Esther Schaudts Programm «Schlüsselreiz» kam beim Einsiedler Publikum gut an. Bild Franz Kälin
Esther Schaudts Programm «Schlüsselreiz» kam beim Einsiedler Publikum gut an. Bild Franz Kälin

Bühne

Schlüsselreiz: «Jöööh, so herzig!»

Esther Schaudt stattete am vergangenen Wochenende ihrem Heimatort wieder einmal einen Besuch ab. Mit ihrem aktuellen Programm «Schlüsselreize» vermochte sie das Publikum bestens zu unterhalten.

Wer brauchte am vergangenen Freitag oder Samstag einen Babysitter? Wer überliess das Hüten des Nachwuchses seinem Partner oder der Partnerin? Wer hatte dabei ein schlechtes Gewissen oder war heilfroh, wieder einmal unter die Leute zu kommen? Wer sich mit solchen Fragen auseinanderzusetzen hatte, sass möglicherweise im Theatersaal der Alten Mühle und befand sich gerade in der Aufwärmphase von Esther Schaudts kabarettistischem Programm «Schlüsselreize». Es handelt sich dabei bereits um ihr sechstes Kleinkunstprojekt, in welchem sie wie gewohnt alle Figuren selber spielt.

Was sind Schlüsselreize?

Was aber bedeutet der Titel ihres Programms überhaupt? Schlüsselreize sind optische Hingucker bei kleinen Kindern wie zum Beispiel Kulleraugen, kleine runde Backen oder ein süsses Babylächeln, die beim Betrachter einen unmittelbaren «Jö-Effekt» auslösen und in ihm den Beschützer wecken. Schlüsselreize führen zu einer eigentlichen Win-win-Situation zwischen Eltern und Kind. Durch diese sichert sich das Kind die Aufmerksamkeit seiner Eltern und somit auch die Deckung seiner Grundbedürfnisse. Eltern sehen dafür in ihrem Beschützerrausch über «Nebenwirkungen» wie Dauerschreien, volle Windeln oder erbrochene Muttermilch grosszügig hinweg. Auch Esther Schaudt, die ihr Programm gleich selber moderierte, erging es als frischgebackenes Mami nicht anders. Nun, Kinder grossziehen war einmal. Heute spricht man vom Langzeitprojekt Kind. Bevor die Moderatorin tiefer ins angesprochene Kernthema eintauchen konnte, meldete sich noch Krippenleiterin Amanda Amacher zu Wort. Krippenleiterin? Weit und breit waren keine kleinen Knöpfe zu sehen. Das war auch nicht nötig, denn Frau Amacher hielt Ausschau nach Handys und Smartphones, welche nicht nur einfach stumm- oder ausgeschaltet werden sollten, sondern während der Aufführung den Handyhort geniessen durften! Mit gemeinsamem Klingeltönlen im Kreis oder erfrischendem Akkuladen hielt Amanda Amacher die Geräte bei guter Laune.

Alptraum-Mutter Kappeler

Eine Schwangerschaft sei wie das Buchen von Ferien, fuhr Esther Schaudt fort. Bei beidem sei die Vorfreude auf das bevorstehende Ereignis riesig und man schwelge dabei mit der rosaroten Brille auf Wolke Sieben. Die Realität sehe dann aber zumindest ein klein wenig anders aus. Der «bekinderte» Teil des Publikums bestätigte mit einem Schmunzeln Frau Schaudts Ansichten. Kinderlosen Besuchern wurde es bei dieser Vorstellung entweder etwas mulmig, was den eigenen Kinderwunsch betraf, oder sie waren einfach heilfroh, sich nicht mit Kindern herumschlagen zu müssen. An den drei Ansichten konnte auch Gastreferentin Evelyne Kappeler nichts ändern, im Gegenteil! Esther Schaudts neueste Figur verkörperte das, was man sich heutzutage unter einer Alptraum-Mutter vorstellt: Monoton, nervend, antiautoritär und stinkreich! «Mehr Stimmrecht für Kinder» lautete ihr oberstes Prinzip in ihrer eigenen Familienpolitik. So kam es, dass ihre beiden Kinder Maxim Noah und Anna Lena Mercedes die neuen Familienautos aussuchen durften. Da sich der Vater aber mit seinem pinken Smart im Hello Kitty Style zu sehr schämte, fuhr er mit diesem jeweils von zu Hause los, stellte ihn aber auf den nächsten Parkplatz, um auf den ÖV umzusteigen…! Frau Kappeler hatte ihre Tochter gleich mitgebracht, um dem Publikum zu zeigen, dass sie eben nicht nur hoch- sondern höchstbegabt veranlagt wäre – nämlich beim Nasenbohren und in der Blockflötenimprovisation.

Albana als Gegenpol

Albana, die wohl einzige Praktikantin für Kinderbetreuung, welche mit Dreikäsehochs überhaupt nichts am Hut hat, betreute Anna Lena Mercedes hinter der Bühne – oder hätte es tun sollen. Albana stellte mit ihrer rotzfrechen aber durchaus erfrischenden Art den Gegenpol zur phlegmatisch wirkenden Evelyne Kappeler dar. Die naive «Seconda» glänzte nicht nur mit würzigen Sprüchen und artistischen Wortspielereien, sie erzählte dem Publikum auch, warum in der Schweiz die Beteiligung bei Wahlen immer so gering ausfalle. Von der Überdosis an

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

27.11.2012

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schwyzkultur.ch/nduRPc