Von Verzweiflung getrieben: Karl Moor (David Trütsch) legt sich als Guerilla-Chef mit allen Instanzen an. Bilder Franz Kälin
Von Verzweiflung getrieben: Karl Moor (David Trütsch) legt sich als Guerilla-Chef mit allen Instanzen an. Bilder Franz Kälin
Franz Moor (Kerem Arslan) schleicht sich bei seinem alten Vater Maximilian Moor (Diego Riedliker) auf Kosten seines Bruders Karl ein.
Franz Moor (Kerem Arslan) schleicht sich bei seinem alten Vater Maximilian Moor (Diego Riedliker) auf Kosten seines Bruders Karl ein.

Bühne

Premiere von Friedrich Schillers «Die Räuber» in der Stiftsschule

Am Freitagabend kam es an der Stiftsschule Einsiedeln zu Kämpfen zwischen jugendlichen Banden. Dabei starben mehrere Personen, einige wurden schwer verletzt. Die Zuschauer dieser Gewalttaten blieben erstaunlich gelassen.

Zum Glück ist alles nur Theater. «Die Räuber» steht in diesem Jahr in einer modernen Inszenierung auf dem Spielplan der Stiftsschule. Die Szenen sind realistisch, die Jugendlichen tragen Sweatshirts und Strickmützen. Friedrich Schillers Drama ist mehr als 200 Jahre nach seiner Veröffentlichung erschreckend aktuell. Vielleicht lesen Sie jetzt nicht den ganzen Artikel, deshalb nehme ich es gerne vorneweg: Gehen Sie und schauen Sie sich dieses Stück an. Warum? Erstens ist es gut inszeniert und brillant gespielt und zweitens ein Meisterwerk des damals gerade mal 22-jährigen Schillers, das man gelesen oder zumindest einmal im Leben gesehen haben sollte.

Tolle Leistungen

Daniel, der Hausknecht des Grafen von Moor, strahlt. Nach Ende des Spiels ist «er» wieder die Zweitklässlerin Lilly Gygax und umarmt ihre Eltern. Viel Applaus gabs bei der ersten Aufführung am Freitagabend im Theatersaal der Stiftsschule. Auch die Eltern strahlen. Zum einen über die schauspielerische Leistung ihrer Tochter, zum andern über die Tatsache, dass die strenge Probenzeit nun ein Ende hat. Lilly, äh Daniel, ist hart im Nehmen. Richtig Spass habe es gemacht, stückbedingt so umhergeworfen zu werden, schwärmt die zierliche Jungschauspielerin. Was auf der Bühne so täuschend echt aussieht, ist das Resultat monatelanger Probenarbeit. Sechs Monate, die letzten beiden intensiv, wurde das Stück mit Regisseur Oscar Sales Bingisser geprobt.

Gelungene Premiere

Die Premierengäste äussern sich durchwegs positiv. Gefallen hat die Stückwahl, imponiert die Leistung aller Involvierten und das Meistern der teilweise grossen Sprechrollen. Viel Teamspirit ist spürbar und es ist vorstellbar, dass überhaupt nur so die grandiosen Leistungen Einzelner möglich ist. Überzeugend und mit für dieses Alter nicht erwarteter Ernsthaftigkeit spielt der Zweitklässler Diego Riedliker den alten Grafen Maximilian. Berührend die Szene, als er von seinem Bühnensohn aus dem Rollstuhl gehoben wird und dadurch wieder zum Kind wird. Spiel und Realität vermischen sich und erinnern gleichzeitig ans echte Leben. Die beiden Söhne des Grafen dominieren das Stück. Darf man von einer Traumbesetzung sprechen? Ich denke ja. Was David Trütsch als Karl und Kerem Arslan als sein Bruder Franz auf der Bühne zeigen, ist schlicht beeindruckend. Ohne Hektik, differenziert und mit grosser Ausdruckskraft spielen sie ihre Rolle. Sind die beiden es, die den anderen Höchstleistungen ermöglichen? Oder geben die 15 andern Schauspielerinnen und Schauspieler den Boden? Fakt ist, die Zuschauer sitzen atemlos und lassen sich vom Geschehen auf der Bühne während 125 Minuten einnehmen.

Noch zwei Aufführungen

Der lang anhaltende Schlussapplaus gilt den Schülern auf der Bühne, einem glücklichen Regisseur, dem stimmungsvollen Bühnenbild und überzeugend aktuellen Kostümen, die szenengenau ins rechte Licht gesetzt werden. Rund 35 Leute hinter und auf der Bühne haben eine Rose aus dem Premierenstrauss verdient. Tolle, tolle Leistung. Wenn noch die in der Pause verkauften Hot Dog-Wienerli ihrem Namen Ehre machen und heiss sind, gibt es definitiv keinen Grund mehr, zu Hause zu bleiben. Einmal im Leben muss man «Die Räuber» gesehen haben. Am 15. und 16. März haben Sie dazu noch Gelegenheit.

Einsiedler Anzeiger

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

12.03.2013

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schwyzkultur.ch/2Ghixs