Ein letzter Applaus: Spieler und der künstlerische Stab verabschieden sich vom Publikum. Bild Victor Kälin
Ein letzter Applaus: Spieler und der künstlerische Stab verabschieden sich vom Publikum. Bild Victor Kälin

Bühne

«Es passte einfach alles zusammen»

«Seegang» ist seit Jahren das kommerziell erfolgreichste Stück der Theatergruppe Chärnehus.

Am vergangenen Samstag stach die «MS Fantasia» letztmals in See. Nach drei Zusatzaufführungen und nochmals vor vollem Rängen  wie fast immer. Da wusste selbst ein Urgestein wie Beat Ruhstaller keine Antwort: Wann letztmals ist die Theatergruppe Chärnehus in die Verlängerung gegangen? Es dürfte 1991 gewesen sein, mit Thomas Hürlimanns einmaligem «Franzos im Ybrig». Seither sei die Theatergruppe des Kulturvereins Chärnehus «publikumsmässig nicht immer verwöhnt» gewesen, weiss Ruhstaller nur alllzugut. Seit Jahren gehört er zum festen Stamm des Ensembles und in diesem Jahr kam beim Stück «Seegang» auch noch die Produktionsleitung hinzu. Der Arbeit war genug  «doch die vielen Zuschauer waren für uns alle eine grosse Motivation».

Ein gesamthaftes Erlebnis

Am Samstag nun ging die Produktion «Seegang» zu Ende. Ein weiteres Mal vor vollen Rängen. 15 von 18 Aufführungen waren ausverkauft; von maximal 1800 Plätzen 1780 besetzt. So etwas hat die Theatergruppe schon seit Jahren nicht mehr erlebt. Entsprechend gross war die Freude im Chärnehus. Den durchschlagenden Erfolg kann sich auch Routinier Ruhstaller nicht ganz schlüssig erklären: «Letztlich war es wohl das Gesamtwerk, das Zusammenwirken aller Teile, welche perfekt harmonierten. Bühne und Tribüne verflossen zum Ganzen. Essen, Trinken, Theater, Diskussionen  Der Besucher war bereit, einen ganzen Abend im Chärnehus zu verbringen. Offensichtlich haben wir das Theaterpublikum erreicht».

Kreuzfahrt - das Thema kam an

Viele Mitwirkende haben die so unterschiedlichen Puzzleteilen zu einem Gesamtbild zusammengesetzt. Im Zentrum steht das Theater, von Regisseurin Barbara Schlumpf hervorragend inszeniert, und dargeboten von einer Schauspieltruppe in Hochform; ein Bühnen- und Lichtkonzept (Peter Scherz), mit einer atemberaubenden Treppe im Zentrum (Peter Buchmann, Beat Waldvogel, Markus Staub), das die Besucher nicht als Zuschauer, sondern als Mitreisende fühlen liess. Und letztlich hielt die «groovige» Musik (Bruno Amstad) die Szenen zusammen und sorgte für Tempo und Emotionen. Sie war mehr als Begleiterin, sie war Mitspielerin. Und im Voraus kaum zu erwarten war, dass das von Gisela Widmer extra für die Einsiedler geschriebene Stück sowohl Kreuzfahrt-Liebhaber wie auch -Abstinenzler in ihrer Einschätzung bestärkte, wieder einmal eine Schiffsreise zu buchen, respektive auch in Zukunft die Fin ger davon zu lassen. Das ist dann doch hohe Schule.

«Ein Hochseilakt»

Als Lockvogel entpuppte sich die Theaterbeiz. Dass der Sterne-Koch Geri Nussbaumer (ehemals Restaurant Linde) erstmals fürs Chär nehus-Theater kochte, sprach sich schnell herum. Zusammen mit Anita Kälin (mit den weltbesten Suppen) sowie Peter Telser garantierte er auch ein kulinarisches Erlebnis. Beat Ruhstaller fühlt sich bestätigt: «Das zeigte einmal mehr, wie hervorragend ein gediegenes Essen zu einem Theaterabend passt». Auf der «Kehrseite» des Erfolges steht der Aufwand. Rund 100'000 Franken beträgt das Budget. Für 40'000 Franken liegen Sponsoringzusagen vor. Trotz ausverkauftem Haus rechnet Ruhstaller höchstens mit «einem kleinen Gewinn». Eine Produktion auf diesem Niveau «ist und bleibt ein Hochseilakt».

Freiwillige

In diesen «Hochseilakt» einschliessen will Ruhstaller nicht nur die Finanzen, sondern auch die vielen Mitwirkenden: Pro Abend standen nicht weniger als 34 Personen im Einsatz: Küche, Service, Schminke, Maske, Abendkasse, Licht, Musik, Abendregie und natürlich die 14 Spieler selbst. Die ersten Helfer öffneten um 17.30 Uhr die Türe; die letzten schlossen sie nach Mitternacht. «Das gibt hunderte von Arbeitsstunden», rechnet Ruhstaller zusammen. «Es ist alles andere als selbstverständlich, dass man die Freiwilligen immer wieder findet.» Die vollen Ränge und die gute Atmosphäre seien aber für alle Mitwirkenden motivierend gewesen. Deshalb fiel der Entschluss auch leichter, die Spielzeit um die eine Woche zu verlängern. «Es war eine sehr schöne Zeit», spricht der Produktionsleiter wohl für alle: «Doch es ist gut,

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

23.06.2015

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schwyzkultur.ch/jKUepW