Angespannt lauschen und sich dabei entspannen: Ingo Börchers im Einsiedler Chärnehus. Foto: Karl Hensler
Angespannt lauschen und sich dabei entspannen: Ingo Börchers im Einsiedler Chärnehus. Foto: Karl Hensler

Bühne

Ein Feuerwerk der Sprache!

Mit Ingo Börchers holte die Gruppe Spedakel einen Sprachakrobaten ins Chärnehus. Dieser nahm das Publikum auf eine kurvenreiche deutsche Sprachautobahn mit.

Was am 4. März im Chärnehus abging, war ein äusserst farbiger Anschauungsunterricht zum aktiven Gebrauch der deutschen Sprache. Ingo Börchers lud in seinem aktuellen Programm «Die Welt ist eine Google» die Wort-Raketen für seinen Auftritt mit einer Riesenmenge von träfen Zitaten und meist alltäglichen Schlagwörtern.

Kleine feine Unterschiede

Nur mit dem kleinen, aber bei seiner Darbietung gekonnt angewendeten Unterschied, dass er sie in einem andern als uns sonst gewohnten Zusammenhang anwandte. Beispiel: Der Zahnarzt wird zum Brückenbauer. Oder er zählte bei der Vorstellung seiner Person unter dem Begriff Verluste nicht nur eine Anzahl Regenschirme auf, er reihte da auch seine Unschuld ein. Ein riesiger Wortschatz diente ihm als Basis für sein meisterhaft vorgetragenes Programm. Er weiss auch die Sprache der Datenverarbeitung, sprich Computer, leicht verständlich in seinen Vortrag einfliessen zu lassen. Apropos «einfliessen»: Dazu stellte der Kabarettist die Frage: Wo fliesst denn da etwas und wohin?

Seine Deutung der Sprache

Börchers beschoss das Publikum mit verändert angewendeten Begriffen, ohne es zu verletzen. Es sei denn, er hätte mit seinen Knalleffekten die Lachmuskeln der Zuhörer getroffen. Es kam auch vor, dass er bei der gelegentlichen Fremdanwendung von allgemein bekannten elektrotechnischen Begriffen diese zu einem Nonsens werden liess. Einfallsreich und aktuell waren oft seine leicht dahin geworfenen Begriffe. Beeil dich nun langsam, war ein solcher. Oder dass ein Jäger über einen angeschossenen Hasen zum andern sagt: Der Hase läuft nicht, er humpelt. Ab und zu kam sich der Kabarettbesucher vor, als ob er in einem tönenden Zitatenbuch blättern würde. An diesem Abend wurde sich jeder wieder einmal der Vielfalt unserer Sprache bewusst.

Ein mitreissender Auftritt

Dem Begleitprospekt ist zu entnehmen, dass sich Ingo Börchers auf die Datenautobahn begebe. Wer sein aktuelles Programm erlebt hat, weiss, dass hier eigentlich eine kleine Korrektur anzubringen wäre. Der Alleinunterhalter nimmt die Besucher auf die kurvenreiche deutsche Sprachautobahn mit. Wie heisst es im Werbetext weiter? Solches geschehe unangeschnallt und ungehemmt. Im Auftritt passiert dies so mitreissend, dass sich der Zuhörer gerne mitten im Sog des Vortrags befindet. Der Rattenfänger von Hameln lässt grüssen!

Offline als neue Obdachlosigkeit

Was folgt nun? In der Computersprache kennt man die Suchmaschine Google. Wer Ingo Börchers zuhört, ist bald der Meinung, dass er dieses Hilfsmittel nicht mehr brauche. So klar weiss der Künstler uns die Sprache in seiner leicht verständlichen Art näherzubringen. Aber Vorsicht! Die Darbietung könnte leicht zu einer Leimrute werden. Wie ist im besagten Prospekt zu lesen: Offline-Sein ist die neue Obdachlosigkeit. Und Offline ist bald jemand, der sich im Gebrauch der deutschen Sprache in bequemer Art schnell zufrieden gibt.

Schlag auf Schlag

Betrachtet man den Auftritt von Börchers in bilanzierender Art, so ist etwas leicht festzustellen: Nagelt er den Kabarettbesucher noch so sehr mit einem mehr als buchfüllenden Schlagwortschwall, so wird es keinen Moment zum ermüdenden Zuhören. Seine Darbietung wird zum Blumenstrauss, in dem sich manche Blume in neuem Gebinde zeigt. Er entblösst nicht. Er bietet dem Besucher Kleider in neuer Fasson an. Am vergangenen Freitag war eine Darbietung zu erleben, die angespannt lauschen liess und gleichzeitig entspannte.

Einsiedler Anzeiger

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

11.03.2011

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