Oscar Sales Bingisser führt bei der Theateraufführung der Stiftsschüler «Hase Hase» Regie. Bild zvg
Oscar Sales Bingisser führt bei der Theateraufführung der Stiftsschüler «Hase Hase» Regie. Bild zvg

Bühne

«Scheitern ist ein ständiger Wegbegleiter»

Die Einsiedler Stiftsschüler führen unter der Regie von Oscar Sales Bingisser das Theaterstück «Hase Hase» auf.

Schauspieler, Regisseur, Autor und Schwyzer Kulturpreisträger Oscar Sales Bingisser (M79) gibt Einblicke in seinen Beruf, seine persönliche Prägung und die Herausforderungen bei der Arbeit mit Stiftsschülern.

Helmuth Fuchs / Sabine Saner: Oscar, du bist Schauspieler, Regisseur und Autor, in welcher Rolle findest du die grösste Erfüllung?

Oscar Sales Bingisser: Alles zu seiner Zeit. Aber nach all den Jahren bin und bleibe ich doch Schauspieler. Als Autor würde ich mich sowieso nicht bezeichnen. Das scheint mir ein wenig übertrieben zu sein, auf Grund des einen Stückes, das ich geschrieben habe. Auf der Bühne zu stehen ist doch das, was ich gelernt habe und was mich noch heute am meisten fasziniert. Regie zu führen ist etwas Wunderbares, aber auch sehr nervenaufreibend. Es gibt so viel Unabwägbares und Unberechenbares. Regie ist reine Alchemie, und da haben sich ja bekanntlich schon ziemlich viele die Finger verbrannt. Es mag zwar seltsam klingen, aber selten fühle ich mich so zu Hause, wie auf der Bühne.

Wie weit hat die Stiftsschule dich auf deinen Beruf vorbereitet, wie viel ist Berufung, wie viel Handwerk?

Ich kann ganz ehrlich sagen, dass ich mir meine Berufswahl ohne die Stiftsschule gar nicht vorstellen kann. Dabei fällt es mir schwer, das mit konkreten Lehrplänen oder anderweitigen Äusserlich keiten in Beziehung zu bringen. Es war dieser Geist, der damals zu meiner Zeit in der Schule herrschte, der mich prägte. Auch wenn der Begriff «Klosterschule» bei vielen die Assoziation von Dogmen, Sturheit und «katholisch» weckt, kann ich das von meiner Seite nicht im geringsten behaupten. Die meisten Lehrer, damals fast ausschliesslich Mönche, waren auf ihre besondere Art eigenständige, suchende, offene Menschen  Persönlichkeiten eben  wild, unberechenbar, herzlich, stur, humorvoll, ab und zu unerträglich, aber selten langweilig. Was die Berufung betrifft, möchte ich Klaus Michael Grüber zitieren. Er sagte einmal: «Der Beruf des Schauspielers besteht zu 98 Prozent aus Handwerk, der Rest ist dann ein Geschenk Gottes.» Besser kann man das kaum formulieren.

Du hast nach der Matura die Schauspielakademie in Zürich absolviert und 20 Jahre danach ein Nachdiplomstudium in Kulturmanagement. Wie wichtig sind aktuelles Wissen und ein andauernder Lernprozess im Beruf als Schauspieler oder Regisseur?

Ich denke, egal welchen Beruf man auch immer ausführt, dass Neugier die wichtigste Grundlage bleibt. Das ständige Hinterfragen der eigenen Position und der eigenen Grundsätze. Gerade die Arbeit des Schauspielers findet in einem ständigen «Jetzt» statt. Die Lorbeeren von gestern interessieren keinen Menschen, wenn du auf der Bühne stehst und die Leute langweilst. In dieser Beziehung kennt der Beruf keine Gnade. Was ihn auch so faszinierend und unerbittlich macht. Das Scheitern ist ein ständiger Wegbegleiter.

Seit Jahren inszenierst du mit den Stiftsschülern immer wieder hervorragendes Theater. Wie hat sich die Einstellung der Stiftsschüler gegenüber dem Theater in den Jahren seit deiner Schulzeit verändert?

Diese Frage ist sehr schwer zu beantworten. Ich selber habe mir sie oft gestellt. Manchmal wünschte ich mir sogar, in einer Zeitmaschine in diese Zeit zurückzukehren, um mich selber von aussen sehen zu können. Ich weiss wirklich nicht, ob wir genauso hingebungsvoll waren, wie es einige Schüler sind und waren, die ich in den letzten Jahren an der Stiftsschule kennenlernen durfte. All die Stunden, die sie auf sich nehmen, um sich von einem alten, besserwisserischen Scheusal quälen zu lassen  und dazu noch in ihrer Freizeit  das ist schon unglaublich. Ich kann nur hoffen, dass wir früher genauso waren. Bezeugen kann ich es nicht.

Wie findest du jeweils die Stücke, die zu den Stiftsschülern passen, und wie wichtig ist das Stück für die Motivation der Schüler, darin mitzuspielen?

Die Wahl des Stückes gehört eigentlich zu den nervenaufreibendsten Dingen und bereitet wirklich schlaflose Nächte. Die Spieler lassen sich eigentlich mit einer g

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

08.03.2016

Webcode

schwyzkultur.ch/7AwHrn