Madonna das Ziel einer weit ausstrahlenden Wallfahrt. In der Barockzeit entstand die heutige Klosteranlage nach Plänen des Klosterbruders Caspar Moosbrugger mit der Kirche im Zentrum und dem vorgelagerten Klosterplatz.

Alte Fensterläden der Klosterfassade im Fokus


Das Kloster hat alle Stürme der Zeit wie die Reformation und die Aufhebung während den Franzoseneinfällen überdauert und beherbergt nach wie vor einen lebendigen Benediktinerkonvent. Aus diesen Gründen hat die Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (GSK) in ihrer Reihe «Schweizerische Kunstführer » dem Kloster Einsiedeln einen Band gewidmet. Nach einer Klosterführung durch Markus Bamert, die von der Stiftsbibliothek bis in die Klosterkirche führte, erfolgte eine Einführung von Georges Decoeudres zur Gnadenkapelle. Einleitend zur Vernissage im Grossen Saal rügte Abt Urban Federer in einer launig gehaltenen Begrüssungsrede den Umstand, dass in einer Abbildung der Klosterfassade noch die alten Fensterläden zu sehen sei-en, die doch längst entsorgt worden sind: «Ansonsten darf ich feststellen, dass der Band bestens bebildert daherkommt, überaus gut lesbar ist und einen formidablen Druck aufweist.»

Auch Laien und Frauen dürfen den Grossen Saal betreten


Abt Urban kam nicht umhin, in seiner Rede den Grossen Saal, in dem die Vernissage vor geladenen Gästen über die Bühne gegangen ist, zu thematisieren: «Der Grosse Saal gehört zum Fürstenhof des Klosters Einsiedeln. Er dient als profaner Festsaal für das Kloster und seine Gäste.» Neckisch zitierte der Abt des Klosters Einsiedeln aus dem neuen Kunstführer: «Der Saal wurde als Fest- und Empfangssaal des Fürstabts konzipiert. Im Gegensatz zur Bibliothek als Ort der Bildung konnte somit der Grosse Saal auch von Laien und Frauen schon immer betreten werden.»

Wie Christus das Klosterdorf in Besitz nimmt


Abt Urban sprach von der Gastfreundschaft, die in diesem Raum ganz besonders zur Geltung komme. Darüber hinaus sei der grosse Raum multivalent: Er diene schliesslich auch als «Schwitzraum» für Maturanden, die dort ihre schriftlichen Prüfungen abzulegen pflegen. Abt Urban bat die Gäste, ihren Blick nach oben zu richten: Das Deckenbild des Zuger Malers Johannes Brandenberg im Grossen Saal zeigt Christus, der zur Segnung der Kapelle vom Himmel herabsteigt und Einsiedeln in Besitz nimmt. Die begleitenden Engel tragen die zur Segnung benötigten liturgischen Geräte. Das sei schliesslich auch die Vision, meinte Abt Urban: «Gott ist in unserer Mitte.»

«Eine lebendige Erinnerung dient den Menschen»


Schliesslich stellte Markus Andrea Schneider, Leitender Redaktor bei der GSK, den Kunstführer zum Kloster Einsiedeln vor. Zu guter Letzt erfolgte eine thematische Vertiefung durch Pater Gregor Jäggi: «Das Kloster Einsiedeln ist als Kraftort auch ein Erinnerungsort, der uns eine geistige Heimat verschafft. Eine lebendige Erinnerung dient den Menschen.» Das Kloster Einsiedeln darf als die bedeutendste der grossen barocken Klosteranlagen in der Schweiz bezeichnet werden und lässt sich mit süddeutschen Klöstern wie Ottobeuren oder Weingarten vergleichen. Dabei sind es nicht allein die Kirche und die Gebäulichkeiten, sondern auch der gewaltige Klosterplatz, der wesentlich dazu beiträgt. Über Jahrhunderte hinweg gelang es der Klostergemeinschaft als Auftraggeberin, die bedeutendsten Künstler aus dem Süden und Norden für die vielfältigen Aufgaben beizuziehen. Trotz unterschiedlicher Stiltendenzen schliesst sich die Anlage zu einem einheitlichen und harmonischen Ganzen zusammen.

Der Führer ist im Klosterladen oder im Onlineshop des Klosters erhältlich:
https://shop.kloster-einsiedeln.ch/p/fuehrer-das-kloster-einsiedeln

Einsiedler Anzeiger / Magnus Leibundgut

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Kunst & Design

Publiziert am

22.02.2022

Webcode

www.schwyzkultur.ch/2xfAVB