Begrüsst wurden die Einsiedler durch Livio Andreina. Foto: Albert Fink
Begrüsst wurden die Einsiedler durch Livio Andreina. Foto: Albert Fink

Bühne

Da war er, dieser Theatervirus!

An Steinbrucharbeit und das Näherrücken des nächsten Welttheaters 2020 wurden über 100 Vereinsmitglieder  am letzten Freitag erinnert.
Grund war das von Livio Andreina inszenierte Stück «Steibruch – zrugg us Amerika».

Welttheater – Steibrucharbeit. Das nächste Welttheater rückt näher. Der Klosterplatz wird zur Baustelle. Die Steine werden frisch geklopft und neu gesetzt: Stein neben Stein. Die Klosterfassade: Stein auf Stein! Aufbruch, Abbruch, Umbruch? Das Welttheater: Eine Baustelle? Aufbruch? Abbruch? Neuanfang? «Steibruch». Arbeit am harten Rohstoff. Von Albert Fink Der zukünftige Regisseur Livio Andreina und Anna Maria Glaudemans, verantwortlich für Bühnenbild und Ausstattung, arbeiten schon seit Monaten in und am «Steibruch – zrugg us Amerika», einem Freilichtspiel im Museum Ballenberg. Die Welttheatergesellschaft lud seine Mitglieder und Mitwirkenden zu einer Aufführung ein; und sie kamen. Über hundert Teilnehmer konnten vom Präsidenten James Kälin auf der Carfahrt über den Brünig nach Ballenberg begrüsst werden. Er freute sich, dass so viele dem neuen Regisseur und der neuen Bühnenbildnerin einen Besuch abstatten. Die bunt gemischte und fröhliche Schar von Schauspielerinnen, Musikanten, Programmverkäufern, Technikern und Helferinnen hinter der Bühne hatte sich natürlich viel zu erzählen von den letzten Welttheateraufführungen, ihrer heutigen Lebensrolle und wies da wohl weitergeht im nächsten Stück 2020. So vergingen die zwei Stunden im Car im Nu.


Wenn Singengel reisen …


Im Ballenberg begrüsste Livio Andreina das Einsiedler Theatervolk. Er war richtig erleichtert, dass es nicht mehr regnete und stürmte, denn er konnte in der letzen Nacht kaum ruhig schlafen und musste schon am Morgen in aller Frühe dauernd das Wetter-App-Orakel befragen. Doch wenn Singengel reisen, lichtet sich am Abend der Himmel. In einer kurzen Einführung erzählte Anna Maria Glaudemans von ihrer Arbeit als Bühnenbildnerin und was es alles braucht, um auf einer wunderschönen Museumswiese zwischen alten Kapellen und Gebäuden einen engen und steilen Steinbruch hinzuzaubern mit hohen Felsen (bemalter Stoff), Kies und Geröll, mit Schienen und Loren, einer Hütte mit Kaninchenstall und Gärtchen, Zu- und Abgängen. Da braucht es Teamwork, viele Helfer und Profis mit Baumaschinen, aber auch Überzeugungskraft und Durchsetzungswillen. «Das Theaterstück muss in die Landschaft hineingemeisselt werden.» Die Arbeit im Steinbruch kennt auch Livio Andreina. Sein Vater arbeitete am harten Gneis. Da durfte er jeweils in einer Lore mitfahren.


Ein Profi und viele Laien


Der Hauptdarsteller und einzige Profi im Spielvolk, Hanspeter Müller-Drossaart – für die älteren Einsiedler kein Unbekannter – war im Welttheater 1981 mit Gerd Kübel Regieassistent. Er erläuterte das Stück etwas näher. Es wurde von Albert Welti 1939 für die Landesausstellung in Zürich geschrieben. Für den Ballenberg musste er es von ursprünglich 8 Rollen auf rund 40 Rollen umschreiben. Auf die Frage, wie das so sei als einziger Profi unter 40 Laien, meinte er, das sei nicht so einfach, weil der Profi vor allem Können mitbringt und die Laien Spielfreude. Da müsse man sich zuerst finden, aber es sei sehr angenehm. Der Regisseur meinte ergänzend, dass die Kraft des Profis die Laien mitträgt. Wie im Einsiedler Welttheater spielten im «Steibruch» Kinder eine spezielle Rolle, allerdings nicht ungeborene, sondern uneheliche und behinderte: «s Maitli und de Näppi», die beiden Kinder von Murer (gespielt von Hanspeter Müller-Drossaart) .


Gemeinsam etwas Grosses


Während des Apéros zog «s Maitli» mit einer Flinte bewaffnet an den Einsiedler Gästen vorbei zur Steibruchhütte. Das Dorftheater konnte losgehen: Dorfgerüchte, Verdächtigungen, Vorverurteilungen, Mobbing, Schuld und Sühne. «D Wahrheit, si hed di la hocke, si hed di la straafe, si hed di la liide. D Wahrheit.» Das Einsiedler Welttheatervolk durfte einen tollenTheaterabend erleben. Das Publikum bedankte sich mit einer Standing Ovation. Und er war wieder zu spüren, der Theatervirus, diese Spielfreude, gemeinsam etwas Grosses zu schaffen. Möge er möglichst alle 100 Einsiedler Besucher angesteckt haben und zu Hause weiterwirken und noch viele andere infizieren bis zum neuen Einsiedler Welttheater 2020!


Einsiedler Anzeiger / Albert Fink

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

21.08.2018

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schwyzkultur.ch/ucVwaK