«Ich habe oft geweint», sagt Jacqueline Kälin rückblickend auf ihre strenge Ausbildung in Melbourne. (Bild: Urs Gusset)
«Ich habe oft geweint», sagt Jacqueline Kälin rückblickend auf ihre strenge Ausbildung in Melbourne. (Bild: Urs Gusset)

Bühne

Engagement am Opernhaus Zürich

Jacqueline Marianne Kälin aus Einsiedeln schloss ihre Ausbildung zur Balletttänzerin in Australien erfolgreich ab. Die 23-Jährige stand beim Zürcher Ballett erstmals bei den Proben für die Aufführung «Fürst Igor» auf der Probenbühne.

Beim Betreten des Restaurants «tibits», nur einen Steinwurf vom Opernhaus Zürich entfernt, wird Jacqueline Marianne Kälin von einer Angestellten herzlich umarmt. Mit Claudia Spahr tanzte die Einsiedlerin, die am 24. Dezember 23 Jahre alt wird, von 2006 bis 2008 bei der Cinevox Junior Company in Neuhausen. Jacqueline Kälin war die Jüngste, Claudia Spahr die Älteste. «Sie hat mich gecoacht und mir Mut gemacht», sagt die Einsiedlerin, die ihre dreijährige Ausbildung zur Balletttänzerin an der «National Theatre Ballet School» in Melbourne Ende 2011 erfolgreich abgeschlossen hat und im Januar in die Schweiz zurückgekehrt ist. Das Engagement am Opernhaus Zürich erhielt sie zwei Wochen nach ihrer Rückkehr aus Australien durch Mund-zu-Mund-Propaganda, erzählt sie. Seit Kurzem laufen die Proben für die Aufführung «Fürst Igor». Die Premiere erfolgt am 15. April, das Stück läuft während zwei Wochen. «Sehr spannend, lehrreich und herausfordernd », fasst Jacqueline Kälin ihre ersten Probeneindrücke zusammen.

12 bis 14 Stunden getanzt

Sie würde ihre strenge Ausbildung in Melbourne wieder absolvieren, sagt die junge Frau. Sie wollte unbedingt Balletttänzerin werden, seit ihrem elften Lebensjahr. Sie erreichte ihr Ziel, obwohl «ich spät mit Tanzen begonnen habe und meine körperlichen Voraussetzungen nicht ideal waren». Tempi passati: Tägliches und hartes Training machten aus der 174 Zentimeter grossen Einsiedlerin eine professionelle Balletttänzerin, die aber auf vieles verzichten musste. Skifahren darf sie nicht, genauso wenig wie «sünnele». Zum einen wegen der Verletzungsgefahr, zum andern ist eine blasse Haut gefragt. Und ganz beiläufig erwähnt sie noch ihre kaputten Füsse. Doch das gehöre dazu, Abnützungserscheinungen halt, wie bei Spitzensportlern üblich. Sie blickt auf drei anstrengende Jahre in Melbourne zurück. Vor ihrer Ausbildung wurde ihr gesagt, dass sie jeden Abend weinen werde. «Ich habe oft geweint.» Doch ans Aufhören habe sie fast nie gedacht. ImGegensatz zu anderen: 21 Tänzerinnen und Tänzer nahmen im Januar 2009 in der Klasse von Jacqueline Kälin die Ausbildung in Angriff. Diese wurde lediglich von fünf Personen – vier Frauen und einem Mann – mit Erfolg abgeschlossen. «Niemand ist rausgeworfen worden, alle sind freiwillig gegangen», präzisiert Jacqueline Kälin. Sie tanzte täglich 12 bis 14 Stunden, sieben Tage die Woche. Daneben standen schriftliche Hausaufgaben auf dem Stundenplan. Zudem jobbte sie noch in einem Restaurant, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Sie hofft nach diesem Engagement am Opernhaus auf weitere Rollen – realistischerweise im Ausland.

Weitere Infos

- «Fürst Igor» im Opernhaus Zürich
March-Anzeiger und Höfner Volksblatt

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

28.02.2012

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schwyzkultur.ch/kCdhFQ