Paul Jud zeigt als Leihgabe Originalbanknoten der Deutschen Mark und erklärt, was ein Laib Brot im Zweiten Weltkrieg gekostet hat. Bild Sandra Steiner
Paul Jud zeigt als Leihgabe Originalbanknoten der Deutschen Mark und erklärt, was ein Laib Brot im Zweiten Weltkrieg gekostet hat. Bild Sandra Steiner

Literatur

Ein Abend, der zum Nachdenken und zu grosser Dankbarkeit anregt

An einem gemütlichen Ort fand am Freitag die Vernissage eines eher ungemütlichen Buches statt: «Grabsteinvogel Alois» von Paul Jud.

Das lange Warten hat endlich ein Ende. Zur Buchvernissage für das neue Buch von Paul Jud, «Grabsteinvogel Alois», wurde am Freitag, 11. Juni, in die Brauerei Rosengarten eingeladen. Die vielen Besucherinnen und Besucher wurden vom Autor herzlich begrüsst. In der Halle der Brauerei Rosengarten durften sich die Gäste schon mal setzen und das Eintauchen in die Geschichte begann.

Immer wieder ein Erlebnis


Auf der einen Seite der Bänke standen ausgestellte Wehrmänner in Originaluniformen des Zweiten Weltkrieges sowie Banknoten der 40er-Jahre. Auf der anderen Seite konnten die Gäste die Originalbilder von Toni Ochsner bestaunen. Eine Buchvernissage von Paul Jud ist immer wieder ein besonderes Erlebnis. Da kann es kein Zufall sein, dass «Grabsteinvogel Alois» zu Alois von der Brauerei Einsiedeln führt. Die Gäste durften in zwei Gruppen eine kleine Führung durch die Brauerei erleben. Daniel Gmür zeigte in Kurzfassung, wie Biere entstehen und was es alles dazu braucht. In den verschiedenen Stationen durch die Brauerei staunten doch alle, wie gross der Familienbetrieb ist. In der Zwischenzeit erzählte Paul Jud der anderen Hälfte, wie die Menschen im Südtirol den Zweiten Weltkrieg erlebt haben müssen. Sein Buch fand den Anfang im Jahr 2014, als er einen alten Friedhof im Südtirol aufsuchte. Friedhöfe haben auf jeden von uns eine besondere Anziehung. Ob es die Ruhe ist, Frieden, Demut, Dankbarkeit? Jeder spürt es anders. Paul Jud läuft durch eine Grabsteinreihe, liest die Inschriften und stutzt bei einem Grabstein, als er sieht, dass ein Name nicht vorne, sondern an der schmalen Seite geschrieben steht. Was hat es damit auf sich? Ein schwarzer Vogel setzt sich auf den Grabstein, schaut Paul an und die Kommunikation auf einer Ebene der Seelenverwandtschaft beginnt. Der Grabsteinvogel Alois bittet Paul, dass er ihn erlöse …

Viel zu spät zur Besinnung gekommen


Das Buch wurde von Hansjörg Ochsner vorgestellt. In packender und lockerer Art erzählt Hansjörg Ochsner, wie Paul die Geschichte von Alois erfährt, einem im Jahr 1913 geborenen Jungen, der es von Anfang nicht leicht hatte. Er wurde mit einer Hasenscharte geboren, was für die Familie eine Schande war. Alois war ein intelligenter Junge und machte seinen Weg. Er lernte schnell, wie man Leute beherrscht. Nach einem Ereignis, das in prägte, suchte er den Sinn des Lebens in einer Elite-Einheit der deutschen Wehrmacht. Viel zu spät kam er zur Besinnung. Eine bewegende Geschichte aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, über die Sinnlosigkeit eines Krieges, über Verführung und Manipulation, über die grosse Liebe, die Ruhelosigkeit und Reue. Den Frieden finden und Verzeihen. Paul Jud packte all dies in das Buch «Grabsteinvogel Alois », das trotz der Tragik der Geschichte leicht zu lesen und zu verstehen ist. Die abstrakten Bilder von Toni Ochsner lassen die Leser innehalten, Text und Bild werden eins und fliessen ineinander. Mit grossem Dank und grossem Applaus wurde den Sponsoren für die Unterstützung gedankt, Hansjörg Ochsner für die Buchvorstellung und Daniel Gmür für die Führung durch die Brauerei sowie die vielen Biere und Getränke für den Apéro. Das Buch durfte im Anschluss gekauft werden. «Grabsteinvogel Alois» ist beim Vogelherd- Verlag erhältlich. Ein spannender Abend ging gemütlich zu Ende und hat zum Nachdenken angeregt und zu grosser Dankbarkeit.


Einsiedler Anzeiger / Sandra Steiner-Staub

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

15.06.2021

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