Ein Fest auch fürs Auge: Die MS Fantasia lässt das Chärnehus erstrahlen. Bild Eva Breuer
Ein Fest auch fürs Auge: Die MS Fantasia lässt das Chärnehus erstrahlen. Bild Eva Breuer

Bühne

Eine Seefahrt, die ist (nicht nur) lustig

Das Sozialleben auf einem Kreuzfahrtschiff ist Thema des Chärnehus-Theaters. Das neue Stück «Seegang» ist packend inszeniert. Es bietet hervorragende Unterhaltung, hinter der stets der Tiefsinn lauert. Am Mittwoch war Premiere.

Bühne und Publikumsraum gehen im Theaterraum des Chärnehus fliessend ineinander über. Alles ist hell und weiss. Gediegen sind die Sessel mit Hussen überzogen. Nicht nur auf dem Kreuzfahrtschiff, auch im Zuschauerraum. Und auf der Brüstung des Mezzanins hängen die rotweissen Rettungsringe. Kunstvoll schwingen sich von oben zwei Treppen hinab auf die Bühne.

Der Zuschauer ist mit dabei

Dann geht das Licht aus. Man hört die Motorengeräusche, das Stampfen des Schiffs und ist damit selber ein bisschen auf See. Und das ist stimmig, denn in dem, was auf der Bühne abgeht, ist der Zuschauer mitgemeint. Dreimal ertönt der durchdringende Ton des Nebelhorns. Dann betritt der Kapitän die Bühne. Seine Uniform ist stattlich und strahlend weiss. Auf seiner Schulter hockt emblematisch ein grüner Papagei. Er heisst die Gäste und damit zugleich die Zuschauer willkommen an Bord des Schiffs mit dem anspielungsreichen Namen «MS Fantasia».

Passagiere kommen an Bord

Als erstes marschieren Lotti und Lutz Klotz auf, die Schwiegereltern des Kapitäns. Und das Zimmermädchen Geraldine muss gleich schon ein erstes Mal ein diskret fallen gelassenes Robidog-Säckchen entsorgen. Denn trotz Haustierverbot ist Lottis Hündchen, das auf den Namen«Piccolo» hört, mit von der Partie. Dann haben die bei den Kittys ihren Auftritt; sie sind Mode-Tussis par excellence und machen in ihren adretten Outfits gleich ein paar Selfies an Bord. Das Business-Paar Brigit Brenner und Jöel Schafroth haben eigentlich nur ein Ziel, sie wollen gezielt nichts tun, was sich allerdings als nicht ganz einfach erweist. Schon ganz abgesehen davon, dass Jöel alle fünf Minuten zu seinem Handy greifen muss. Und da nützt auch die Excel-Tabelle als Stundenplan wenig. Auch wenn auf ihr, abgesehen von Mittag- und Abendessen, stets «nichts» eingetragen ist.

Brüchige Idylle

Dass die Kreuzfahrt-Idylle brüchig ist, wird bald einmal klar. Lutz Klotz findet es dégoutant, dass ihm der Drink vom Matrosen Chin, der chinesische Wurzeln hat, serviert wird. Diesen «pisse de coq» stellt er gleich wieder aufs Serviertablett zurück. Seine Abscheu wird konter kariert durch die Schwärmereien von Berta Becker, die alles «noch viel schöner als im Katalog» findet. Sie und ihr Mann Herbert sind das Non-Plus-Ultra der Biederkeit. Die Kreuzfahrt haben sie in einem Wettbewerb gewonnen. Einen schrillen Akzent setzt die erst kürzlich zur Witwe gewordene Frau Schiele, die, was von ihrem Alfred geblieben ist, in einem Säckchen in der Handtasche mit sich führt.

Kampf gegen Vergängliches

Bunt treibt es auch das Paar Böhni und Beni. Die beiden schiessen unentwegt Fotos oder nehmen digitale Filmchen auf. Gleich schon zu Beginn schiessen sie, akustisch untermalt, nonstop ihre Bilder. Lakonisch kommentiert der Kapitän: «Nach dem Motto ‹Ich fotografiere also bin ich, ich filme, also werde ich ewig sein› kämpfen sie heroisch den Kampf gegen die Vergänglichkeit, der am Schluss doch verloren geht.» Doch auch für den Kapitän und ihn im besonderen gilt: «The show must go on.» «Alles Essbare, was Sie auf dem Schiff finden, dürfen Sie sie sich gleich in den Mund stecken», verkündet er. Zur Probe aufs Exempel stopft er sich gleich eine Praline ins Maul.

Gekonnt musikalisch umgesetzt

Ausgesprochen gekonnt ist, wie die Musik das Geschehen auf der Bühne untermalt oder ironisch kommentiert. Das ist witzig, etwa wenn mitten in die endlose Diskussion der beiden Kittys darüber, welche Jeans nun welche Vor- und welche Nachteile hat, der Ohrwurm «When I wake up in the morning, I pull my old blue jeans on» eingespielt wird. An Komik fehlt es im Stück von Gisela Widmer nicht, doch ist dieser stets auch ihre unheimliche Seite mitgegeben. Auf dem Schiff verwandelt sich die sogenannte Realität in etwas Traumartiges. Im Gegenzug verwandeln sich Träume jäh in Realität. Etwa wenn der von Joël in seinem Albtraum fantasierte beilschwingende Feuerwehrmann plötzlich leibhaftig auf Deck erscheint.

Wirklichkeit bricht ein

Ein Stück gesellschaftliche Wi

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

16.05.2015

Webcode

schwyzkultur.ch/eVKfEQ