Clown und Lehrer, zwei Berufe welche Diego Degiorgi gut miteinander verbindet. Bild Christian Marty
Clown und Lehrer, zwei Berufe welche Diego Degiorgi gut miteinander verbindet. Bild Christian Marty

Bühne

Christian Marty trifft Dario Degiorgi, Primarlehrer und Clown

Ohne Kostüm, ohne rote Nase, ohne Perücke, ja ganz normal erscheint Dario Degiorgi zum Gespräch auf dem Zürcher Bellevue-Platz. Und trotzdem kann er es zuweilen nicht lassen, als Clown aufzutreten.

«Clown»  Schweizerdeutsch: «Gloon»: Das Wort ist vom Lateinischen über das Englische sozusagen ins Deutsche gewandert. Mit «colonus» haben die Römer den Bauern bezeichnet; als «Clown» haben die Londoner Theaterbesucher den auf der Bühne stehenden Bauerntölpel betitelt. Heute wissen wir: «Clowns»  «Glöön»  gibt es weder ausschliesslich auf dem Ackerland noch ausschliesslich im Schauspielhaus. Vielmehr sind sie überall. Ein Soziologe würde Clowns wohl in zwei Gruppen aufteilen, und zwar, so könnte man sagen, einerseits in einen unfreiwilligen Typus und andererseits in einen freiwilligen Typus. In die erste Gruppe kämen, spekulieren wir, zum Beispiel Donald Trump oder Hillary Clinton; in die zweite Gruppe kämen, spekulieren wir, alle jene bunt bemalten Menschen, die beim Zirkus, an Kindergeburtstagen oder auf belebten Strassen für lustige Szenen sorgen. Und Dario Degiorgi?

Christian Marty: Dario, was hast Du bisher gemacht in Deinem Leben?

Dario Degiorgi:Darüber könnte ich jetzt mehrere Stunden lang sprechen! Ich versuche, mich kurz zu fassen und nur die wichtigsten Punkte zu erwähnen: Nach der obligatorischen Schulzeit habe ich in Brunnen das Gymi gemacht, und daraufhin habe ich in München eine Schauspielakademie besucht. Zurück in der Schweiz, habe ich die Ausbildung zum Primarlehrer absolviert. Seit rund zwei Jahren bin ich nun Lehrer  nicht festangestellt, sondern Teilzeit arbeitend. Wenn jemand krank ist oder wenn sonst ein Problem eintritt, dann springe ich für einige Wochen ein.

Was für eine Schauspielakademie hast Du besucht?

Nun, das war eine kleinere Akademie, in der man während einem halben Jahr die schauspielerischen Grundfähigkeiten erlernt. Wir versuchten uns mit Gesang und mit Tanz, wir beschäftigten uns mit verschiedenen Erzählstrategien, wir brachten uns das Schminken bei. Ja, es war sehr vielfältig und es machte richtig Spass. Ich hatte schon seit eh und je ein grosses Interesse an künstlerischen Tätigkeiten  doch durch meine neugewonnenen Erfahrungen wurde dieses Inter esse noch grösser, noch bestimmender.

Bist Du mittlerweile hoffentlich!  künstlerisch tätig?

Ja, das bin ich! Eigentlich bin ich das schon seit Längerem! Meine, wenn man so will, künstlerische Karriere fing gleich nach dem Abschluss der Schauspielschule an. Ich lernte in der Akademie eine sogenannte «Clown-Familie» kennen  und mit dieser ging ich dann auf eine Tournee. Wir bereisten Deutschland, Österreich sowie Dänemark und sorgten in verschiedensten Kontexten für Unterhal tung. Auf diese Weise stieg ich gewissermassen in das «Clown-Business» ein. Mittlerweile arbeite ich neben meinem Lehrerberuf als Clown

Als Clown?

Genau so ist es.Speziell, nicht?Mein Nebenjob besteht darin, Leute zum Lachen zu bringen. Ich trete an Kindergeburtstagen, an Schulanlässen, an Eröffnungen oder an ähnlichen Veranstaltungen auf. In einigen Wochen werde ich zum Beispiel an einer Hoteleröffnung aufkreuzen.

Was genau machst Du bei solchen Auftritten?

Das ist ganz unterschiedlich. Bei Erwachsenen präsentiere ich natürlich eine andere Darbietung als bei Kindern. Bei Ersteren führe ich beispielsweise einige Zaubertricks vor, und bei Letzteren arbeite ich etwa mit Ballonen, mit Stelzen oder mit Tänzen. Es gibt eigentlich nur einen Punkt, bei dem ich Erwachsene und Kinder genau gleich behandle: Ich liefere stets eher eine spontane Show anstatt eine geplante Vorstellung ab. Ich versuche immer intuitiv auf die jeweiligen Bedürfnisse der Anwesenden einzugehen.

Gelingt das immer gleich gut?

Nein, immer gleich gut gelingt das nicht. Leute zum Lachen zu bringen, ist gar nicht so einfach. Entscheidend ist, welche Erwartungshaltung die Anwesenden haben. Haben sie konkrete, explizite, genaue Vorstellungen von der Show eines Clowns, so werden sie schnell enttäuscht. Anders sieht es aus, wenn sie offen, aufgeschlossen, zugänglich sind. In diesem Fall wird meine Darbietung fast kontinuierlich von Gelächter umgeben. Wegen solchen Momenten liebe ich meinen Nebenjob.

Kinder

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

14.10.2016

Webcode

schwyzkultur.ch/DbtYTR