Grosse Lebensfragen: Schüler und Schülerinnen des Schulhauses Nordstrasse. Foto: Emanuel Ammon
Grosse Lebensfragen: Schüler und Schülerinnen des Schulhauses Nordstrasse. Foto: Emanuel Ammon

Bühne

Ein Schulhaus macht Welttheater

Tanz- und theaterpädagogisches Projekt «Welttheater 2020» im Schulhaus Nordstrasse: 270 Schulkinder vom Kindergarten bis zur sechsten Primarklasse stellten sich in der letzten Woche den Fragen des Lebens. Und setzten dies theatralisch gekonnt um.

Auf dem Vorplatz des Schulhauses Nordstrasse startete am vergangenen Donnerstagabend das tanz- und theaterpädagogische Projekt «Welttheater 2020». Dieses wurde von Livio Andreina und Graham Smith, ihres Zeichen Regisseur und Choreograf des kommenden Welttheaters, lanciert.


Nie endgültig beantwortbar


Der Inhalt behandelte unsere, aber speziell auch die Lebensfragen der Schüler und Schülerinnen, die sich immer wieder neu stellen und nie endgültig beantwortet werden können. Beteiligt waren gegen 270 Schulkinder – vom Kindergarten bis zur sechsten Primarklasse des Schulhauses Nordstrasse. Unterstützt wurden sie von ihren Lehrpersonen. Mit dabei waren auch mehrere Personen und Studierende der «Zürcher Hochschule der Künste ZHdK». Darunter der Theaterpädagoge und -dozent Marcel Wattenhofer, der das Projekt «Nordstrasse» geleitet hat. Am vergangenen Donnerstagabend, um 18 Uhr, konnte nun vielen Eltern und Interessierten das Resultat präsentiert werden. Eine ganze Woche wurde intensiv daran gearbeitet. So wie Calderon damals die grossen Lebensfragen behandelte, machten sich «Menschenmaschinen» Gedanken über den Sinn des Lebens. Der Start war auf dem Vorplatz, wo bunt bekleidete Schülerinnen und Schüler unter Begleitung von toller Musik die vielen Eltern und sonst Interessierten begrüssten und in ihrer Werkstatt der Lebensfragen willkommen hiessen.


Das Frage-Sortierbüro


Für die Beantwortung dieser wohl wichtigen Fragen wurden Maschinen gebaut, die versuchten, Antworten auf die Fragen des Todes, der Gefühle oder komischer, herzlicher und dunkler Gedanken zu geben. All diese Fragen kamen ausschliesslich von den Schülerinnen und Schülern. In einem zweiten Teil wurden die Anwesenden in Gruppen aufgeteilt und in die verschiedenen Klassenzimmer geführt. Auch hier wurden Antworten auf weitere Fragen gesucht, wie «warum sind wir auf Erden, warum habe ich gestern meinen Fuss gebrochen, was macht mich glücklich, wieso wird man alt, wo sind meine Wurzeln oder warum gibt es Menschen?» Nach Versuchen zur Beantwortung dieser Fragen zügelte man in ein weiteres Zimmer, in das Frage-Sortierbüro, wo die Gäste nochmals begrüsst wurden. Die Schüler und Schülerinnen machten sich Gedanken, was von ihnen eigentlich erwartet werde: Respekt, die Erledigung der Hausaufgaben, das Aufräumen des Zimmers, das Decken des Tisches oder das Grüssen. Diese Gedanken gingen so weit, dass man eigentlich gar nie einen Blödsinn machen dürfe. Letzten Endes kam man dann aber doch zur Einsicht, dass wir alle, so wie wir sind, perfekt sind. Die Schlussszene spielte sich dann wieder auf dem Vorplatz ab. Es war bereits dunkel, sodass die ganze Choreografie, die Bewegungen, das Licht und die Musik speziell zur Geltung kamen und Schülerinnen und Schüler weitere Lebensfragen stellten, wie «aus was besteht die Welt oder warum müssen wir mit diesen Fragen leben und können wir gehen, wenn wir diese schlussendlich verstehen?».


Passende Kulisse


Zum Schluss dankte Stefanie Kälin als Schulleiterin des Schulhauses Nordstrasse den anwesenden Eltern, Grosseltern und einfach allen, dass sie dieses «kleine Welttheater» besucht hatten. Ohne Ausnahme hätten alle Kinder in dieser Woche eine riesige Arbeit geleistet und viel Phantasie entwickelt. Es sei auch alles etwas drunter und drüber gegangen, aber schlussendlich zu einem guten Ende geführt worden. Das eingerüstete Schulhaus Nordstrasse passte hervorragend als Kulisse zum Projekt, so wie Lebensfragen, die sich immer und immer wieder neu stellen. Andererseits als Hoffnung, dass sich die Frage eines weiteren Umbaus für längere Zeit nicht neu stellt. Die Anwesenden verdankten die anregenden Fünfviertelstunden mit einem herzlichen Applaus. Das Ganze wurde dann tags darauf am Freitag wiederholt. Bis im kommenden Frühling werden noch weitere ähnliche Projekte stattfinden.


Einsiedler Anzeiger / Wolfgang Eberle

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

29.10.2019

Webcode

schwyzkultur.ch/WHJLQ2