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Delio Malär's Vorfreude auch bekannte Menschen

Der Schweizer Theater- und Filmschauspieler Delio Malär absolvierte 2011 die Matura an der Stiftsschule. Anlässlich des Alteinsiedlertages vom 27. Juni kehrt er an den Stift zurück und führt als Moderator durch den Tag. Der EA hat sich mit ihm unterhalten.

Angela Suter: Erinnern Sie sich, weshalb Sie nach Einsiedeln an die Stiftsschule kamen?

Delio Malär: Ich wollte unbedingt das Gymi machen. Ich wuchs in Samstagern auf und habe an verschiedenen Gymis in der Nähe die Aufnahmeprüfungen gemacht. Sowohl in Einsiedeln wie auch in Zürich Freudenberg hatte ich diese Prüfung bestanden und konnte auswählen. Einsiedeln hat mir viel mehr zugesagt. Ich habe mich sofort wohlgefühlt. Die gewisse Mystik – ich war damals komplett im Harry-Potter-Fieber – hat mich irgendwie angezogen. Die Stiftsschule war für mich die einfachste Möglichkeit, nach Hogwarts zu gehen. Da fehlte nur das Internat, welches es zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr gab. 

 

Und so starteten Sie im September 2004 an der Stiftsschule. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?

Wow, alle! Da ist alles dabei … Aber wenn ich daran zurückdenke, ist es vor allem eine warme, schöne Zeit, in welcher ich mich ausprobieren und selber entdecken durfte. Ich durfte wahnsinnig viel lernen, einerseits schulisch, aber auch vor allem menschlich. Ich hatte eine sehr schöne Zeit! Da ist zum Beispiel die Religion: Ich durfte die Verbindung zwischen gelebter Religion und der weltlichen Umsetzung auf eine schöne, geklärte Art kennenlernen und respektieren lernen. Das ist für mich nachhaltig etwas zutiefst Philosophisches und rückblickend war immer alles sehr menschlich am Stift.

Und da ist natürlich das Theater! Ich durfte die ersten Schritte auf einer richtigen Theaterbühne machen, genau so, wie professionelle Produktionen auch laufen, mit allem Drum und Dran. Ich habe während dieser Zeit auch meine erste Band gegründet. Unseren ersten Auftritt hat-ten wir am bandXsz-Contest in der Ziegelei und später am «Rock for Namwala», ebenfalls in der Ziegelei. Alles in allem war es eine wegweisende Zeit. Was ich heute mache, hat grösstenteils im Stift angefangen – natürlich in anderem Ausmass. Ich hatte sehr viele Freiheiten, mich auszuprobieren, sowohl sportlich, wie auch musikalisch. Ich konnte aus einer Vielfalt von Möglichkeiten auswählen, welche die Stiftsschule anbietet.

 

Welche Schule hat schon ein eigenes Eisfeld? Hatten Sie ein Lieblingsfach?

Meine Lieblingsfächer waren schon Musik und Zeichnen – und Sport. Halt alle Fächer, in welchen ich sehr intuitiv das machen konnte, was mich interessierte. Und die künstlerischen Fächer sind diejenigen, in welche ich mich einbringen kann. Die restlichen Fächer, in welchen ich büffeln musste, hatte ich schon auch gerne, aber die ha-ben halt mehr Fleiss erfordert. Vorträge zu halten, habe ich geliebt – auch in den naturwissenschaftlichen Fächern. Das war ja auch eine Art Performance, denn ich konnte ja ein Thema gestalten. (Und ergänzt) Zum Beispiel lässt sich der Piezo-Effekt in Physik bestens mit einem auf einer E-Mandoline gespielten Präludium von Bach erklären. Das ist bis heute so geblieben. Ich schaffe hauptsächlich freischaffend, mache meine eigenen Sachen. Das hat mich immer am meisten gereizt.

 

Wie hatten Sie es mit den Sprachen?

