Joe Fuchs, Buchhandlung Benziger Joe Fuchs ist engagierter Buchhändler im Klosterdorf und zeigt das zweite Buch mit Weihnachtsgeschichten, das nun herausgekommen ist. Foto: Wolfgang Holz
Joe Fuchs, Buchhandlung Benziger Joe Fuchs ist engagierter Buchhändler im Klosterdorf und zeigt das zweite Buch mit Weihnachtsgeschichten, das nun herausgekommen ist. Foto: Wolfgang Holz

Literatur

«Bücher wirken beruhigend»

Die Buchhandlung Benziger am Klosterplatz feiert diese Woche ein spezielles 100-Jahr-Jubiläum. Im Interview erklärt Inhaber Joe Fuchs, warum Bücher nach wie vor gefragt sind.

Wolfgangn Holz: Herr Fuchs, man darf Leser ja durchaus mal in die Irre führen. Klären Sie uns dennoch kurz über die besondere Arithmetik des 100-Jahr-Jubiläums von Benziger auf, das Sie diese Woche begehen.


Die Buchhandlung Benziger gibt es natürlich schon viel länger als 100 Jahre. Bis 1792 reichen bekanntlich die Wurzeln der Buchhandlung Benziger in Einsiedeln zurück – als Johann Baptist Carl Benziger vom Kloster die Genehmigung erhielt, Devotionalien und Bücher zu vertreiben. Die 100 Jahre Benziger, die wir jetzt begehen, spiegeln quasi meine persönliche Zeit bei Benzinger wieder.

Aber Sie sind ja noch keine 100?



Es bedeutet, dass ich zum einen vor 40 Jahren bei Benziger als Lehrling angefangen habe und mir seit 33 Jahren die Buchhandlung gehört. Zum anderen bin ich in diesem Jahr 60 geworden. Und 60 Jahre und 40 Jahre ergeben zusammen 100 Jahre. Ich möchte mit dieser Jubiläumsveranstaltung vor allem auch darauf hinweisen, dass es heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr ist, dass es in Einsiedeln so eine grosse Buchhandlung gibt. Viele wissen das, darum ist es auch ein Dankeschön an alle, die uns seit Jahren die Treue halten.

Wie kann man sich denn in digitalen Zeiten gegen die Konkurrenz im Internet als Buchhändler über Wasser halten?



Man kann heute eigentlich fast nicht mehr überleben als Buchhändler, wenn man sich nicht breit aufstellt und neben Büchern auch Spiele, Non-Books, Taschen, Deko-Geschenkartikel und vieles mehr anbietet. Mittlerweile macht dieses Angebot rund 30 Prozent unseres Umsatzes aus.

Aber das Buch hat doch in den letzten Jahren eine starke Renaissance erlebt. Bücher sind beliebt wie nie zuvor – im Gegensatz zur Presse, die gegen Online-Portale zu kämpfen hat.



Das stimmt einerseits schon. Bücher sind sehr beliebt – weil es auch wieder junge Leser gibt, die nicht den ganzen Tag auf den Bildschirm ihres Computers oder ihres Handys starren wollen. Deshalb will man in der Freizeit nicht auch noch unbedingt E-Books lesen. Bücher wirken für viele beruhigend in unserer digitalisierten Welt – auch weil man etwas in der Hand hat. Und weil sich Kunden gerne mal ein schönes Buch mit Goldschnitt oder einen Bildband leisten. Aber als Verlagsvertreter für einige deutsche Verlage weiss ich natürlich aufgrund von Erhebungen im deutschen Sprachraum, das rund fünf Millionen Buchleser durch das Internet einfach verlorengegangen sind.

Und wie können Sie diesen Verlust an Leseratten kompensieren?



Ganz kompensieren lässt sich das natürlich nicht. Wir versuchen aber, durch eine grosse Auswahl und ein breites Angebot an Büchern möglichst viele Kunden anzusprechen und sie zu beraten. Wir in Einsiedeln können uns ja nicht wie Buchhandlungen in grossen Städten auf eine bestimmte Leserschaft fokussieren. Wir müssen für alle etwas haben. Das geht von Reiseführern über Kochbücher zu Literatur für die ländliche Bevölkerung bis zu Weltliteratur und nicht zuletzt natürlich eine breite Palette an religiösen Büchern. Bei uns werden zudem auch sehr gerne Kinderbücher gekauft. Kinder und junge Menschen sind die Leser von Morgen.

