Luzman (Diego Riediker) und Tristan (Alessia Riediker) beim Aushecken eines Verschwörungsplans gegen den Fähnrich Leonato (Christian Masek). Bild Martina Reichmuth
Luzman (Diego Riediker) und Tristan (Alessia Riediker) beim Aushecken eines Verschwörungsplans gegen den Fähnrich Leonato (Christian Masek). Bild Martina Reichmuth

Bühne

Souverän und locker gespielt

Nach fünfmonatiger Probenzeit durften die insgesamt 14 Schüler der Theatergruppe der Stiftsschule am letzten Freitag zum ersten Mal beweisen, was sie in dieser Zeit gelernt hatten. Das Stück von Lope de Vega vermochte unter der Regie von Oscar Sales Bingisser und mit dem jungen Diego Riediker als Hauptfigur Don Luzman das Publikum in seinen Bann zu ziehen.

Man weiss nicht genau, wer von allen letzten Freitagabend kurz vor 20 Uhr nervöser war: Die jungen Schauspieler, welche teils zum ersten Mal auf der Stiftstheaterbühne standen, oder Regisseur Oscar Sales Bingisser, welcher Anfang Woche noch etwas am Erfolg zweifelte.

Bezauberndes Italo-Feeling

Bereits beim Betreten des Theatersaals konnte man den südländischen Charme des Stücks spüren. Fredi Trütsch, der schon jahrelang das Bühnenbild gestaltet, hat sich wieder einmal stark ins Zeug gelegt und eine hervorragende Szenerie hingezaubert. Fast schon mit einem «Mirakel» erbaute er auf der eher kleinen Bühne einen römischen Dorfplatz mit Häuserfassaden, Veranden, Strassenlaternen und sogar einem funktionierenden Spritzbrunnen in der Mitte. Ein Fiat 500 und eine Gelateria am Bühnenrand machten die Illusion vom Italo-Feeling perfekt.

Schlagerhits untermalten Stück

Den Auftakt in das Stück machte Lateinlehrer Beat Hüppin. Begleitet von der singenden Schlagertruppe präsentierte er mit der E-Gitarre immer wieder musikalische Intermezzi während des ganzen Stückes. Passend dienten diese auf Deutsch gesungenen Schlagerhits als Untermalung der vorherigen oder als Übergang zur nächsten Szene. Einige dieser Lieder liessen die Zuschauer in längst vergangene Zeiten zurückgleiten und schwelgen. Mit den Hits wie «Que sera», «Quando, quando, quando» oder «Azzurro» sehnte man sich nach dem «dolce vita». Ohne Mikrofon als Verstärkung und teils mit Erkältung sangen die acht Sängerinnen mit starker und klarer Stimme. Eine von ihnen war Johanna Schmitt, die zwischendurch auch Soloparte übernahm.

Theater spielen liegt im Blut

Mit Diego Riediker, welcher dieses Jahr zum zweiten Mal mitmachte, hat Regisseur Oscar Sales Bingisser ins Schwarze getroffen. Die Verkörperung von Don Luzman als frechen, gewieften und angeberischen Herzensbrecher, der sich mit List und Glück immer wieder aus brenzligen Situationen herausreden kann, ist Diego wie auf den Leib geschrieben. Keinem anderen hätte man diese Rolle glaubhafter abgenommen als ihm. Und da Theaterspielen oft im Blut liegt, durfte seine jüngere Schwester Alessia in der Figur von Tristan gleich mit einer grösseren Rolle ihr Debüt am Stiftstheater feiern. Auch sie meisterte ihren Part und stellte den treuen, dennoch genau so gewieften Diener Luzmans überzeugend dar. Auch Masha Bingisser, Tochter des Regisseurs, welche seit letztem Sommer die Stiftsschule besucht, konnte am letzten Freitag als Camillo, ein anderer Diener, und als Schlagersängerin erstmals die Theaterluft im Stift geniessen. Man merkte, dass der Apfel nicht weit vom Stamm fällt.

Lockerheit im Spiel steckt an

Obwohl das Stück für neun Männer und nur gerade drei Frauen geschrieben wurde und die Theatergruppe mehrheitlich aus Frauen besteht, konnte man während des ganzen Spiels kein Unbehagen feststellen, dass sechs der Männerrollen durch Frauen gespielt wurden. Es scheint viel mehr, dass sich in den vergangenen fünf Monaten jeder der Schauspieler in seine Rolle eingelebt hatte und diese auf der Bühne exakt wiedergeben konnte. Es wurde mit einer grossen Souveränität und Lockerheit gespielt, so dass das Publikum bald als Teil des Geschehens mitgezählt werden konnte.

Lobende Worte vom Rektor

Unter den Zuschauern waren auch Rektor Peter Lüthi, alt Abt Martin Werlen und natürlich der neue Abt Urban Federer. Verständlicherweise richtete Rektor Lüthi nach dem gebührenden Schlussapplaus noch einige lobende Worte an die Schauspieler, Oscar Sales Bingisser und alle anderen Helfer. Er habe noch selten so ein locker gespieltes Lustspiel erlebt und spüre nun die Erleichterung von allen, dass die Premiere so gut geklappt habe. Stellvertretend als Lohn für diese Gesamtleistung übergab er dem Regisseur einen Blumenstrauss und eine Kiste Klosterwein. Als Dank legte Beat Hüppin mit der Schlagertruppe noch einige Zugaben ihrer Gesangskünste ein, welche dann schliesslich beim Nachhausegehen noch ständig in den Ohren lagen. Beiz mit italienischem Ambiente

W

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

18.03.2014

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schwyzkultur.ch/Ze3VJi