«Sie sagen mir Bostich.» Ohne Berührungsangst lässt sich Michael Elsener auch auf die Ausländerproblematik ein. Foto: René Steiner
«Sie sagen mir Bostich.» Ohne Berührungsangst lässt sich Michael Elsener auch auf die Ausländerproblematik ein. Foto: René Steiner

Bühne

Ein begeisternder Auftritt

Ein begeisternder Auftritt von Michael Elsener mit «copy & paste» am Freitag im bis auf den letzten Platz besetzten Chärnehus! Die Gruppe Spedakel hat einmal mehr für einen Volltreffer gesorgt.

Michael Elsener gewann den kleinen Prix Walo, stand im Final des Swiss Comedy Award und trat bei Giacobbo/Müller auf. Am Freitagabend präsentierte der junge Komiker sein Programm «copy & paste» im Chärnehus, mit dem er vor bald anderthalb Jahren Premiere hielt.

Einfach und pointiert

Der Handlungsablauf ist ein eher einfaches Muster. Elsener möchte sein Programm aufführen, doch läuft so einiges falsch an diesem Abend. Die Requisiten sind am falschen Ort aufgestellt. So steht der arme Kerl auf der Bühne im Chärnehus und hat nichts ausser einen Koffer – Inhalt wenig, aber mindestens mit Pingudrink. Da können auch Mamis gute Ratschläge nicht weiterhelfen! Nun gilt es, das beste aus der Situation zu machen, die Löcher – wie Emmentaler und möglichst neutral – zu füllen. Und nun reihen sich die Programmteile aneinander, verbunden durch gekonnte Improvisationen. Sie machen den Auftritt einmalig und lassen das Können des Nachwuchsmannes zum Zuge kommen: witzig und frech, spritzig und oftmals hintergründig.

Kritik der feinen Art

Die Wortspielereien folgen phasenweise derart dicht und pointiert, der Zuhörer ist deshalb froh um Redepausen. Erfrischend, man kann ruhig auch frech schreiben, pflegt der Kabarettist den Umgang mit Funktionären, Politikern und Klischees und scheut sich auch nicht vor gesellschaftlichen Reizthemen wie Rauschgift oder Ausländer. Kurz, die menschlichen Schwächen werden offengelegt, doch der Mensch nicht verurteilt. Und so werden seine Typen dem Publikum irgendwie gar sympathisch. Beispielsweise der Secondo-Typ mit Machogehabe aus dem Osten – «alle sagen mir Bostich» – oder Röbi, der unbeholfene Verwandte, gewinnen mit jedem Auftritt mehr Zuneigung. Mit Kritik der feinen Art zeichnet Elsener auch unsere Wohlstandsgesellschaft, in der alles vorhanden ist, aber jeder alles können muss und deshalb keine Fehler machen darf.

Gekonntes Kombinieren

Das Nachwuchstalent beweist seine Vielseitigkeit nichtnur mit Worten und Mimik, jongliert mit eher ungewohntem Material – zwei Handys und ein Apfel –, führt dabei zwei verschiedene Telefongespräche und knabbert noch am Apfel. Mehrere Songs lockern sein Programm auf. Dabei brilliert Elsener nicht unbedingt wegen seiner Stimme, dafür mit hintergründigen Texten. Das Potpourri mit bestbekannten Schweizerhits wird zum Drögeler-Hymnus mit Stoff, Gras und Joint. Und trotzdem stimmt es, was irgendwo geschrieben steht: «Michael Elsener zeigt bei seinen Auftritten, dass man auch oberhalb der Gürtellinie Spass haben kann.» Das Publikum verdankte ihm diesen abwechslungsreichen und erfrischenden Einmannauftritt mit frenetischem Applaus.

Infos:

www.michaelelsener.ch



Einsiedler Anzeiger

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

26.05.2010

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schwyzkultur.ch/AF5t4y