Und wie sieht es bei der Literatur aus?



Unterhaltungsliteratur ist beliebt, wie etwa der Einsiedler-Krimi von Silvia Götschi oder Biografien, wie die von Michelle Obama im letzten Jahr. Bücher, die in den Medien empfohlen werden oder einen Preis erhalten, laufen in der Regel auch sehr gut. Das gilt natürlich ebenso für die Bücher von Lukas Bärfuss nach seinem Erhalt des Büchner-Preises, den ich gerne im Frühling einmal zu einer Lesung einladen möchte. Die Auswahl beim Einkauf ist deshalb sehr wichtig. Das gilt natürlich ebenso für die Bücher von Lukas Bärfus nach seinem Erhalt des Büchner-Preises. Der Einkauf, den wir tätigen, ist deshalb sehr wichtig. Wir kaufen im Prinzip ein, was uns gefällt. Ganz wichtig ist natürlich für uns nicht zuletzt die Beratung unserer Kunden – angesichts der vielen Bücher, die es heutzutage auf dem Markt gibt.

Apropos Religion. Sie sind direkter Nachbar des Klosters. Welche Rolle spielt die religiöse Literatur noch in ihrem Sortiment?



Das Kloster selbst spielt nach wie vor eine grosse Rolle – nicht nur für uns, sondern für ganz Einsiedeln. Kommen doch rund 80 bis 90 Prozent der Besucher deswegen hierher – und natürlich wegen der schönen Landschaft. Die religiöse Literatur ist deshalb wichtig für uns und macht einen Umsatzanteil von neun bis zehn Prozent, auch wenn Pilger und Jakobswegwanderer nicht unbedingt die klassischen Kunden sind. Es gibt schweizweit auch nicht mehr viele Buchhandlungen, die den religiösen Büchern Platz bieten. Der Hunger nach spiritueller und religiöser Literatur nimmt aber stets zu.

Warum wollten Sie eigentlich Buchhändler werden?


Für mich ist dadurch ein grosser Traum in Erfüllung gegangen. Schon von Kindheit an habe ich von meinen Eltern öfters Bücher bei Benziger geschenkt bekommen, wenn wir aus Wollerau, wo ich geboren und aufgewachsen bin und heute noch wohne, nach Einsiedeln hochgekommen sind. Schliesslich konnte ich eine Lehre bei Benziger machen. Als ich dann mit 23 Jahren Geschäftsführer in der Buchhandlung Benziger wurde, kam einmal eine Klasse mit Buchhändlerlehrlingen auf Besuch nach Einsiedeln. Deren Lehrerin sagte zu ihnen: «Schaut, so führt man eine Buchhandlung.»

Buchhändler müssen von Geschäfts wegen viele Bücher lesen. Was liegt bei Ihnen derzeit auf dem Nachttisch?



Ich lese gerade das neue Buch von Rafik Schami «Die geheime Mission des Kardinals», «Der Wintersoldat» von Daniel Mason und die wunderbare weibliche Odysee «Ich bin Circe» von Madeline Miller. Auch lese ich Manuskripte von Büchern, die noch publiziert werden sollen. Eine sehr schöne Liebesgeschichte ist das Buch von David Nichols: «Sweet Sorrow». Zu Deutsch: Süsse Sorge.

Auf was freuen Sie sich bei Ihrer bevorstehenden Jubiläumsveranstaltung am meisten?



Ich freue mich natürlich, dass dieses Jubiläum schon im Vorfeld bei unseren Kunden gut ankommt. Es ist ein Geschenk an unsere Kunden – das in Form meines zweiten Bandes «Hinter den Bergen träumen die Engel» neuer Weihnachtsgeschichten aus der Schweiz zum Ausdruck kommt. Mit den Autoren dieser Geschichten können unsere Besucher unter anderem am 16. November diskutieren, plaudern und auf ihre neuen Bücher anstossen. Ich freue mich sehr darauf. Am kommenden Samstag, 16. November, ab 14 Uhr, wird im Rahmen des Jubiläums 100 Jahre Buchhandlung Benziger die Buchtaufe des zweiten Weihnachtsbuchs «Hinter den Sternen träumen die Engel» in der Buchhandlung gefeiert. Anwesend sind zahlreiche Autoren.

Einsiedler Anzeiger / Wolfgang Holz

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

08.11.2019

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schwyzkultur.ch/EDh3rL