Hochschauen auf die Welt im Jahre 1924: Prächtiger Umhang und imposante Krone. (Bild: Museum Fram)
Hochschauen auf die Welt im Jahre 1924: Prächtiger Umhang und imposante Krone. (Bild: Museum Fram)

Bühne

Schon immer theaterverrückt

Seit 1924 wurde das Grosse Welttheater in Einsiedeln 15 Mal aufgeführt. Am Freitag ist wieder Premiere. Doch die Einsiedler waren schon immer theaterverrückt.

Zeitsprung ins Jahr 1576: Das wichtigste Theaterereignis dieser Zeit war das Meinradsspiel. Es diente zur Stärkung des Wiederaufbaus des katholischen Glaubens. Es war ein Spiel für die Geistlichkeit, hohe Gäste und die Dorfgemeinschaft. Das Stück hatte 73 Rollen, davon rund 40 Sprechrollen. Rund 100 Darsteller und Musiker dürften im Einsatz gewesen sein. Die wichtigsten Rollen wurden von Klostermitgliedern besetzt, die andern vermutlich von Leuten aus dem Dorf. Von der Musik weiss man: Es brauchte Trommler, Pfeifer und Trompeter. Inhaltlich ging es um das Leben Meinrads. Das Spiel dauerte mehrere Stunden und wurde in zwei Etappen, verteilt auf zwei Tage im Herrengarten im mittelalterlichen Klosterbezirk, aufgeführt. Vermutlich fand nur eine einzige Aufführung statt.

Gigantische Besucherzahlen

Um 1700 waren die Pilgerzahlen anlässlich der wichtigsten kirchlichen Feste in Einsiedeln gewaltig. Man zählte bis zu 150 000 Pilger, 1710 sollen es gar 260 000 gewesen sein. «Zu dieser Zeit waren an den Theateranlässen zwischen 8000 und 20 000Zuschauer – pro Aufführung», steht in «Dem Meister ein Spiel–Calderon, die Einsiedler und ihr Welttheater», einer Begleitschrift zur aktuellen, aufs Welttheater bezogenenen Ausstellung, herausgegeben vom Museum Fram. Die Besucherzahlen der Festivitäten seien so gewaltig, dass man an deren Korrektheit zweifeln darf, steht da weiter. Auch wenn die Zahlen nach oben beschönigt wurden, so waren sie eine logistische Herausforderung. Gespielt wurde draussen, auf der Brüelwiese, nördlich des Klosters. Am Nachmittag fand eine Prozession statt, am Abend das Theater.

Knaller und Feuerfunken

Die Zuschauer dieser Wallfahrttheater liebten Spezialeffekte. «Kein barockes Fest, profan oder sakral, ohne Feuerwerk», steht in «Dem Meister ein Spiel». Es gab schon damals Fachbücher, welche die Anordnung und Handhabung von Feuerwerkskörpern beschrieben, eine trotzdem nicht ungefährliche Sache. Mit Feuerwerkskörpern liessen sich auch imposante Figuren darstellen. Ein Chronist berichtete, dass in der Aufführung am 15. Oktober 1687 auf der Brüelwiese ein Drache vorkam. Der Drache wurde an einem 100 Meter langen Strick hochgezogen, schoss dann über die Bühne herunter, spie Feuerfunken und es knallte. «Es sah gravitetisch aus und gab den Zusehern sondern Lust und Ergetzligkeit», schrieb der Chronist. Mit dem Einfluss der Aufklärung waren im Kloster Einsiedeln dann zeitgemässe Stücke gefragt. Man konzentrierte sich auf Theateraufführungen im kleineren Rahmen.

Wie Einsiedeln zu seinem Welttheater kam

Warum entschied man sich in Einsiedeln für Calderon? Er war am Theater der Stiftschule kein Unbekannter. Zudem hatten sich Linus Birchler, der grosse Einsiedler Kunsthistoriker, und Peter Erkelenz, ein Schauspieler und Gast im Klosterdorf, mit Abt Ignaz Staub getroffen. Beide äusserten sich, es sei ihre Idee gewesen, vermutlich inspiriert von der Zeit der grossen Freilichtaufführungen, welche auch die Urschweiz erfasst hatte. 1828 wurde in Küssnacht Schillers Wilhelm Tell aufgeführt. 1891 fand in Schwyz eine grosse Bundesfeier statt, 1899 startete Altdorf mit den Tellspielen. In Einsiedeln wollte man ein Spiel das über die Konfessionen hinweg ein auch religiös fundiertes schweizerisches Wirgefühl erwecken sollte. Einsiedeln orientierte sich am Beispiel Salzburg, wo man 1920 die Salzburger Festspiele verwirklicht hatte. 1922 wurde dort Hugo von Hofmannsthals Salzburger grosse Welttheater, frei nach Calderon uraufgeführt. Beflügelt von der blühenden Festspielkultur initierten Birchler, Erkelenz und Abt Ignaz Staub die Wiederaufnahme von geistlichen Spielen in der Waldstatt. Es war der Beginn der Einsiedler Welttheater-Spiele auf dem Klosterplatz. Am 23. Juni 1924 wurde das erste Organisationskomitee aufgestellt und nur wenige Wochen später fand die erste Aufführung statt. Sie entstand damals, vergleicht man mit dem heutigen Aufwand, in rasantemTempo.



Weitere Infos

- «Dem Meister ein Spiel», Ausstellung im Museum Fram, an S

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

19.06.2013

Webcode

schwyzkultur.ch/qkMWFA