Blues Max (li) war ein melancholischer Schelm, der dem Publikum die Botschaft vermittelte, dass es ihm selber permanent schlecht geht, dem Gegenüber aber dank ihm besser! Richard Koechli war zuständig für die berührende Bluesbegleitung. Foto: Franz K
Blues Max (li) war ein melancholischer Schelm, der dem Publikum die Botschaft vermittelte, dass es ihm selber permanent schlecht geht, dem Gegenüber aber dank ihm besser! Richard Koechli war zuständig für die berührende Bluesbegleitung. Foto: Franz K

Bühne

Mit schelmischer Melancholie

Welch fulminanter Abschluss der Spedakel-Veranstaltungsreihe: Ein Abend mit Werner Widmer, äh Blues Max! Die Show des ewigen Underdogs vermochte zu begeistern, sein «Light-Blues» wie auch die Poetry-Slam-Einlagen.

Schön voll war das Chärnehus zur letzten Veranstaltung des Spedakel-Teams. Nach fast 20 Jahren ist es müde geworden, möchte das Ganze in andere, jüngere Hände übergeben. Doch das scheint schwierig zu sein, haben die bisherigen Verantwortlichen doch die Latte für mögliche Nachfolger recht hoch gelegt. Und das über die ganzen Jahre hinweg. Auch am Freitagabend war dies nicht anders. Der hierzulande vielleicht noch zu Unrecht unterschätzte «Blues-Max» legte einen brillanten Abend hin, die zweieinhalb Stunden mit ihm vergingen im Nu. Die schwarz ausgekleidete Bühne gab für ihn den passenden Rahmen, verstärkte die Stimmung, die er mit seinen Liedern und Texten schuf.

«Mit mir geht es aufwärts!»

Kaum auf der Bühne legt Werner Widmer mit Poetry-Slam los. Die Quintessenz daraus ist die, dass es ihm zwar permanent schlecht geht, ihm nichts gelingen will. Dafür aber geht es dem jeweiligen Gegenüber dank ihm viel besser, ja, ausgesprochen gut. Ein beredtes Beispiel dafür ist der «Montagmorgenblues». «Alli händ en Löffel, du häsch e Gable – eben – s’isch Mäntig-Morgä, und du bisch Musiker!» Die verfluchte, verdammte Leichtigkeit des Blues-Max: Man nimmt sie dem Schelm Werner Widmer ab, der das alles mit einem Augenzwinkern, aber todernster Miene an den Mann, die Frau bringt. Er verbreitet Schwarzen Humor, wenn er vom Gang über den Friedhof singt, dem Ort zum Ausruhen und dann die Moorbäder erwähnt. Dabei beim Baden darin, gewöhne man sich schon einmal an die faule Erde... herrlich morbides, gruseliges Schaudern garantiert er damit beim Zuhörer.

Die Träume des armen Schluckers

Ja, und wie man zwar vom Leben als reicher Mann träumen, aber gleichzeitig rüberbringen kann, dass man mit 72 Millionen Franken Boni – das ist ein Stundenlohn von 34'000 Franken – ein Schurke ist, man nie soviel wert ist – hohe Kunst. Tja, und man ist fast versucht, ihm vom eigenen Lohn etwas abzugeben, dem armen Teufel da vorne auf der Bühne. Man bekommt ob des eigenen Gehalts, das da durchaus irdisch daherkommt, fast ein schlechtes Gewissen. Da lassen Karl Valentin, Buster Keaton, oder Charlie Chaplin sehr herzlich grüssen. Wie der Kerl sich zurücknehmen kann – er gab zwei Zugaben und meinte, dass die Anwesenden sie sicher aus Sentimentalität darüber forderten, weil «Spedakel» heute den Vorhang für immer schliesst. Wenn das nicht hohe Kunst ist – mit Augenzwinkern gemacht: Ein herrlicher Abend wars. Der kleine Mann im Publikum fühlte sich bestätigt. Und war doch dem da vorne wieder überlegen. Schön und wohltuend für alle – die da unten auf den Stühlen und den da oben auf der Bühne, der solcherart Gefühle vermittelte.

Einsiedler Anzeiger

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

09.10.2012

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schwyzkultur.ch/qMNdD9