Pianistin Stefania Passamonte (l.) und Bratschistin Hana Gubenko wurden vom Publikum mehrfach herausgerufen. Bild Yvonne Götte
Pianistin Stefania Passamonte (l.) und Bratschistin Hana Gubenko wurden vom Publikum mehrfach herausgerufen. Bild Yvonne Götte

Musik

Ein Konzert zwischen Beethoven- und Raff-Jahr

Die Bratschistin Hana Gubenko und die Pianistin Stefania Passamonte präsentierten Beethoven am Samstagabend im Reformierten Kirchgemeindehaus Lachen durch Joachim Raffs Linse.

Beethovens grosses Jubiläum wäre im Coronajahr 2020 ordentlich gefeiert worden; Raffs 200. Geburtstag wird 2022 begangen – 2021 gehen die beiden Komponisten im Konzert der Joachim-Raff-Gesellschaft eine Synthese ein. Dafür transferierten die beiden Musikerinnen zwei Cellosonaten von Beethoven auf die Bratsche, das Aschenputtel unter den Streichinstrumenten – im 19. Jahrhundert eine gängige Praxis. Hana Gubenko hatte die Werke selbst auf ihr Instrument übertragen und dadurch verinnerlicht; ihre Begleiterin Stefania Passamonte, die das Projekt vom zuerst vorgesehenen Timon Altwegg übernommen hatte, begleitete rhythmisch scharf prononciert, während auch die Mittelstimmen stets hervortraten.

Post-Liszt-Beethoven


Den Mittelteil des Konzerts bestritt Stefania Passamonte alleine mit drei Klavierstücken von Raff, die sich auf Beethoven beziehen. Einerseits verpflanzte der in Lachen geborene Komponist Beethovens «Romanze für Violine und Orchester op. 40» und das Lied «Lebensglück» ins Medium der Klaviermusik – und zwar so, dass auffällt, dass zwischen der Entstehung der Originale und der Raff’schen Bearbeitungen auch die Liszt’sche Revolution des Klavierspiels stattgefunden hat. Darüber hinaus schrieb Raff anlässlich der Einweihung des berühmten Bonner Beethoven- Denkmals, bei der er Franz Liszt als Assistent unterstützte, einen kurzen Marsch für ein damals erschienenes «Beethoven-Album». Nicht gerade ein Schlüsselwerk von Raff, aber trotzdem charmante zwei Minuten, die einen Einblick in seine frühen Jahre geben, in denen er noch den Weg eines Salonkomponisten beschritt.

Ausblick auf Beethovens Spätwerk


Zwischen der Komposition der zuerst gehörten «Cellosonate op. 5 Nr. 2» und der «dritten Sonate op. 69» liegen zwölf Jahre, denen man anhört, wie Beethoven mit Siebenmeilenstiefeln voranstürmte – der Kopfsatz ist zerklüftet, kontrastreich, chromatisch eingefärbt und weist auf das mysteriöse Spätwerk des Komponisten voraus. Gegenüber der ersten Sonate steigerte sich das Duo noch einmal. Als das rhythmisch vertrackte Scherzo mit einem Pizzicato verklingt, lockt Beethovens bärbeissiger Humor, der ans Dämonische grenzen kann, beim Publikum ein Schmunzeln hervor. Im Finale mit seiner langen Einleitung konnte sich Gubenko auch von inniger Seite zeigen. Mit Applaus wurden die beiden Musikerinnen mehrfach hervorgerufen.

Höfner Volksblatt und March-Anzeiger / Severin Kolb

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

27.09.2021

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