Der Obermäuder Stephan Zürcher führte die Einsiedler Delegation am grossen Umzug durch das Städtle an. Mit dabei sind der Einsiedler Tüüfel, dä Fuehrmaa, Dominos, s’Chalb und d’Ustrichler (Bild). Foto René Hensler
Der Obermäuder Stephan Zürcher führte die Einsiedler Delegation am grossen Umzug durch das Städtle an. Mit dabei sind der Einsiedler Tüüfel, dä Fuehrmaa, Dominos, s’Chalb und d’Ustrichler (Bild). Foto René Hensler

Volkskultur

Die Einsiedler Fasnacht begeisterte auch in Stuttgart

In Bad Cannstatt fand am Wochenende das grosse Narrentreffen der Vereinigung Schwäbisch Alemannischer Narrenzünfte statt. Neben 68 Mitgliederzünften mit über 10’000 Mitgliedern nahmen auch die Einsiedler Goldmäuder teil.

Bereits am Freitagabend erfolgte der Startschuss zum grossen Narrentreffen in Stuttgart Bad Cannstatt. Kurz nach 17 Uhr wurde vor dem alten Rathaus der Narrenbaum gestellt. Dieser machte dann allen klar: Jetzt regiert hier die Fasnet. Da viele Gastzünfte erst am Samstag anreisten, war dieser Abend für die an den nächsten beiden Tagen arbeitenden Narren gedacht. Die Goldmäuder starteten am Samstagmorgen kurz nach acht Uhr mit der Carfahrt ans Narrentreffen. Mit einem Kafeehalt wurde die Schwabenmetropole am frühen Nachmittag erreicht, die Zimmer bezogen und dann erfolgte das Verschieben in die Altstadt.

Freinacht für Narren


Die Nacht von Samstag auf Sonntag war eine Freinacht. So konnten sich die verschiedenen Zünfte wieder einmal gegenseitig ungezwungen kennenlernen. Auch wurden verschiedene Bräuche dargeboten. Einer der eindrucksvollsten war die Hexenverbrennung der Offenburger Hexen auf dem Neckar. Nachdem alle notwendigen Auflagen erfüllt und alle erdenklichen Sicherheitsaspekte angedacht waren, konnten die Offenburger eine gut drei Meter hohe Strohpuppe, also keine echte Hexe, auf dem Fluss Neckar verbrennen. Im Normalfall ist dies der Abschluss der Fasnet in Offenburg. Aufgrund des Narrentreffens liessen es sich die Offenburger Hexen aber nicht nehmen, ihren Brauch einmal ausserhalb ihrer angestammten Landen und Zeit zu zeigen. Die nachfolgenden Stunden gehörten dann aber den vielen Hästrägerinnen und Hästrägern. Nur so viel sei verraten: Auch Schweizer Liedgut kam zum Einsatz. In Bad Cannstatt ist die berühmte Vorwahl nun auch sehr bekannt.

Begeisterte Zuschauer


Je nachdem wer gefragt wurde, der konnte das Maximum aus seiner Hotelzimmermiete rausholen. Jedoch dürfte sich die Rentabilität bei vielen im tiefen einstelligen Prozentsatz befinden. Am Morgen war das Staunen aber schon recht gross: Schnee in Stuttgart! Nichtsdestotrotz wurde das Frühstück genossen und alsdann sich für den Umzug bereit gemacht. Da die Einsiedler die Nummer sieben erhielten, galt es, sich früh bereit zu machen. Alles wieder gepackt, im Bus verstaut, ging es auf die Wasen. Unter dem Jahr stehen da natürlich keine Festzelte. Am Sonntag parkierten die Umzugsteilnehmer ihre Busse dort. Ein kleiner Spaziergang zum Einstellungsraum konnte als Aufwärmen abgehakt werden. Schon bald rückte die Startzeit näher. Pünktlich um 12.15 Uhr startete SWR mit der Übertragung. Genauso pünktlich ging der Umzug los.

Politprominenz führt Umzug an


Ein Polizeiauto führte den Tross an. In einer Kutsche folgten der Ministerpräsident Baden-Württembergs, Winfried Kretschmann, und der Oberbürgermeister Stuttgarts, Fritz Kuhn. Als erste Zunft kamen dann die gastgebenden Kübeler mit ihren verschiedenen Figuren. Dann folgten jene Zünfte, welche die längsten Anreisewege hatten. Neben den Konstanzer Blätzlebuebezunft waren dies die Röllizunft Siebnen, die Karnöffelzunft Willisau, die Wylägerer Fasnachtsgesellschaft Unterägeri, die Schwyzer Nüssler, die Röllelibutzen und eben als Nummer sieben die Einsiedler Goldmäuder Der Schreibende hatte sich einen guten Platz zum Fotografieren ausgesucht. Als etwas grösserer Mitmensch dachte er sich: Dies gebe ganz gute Bilder. Aber, es kam anders. Kaum waren die Kameras des Fernsehens vorbei, wurden die Einsiedler erst recht aufs Korn genommen. Urplötzlich schnellten die Smartphones in die Höhe und es wurde wie wild fotografiert und gefilmt. Richtig gut strecken war dann angesagt für den Fotografen. Die Leute waren einfach nur begeistert ob dem Gezeigten.

Mehr Umzug als üblich


Alles in allem ging der Umzug über 2,4 Kilometer. Glücklicherweise hatte es nicht allzu viele Steigungen. Die Umzugslänge war also rund doppelt so lang wie an den Einsiedlerumzügen. Im Anschluss galt es zuerst, den Wasserhaushalt wieder auszugleichen. Für die Mäuder dauerte der Umzugseinsatz rund eine Stunde. Aufgrund der zu erwartenden Überfüllung der angeschriebenen Häuser wurde spontan entschieden, sich auf den Heimweg zu machen. Wieder führte der Weg auf das Wasen-Festgelände und der Bus wurde für die Heimfahrt bestiegen. Nun konnte die letzte Nacht auf dem Weg nach Hause etwas nachgeholt werden.

Einsiedler Anzeiger / René Hensler

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Brauchtum / Feste

Publiziert am

21.01.2020

Webcode

schwyzkultur.ch/keFCVq