Ich hatte das Schwerpunktfach Italienisch gewählt. Das ist eigentlich meine Muttersprache, die ich aber leider zu grossem Teil wieder verlernt hatte, da ich sie nur als Kind gesprochen hat-te. Ich lernte sie jedoch schnell wieder und spreche heute wieder fliessend. Damals bin ich so mit meiner Muttersprache und meiner Identität ganz fest in Kontakt gekommen. Das ist bis heute sehr prägend. Welchen Weg schlugen Sie nach der Matura ein? Ich ging an die Schule für Schauspiel in Hamburg. Dort habe ich 2015 nach drei Jahren die klassische Schauspielausbildung mit Auszeichnung abgeschlossen. Nach dem Studium zog ich wegen des Engagements für «Mein Name ist Eugen» zurück nach Zürich. Nach einem halben Jahr in der Schweiz merkte ich aber, dass ich wieder nach Hamburg zurück muss. Das Gefühl von in der Schweiz sein hat-te sich verändert und zu Hause war für mich Hamburg. So zog ich im Juli 2016 wieder zurück. Erst ein paar Jahre später hat-te es sich auch in Zürich wieder nach Heimat angefühlt. Eine Reise von Samstagern bis Poschiavo zu Fuss hat mich wieder mit der Schweiz verbunden. Und nun fühle ich mich in der Schweiz auch wieder zu Hause. Zu diesem Heimatgefühl gehört auch Einsiedeln, das hat sich über all die Jahre gehalten. Wie kamen Sie zu Ihrer ersten Rolle am Stiftstheater? Im ersten Jahr hatte ich das verpasst, wusste gar nicht, dass es das gibt. Aber ich ging es schauen. Ich erinnere mich heute noch daran, was da aber mit mir passiert ist. Diese Magie, die sich einstellt, wenn der ganze Raum dunkel wird und das Licht auf der Bühne angeht, war unbeschreiblich. Ich hörte zum ersten Mal Shakespeare. Das hat mich gepackt und ich wusste sofort: Das will ich unbedingt auch.

Und so kam es auch. Am 17. März 2006 war dann meine erste Theaterpremiere. Dieses Datum vergesse ich nie mehr, am Morgen war meine Gross-mutter verstorben – am Abend war ich auf der Bühne im Stück «Ich knall euch ab» von Morton Rhue.

 

Wurde durch das Stiftstheater auch Ihr Berufswunsch geweckt?

Ja, nach diesem ersten Mal habe ich jedes Jahr mitgespielt. Ich bin so breit interessiert und das ist das Tolle am Theater. Ich merkte, dass ich alle meine Interessen im Theater verbinden kann. Und dachte mir dann, ich probiere es mal mit der Schauspielerei.

 

Ein anderer Beruf war also nie ein Thema?

Damals machte ich mir noch nicht so viele Gedanken über meinen Beruf. Ich hatte das Glück, dass ich aussuchen konnte, was mich interessierte, und dem nachgehen durfte. Musik und Theater war eine Leidenschaft und hat mich megamässig interessiert. Ich muss dazu sagen, ich bin in einem musikalischen Haushalt aufgewachsen. Meine Mutter ist Berufsmusikerin, und so war sicher auch die Akzeptanz grösser. Die Schauspielerei war Plan A, das war für mich klar. Und wenn es nicht gehen sollte, dann schaue ich weiter. Wenn ich das mit meinem Hobby «Gamen» verbinde, dann ist das klar. Denn klar: Ein Gamer versucht immer, das Ziel zu erreichen.

 

Einen Plan B gab es nie. Und es hat geklappt, oder?

Ja! Über die Jahre habe ich mir ein grosses Repertoire an Fähigkeiten geschaffen, mit dem ich auf der Bühne abliefern kann. Und so kann ich kann heute zu 100 Prozent von meiner Kunst leben und sogar meine kleine Familie davon ernähren, denn ich wurde vor sieben Monaten Vater.

 

Welches war bisher Ihre wichtigste Rolle?

Aktuell ist meine Vaterrolle die wichtigste (lacht). Aber aus schauspielerischer Sicht gibt es verschiedene Rollen. Meine erste Rolle – noch während des Studiums. Ich spielte die Rolle von Paul McCartney. Ich habe gesungen, Bassgitarre gespielt und geschauspielert. Halt einfach das getan, was ich all die Jahre schon gemacht habe. Dieses Engagement hat eine Welle geschlagen und zu «Mein Name ist Eugen» geführt sowie später zu «Amadeus», wofür ich für einen Prix Walo nominiert wurde. Bei «Amadeus» konnte ich mich auf eine andere Art und Weise ausdrücken. Ich spielte Cello, sang Oper und konnte so Mozart in seiner musikalischen Virtuosität und überbordenden Kreativität darstellen. Ein Orchester dirigieren – so etwas ist für mich nur im Theater Rigiblick in Zürich möglich, das ist ein absoluter Theatertraum.

Durch mein eigenes Schaffen wurden andere Türen geöffnet: So kann ich seit zehn Jahren meine eigene Kunst mit Cocodello erzählen. Es ist immer ein solcher Rattenschwanz, egal wie klein ein Auftritt ist. Wenn man etwas macht, was die Leute umhaut, hat das Konsequenzen. Und egal wie viele Leute dort sind, ich gebe immer Vollgas.

 

 Auch die Musik begleitet Sie in Ihrem Leben. Erzählen Sie!

