Das Welttheater entsteht: Peter Kälin (von links), Tim Krohn (Autor), Carolin Mittler (Bühnenbild und Kostüme) und Beat Fäh (Regie) setzen sich intensiv mit Calderóns Werk auseinander. Bilder Silvia Camenzind
Das Welttheater entsteht: Peter Kälin (von links), Tim Krohn (Autor), Carolin Mittler (Bühnenbild und Kostüme) und Beat Fäh (Regie) setzen sich intensiv mit Calderóns Werk auseinander. Bilder Silvia Camenzind
So werden die Kostüme aussehen: Frau Kälin und der Präsident erhalten blaue Kleider.
So werden die Kostüme aussehen: Frau Kälin und der Präsident erhalten blaue Kleider.

Bühne

Spagat auf dem Klosterplatz

Im Sommer spielt ganz Einsiedeln wieder Welttheater. Der neue Autor Tim Krohn und der neue Regisseur Beat Fäh machen vieles anders als ihreVorgänger im Spiel vor sechs Jahren. Der Klosterplatz wird zur Baustelle, auf der die bekannten Calderón-Figuren nach Perfektion ringen.

«Äs Gsicht ohni Narbä isch käs mänschlichs Gsicht.» Mit diesem plakatgrossen Zitat aus dem diesjährigen Welttheater ist man gleich mitten in der Thematik. Autor Tim Krohn hat das Streben des heutigen Menschen nach Perfektion in den Mittelpunkt gestellt, die Gesellschaft mit ihrem Jugend- und Schönheitswahn, in dem behindertes Leben gar nicht erst geboren werden dürfte. Zwei Jahre lang hat der Autor am Text gearbeitet. «Es war ein Ringen», sagt der Schriftsteller, der zwei Versuche verwarf, bis er mit der dritten Fassung zufrieden war. Rückblickend nennt Krohn die Zeit, in der er Calderóns dramatisches Spektakel neu entworfen hatte, «eine unglaublich kostbare Zeit».

Krohns kleine Menschen

Tim Krohn sprach gestern auch über die vielen Spagate, die es zu meistern galt. «Der Platz ist riesig.» Er habe sich gefragt, ob nicht das Visuelle, die Musik und das Licht wichtiger seien als der Text, um diesen Platz zu füllen. Dennoch hat er sich kleine feine Szenen erlaubt. «Der eigentliche Mensch ist klein, nur seine Rolle ist gross.» Krohn spricht die Flut von Möglichkeiten an, die heutige Menschen haben. Wie kann ich mich, wie kann ich meine Kinder verbessern? Was wähle ich, wie entscheide ich? An diesen vielen Möglichkeiten würden die Menschen heute zerbrechen. Doch weder der Autor noch der Regisseur wollen Antworten geben.

Zartes und Grosses

Dem Zarten gegenüber stellt der Regisseur grosse Szenen. Dafür wird der Klosterplatz bereits ein Jahr vor seiner Renovation zum Bauplatz mit Kran, Bagger und Betonmischer. Das Publikum findet auf der Bühne die altbekannten Figuren wie den Reichen, den Bauern, den Penner. Carolin Mittler, fürs Bühnenbild und die Kostüme verantwortlich, präsentierte Skizzen der Kostüme. So war neben dem Modell des Bühnenbildes nun auch erstmals zu sehen, was die 300 Mitwirkenden auf der Bühne tragen werden. Unter anderem werden in einer Zeitreise, die 37 Generationen in die Vergangenheit führt, historische Kostümegenäht.

Nichts gegen Kraftausdrücke

Beat Fäh erwähnte als wichtiges Ereignis, das, was sozial im Dorf Einsiedeln passiere, wo 500 Menschen intensiv zusammenarbeiten. Dominant im Bühnenbild bleibt das Kloster. Wenn demnächst aus Werbezwecken auf dem Migros-Sack «Heiland- Sack!» stehen wird, hat auch Pater Urban Federer, der Klostervertreter im Vorstand der Welttheatergesellschaft, nichts gegen den Kraftausdruck. «Sack» stehe hier als Abkürzung für Sakrament. Es sei in Ordnung, mit einem Problem zu Gott zu gehen.

Das Welttheater in Zahlen

Das Welttheater ist ein Grossprojekt, wie Präsident Peter Kälin erläuterte. Die Einsiedler Vorfahren brauchten im Jahr 1924 gerade einmal sechs Wochen zwischen Entscheid und Aufführung. Für die Produktion 2013 ist der neunköpfigeVorstand bereits seit sechs Jahren an der Arbeit. Gespielt wird vom 21. Juni bis zum 7. September. Über 500 Frauen, Männer, Jugendliche und Kinder machen bei der Produktion mit. Acht Monate setzen sie alles aufs Theater und stellen ihre Freizeit zurück. Dies sei nicht selbstverständlich in der heutigen Gesellschaft, meinte der Präsident.

41 geplante Aufführungen

Die Zuschauertribüne auf dem Klosterplatz umfasst 2682 Plätze. Das Budget beträgt 4 Mio. Franken. Bereits wurden 12 500Tickets abgesetzt, dies entspreche gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 15 Prozent. Kommen 51 000 Zuschauer, kann mit einem ausgeglichenen Budget gerechnet werden. Erfahrungsgemäss fallen sechs bis sieben Vorführungen wegen Regen ins Wasser.

Informationen

www.welttheater.ch
oder
Spielbüro 055 422 16 92

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

05.04.2013

Webcode

schwyzkultur.ch/V8auUs