Genau, da gibt es gerade aktuell viel zu berichten, denn ich habe ein Solo-Projekt gestartet: Die Band «Delio Malär & the Super-sun Boys». Am 19. Juni kam unsere neue Single «Verona» raus, ein Sommerhit mit meiner Hamburger Band. Im Herbst kommt dann unser Album raus – auf Vinyl. Wir wollen dann eine kleine Release-Tour machen, vielleicht kommen wir auch nach Einsiedeln?

 

Aktuell sind Sie im Theater Rigiblick in Zürich in «Tribute to Johnny Cash» in der Hauptrolle des jungen Johnny zu sehen. Hier können Sie Ihre Leidenschaft zu Musik und Theater verbinden. Ist es das, was sie am liebsten machen?

 Zu hundert Prozent! So entsteht eine ganz spezielle Schnittstelle, in welcher ich das Publikum noch viel mehr berühren kann. Diese Kombination von Schauspiel oder klassischem Theater mit Live-Musik ist mein «Sweet Spot», meine goldene Mitte. Hier kann ich meinen riesigen Erfahrungsschatz einbringen. 

Das Theater Rigiblick hat sich spezialisiert auf musikalische Theaterabende. Das ist genau das, was ich schon am Stiftstheater gemacht, denn auch dort habe ich meistens auch noch in der Band gespielt. So mache ich noch heute dasselbe, einfach noch professioneller. Wobei ich rückblickend sagen muss, dass Oscar Sales Bingisser das Stiftstheater schon wahnsinnig professionell geführt hatte. Ich bin ihm noch heute dankbar, dass ich vieles von Anfang an richtig gelernt hatte.

 

Welche beruflichen Ziele haben Sie noch?

Ich konnte schon einige Sachen von meiner «Bucket List» streichen. Ich merke, dass ich schon sehr das mache, was ich möchte und empfinde das als Geschenk! Mein berufliches Ziel war immer, davon zu leben, was ich liebe. Das mache ich jetzt und das ist mega schön. Aber es gibt schon noch ein paar Dinge, die ich gerne machen würde. Es wäre zum Beispiel spannend, einmal ein Filmdrama zu spielen oder ein Musikfilm.

Grundsätzlich warte ich nicht darauf, dass etwas passiert. Wenn ich einen Wunsch oder eine Idee habe, liegt es an mir, voll reinzuknien, damit dieser Realität wird. Das klingt jetzt, als ob immer alles klappt. Aber von allen erfolglosen Castings erfährt halt einfach niemand. Das ist aber auch eine Realität meines Berufes. Und auch hier kann ich von einer Fähigkeit als Gamer profitieren: Wenn Game Over ist, kann man einfach neu starten.

 

Zurück nach Einsiedeln. Waren Sie seit Ihrer Matura wieder einmal im Klosterdorf?

Ja, meistens sogar mehrmals im Jahr. Ich versuche nämlich, jedes Stiftstheater zu sehen. Und wenn ich mit Gästen aus Hamburg unterwegs bin, zeige ich ihnen auch Einsiedeln, das halt auch ein Stück von meiner Geschichte ist. Und überhaupt: Einsiedeln ist auch wunderschön.

 

Nun steht der Alteinsiedlertag vor der Tür, zu welchem sich knapp 1000 ehemalige Stiftsschülerinnen und Stiftsschüler angemeldet haben. Sind Sie auch dabei?

Klar, meine Aufgabe ist es, zu moderieren und irgendwie durch den Tag zu führen. Und das werde ich nach bestem Wissen und Gewissen machen.

 

Wie kamen Sie denn zu diesem Einsatz?

Ich wurde vom Komitee gefragt. Übrigens alles auch Leute, die immer wieder ins Theater Rigiblick kommen, um mich zu besuchen. Mein damaliger Prorektor Peter Lüthi war auch noch involviert. Er meinte: Mach einfach so, wie du denkst, dann kommt es gut. 

 

Worauf freuen Sie sich am meisten?

Natürlich auch auf die Programmpunkte, es wird lässig. Aber ehrlich gesagt, am allermeisten freue ich mich darauf, die Menschen zu treffen, mit welchen ich eine tolle Zeit verbracht habe. Und da gibt es doch einige Freundschaften, die bis heute gehalten haben. Mit Menschen in Kontakt zu kommen, das hat für mich die Stiftsschule immer ausgemacht. Die Menschlichkeit hallt bis heute nach. Und so hoffe ich, dass ich trotz meines Engagementes auch dazu komme, mit vielen Leuten ins Gespräch zu kommen.

 

EInsiedler Anzeiger / Angela Suter

Autor

Einsiedler Anzeiger

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  • Musik

Publiziert am

26.06.2026

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