Wo ist es spannender: Auf der Bühne, oder vielleicht doch bei den Garderobefrauen? Foto: Franz Kälin
Wo ist es spannender: Auf der Bühne, oder vielleicht doch bei den Garderobefrauen? Foto: Franz Kälin

Bühne

Ulknudeln an der Garderobe

Am Samstag führte die Theatergruppe «tagliatElle» aus Schwyz ihr neues Stück «für Garderobe wird nicht gehaftet» im Einsiedler Chärnehus auf. Das Trio sorgte für unbeschwerte Erheiterung bei den Zuschauern.

Auf der Bühne sind drei behängte Garderobenständer zu sehen, davor die drei Garderobefrauen, die gerade ihr Trinkgeld zählen. Tatsächlich fragt man sich als Zuschauer zu Beginn des Stückes erstmals, wie eigentlich die jeweils netten Garderobefrauen ihre Zeit vertreiben. Die Theatergruppe «tagliatElle» gibt dem Zuschauer genau darauf eine Antwort. Unterschiedlicher könnten die drei Frauen an der Garderobe nicht sein. Da sitzt die pflichtbewusste Josefine Dürrmüller, seit 15 Jahren treu dem Hause dienend. Sie verkörpert die etwas biedere alte Dame, die alle Regeln des Benehmens beherrscht. Doch hat sie auch ihre Träume. Sie hadert über Vergangenes, im Besonderen über verpasste Chancen in der Liebe. Neben ihr die 50-jährige Franziska Müller-Kaiser, eine vegetarisch essende Metzgersfrau mit Beziehungsproblemen. Sie arbeitet in der Oper, weil sie die pompöse Atmosphäre liebt und eine Liebe zur Musik der Oper pflegt, worüber sie mit viel Fachwissen brillieren kann. Neu ins Team hinzugekommen ist die junge, flippige Carmela Costa. Sie hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Lieber als an der Garderobe würde sie auf der Bühne stehen. Mit ihrem aufreizenden Auftreten verdient sie das mehrfache Trinkgeld der anderen, was denen etwas sauer aufstösst.

Mehr Schwung hinter der Bühne

Ganz harmlos beginnen die drei Frauen zu stricken, häkeln oder Zeitschriften zu lesen, so hatte man sich den Zeitvertreib der Garderobièren vorgestellt. Carmela allerdings bringt nun ungewohnte Frechheit in das Metiér, sie beginnt nämlich Mäntel der Besucher anzuziehen. Josefine rügt sie sogleich, denn natürlich ist dies strikte verboten, das Ratespiel jedoch nimmt seinen Lauf. Sie imitieren verschiedene berühmte Personen, die anderen müssen herausfinden, wem die Mäntel abgenommen wurden. Natürlich werden die guten Stücke mit Sorgfalt behandelt, nur ein Fellmantel bekommt eine unsanfte Sonderbehandlung. Franziska, die Vegetarierin hängt ihn unsanft an einem Fleischhaken auf und zudem zieht sie einen Hausschlüssel aus der Tasche. Doch nicht etwa das Fell macht ihr zu schaffen, sondern, dass ihr Mann nun offensichtlich seiner Geliebten einen Hausschlüssel übergeben hat.

Traumrollen

Carmela benutzt die schicken Gewänder als Verkleidung für ihre Traumrollen, begeht die Garderobentische singend und erntet viel Applaus ihrer Kolleginnen. So kommen nach und nach die Träume der Frauen ans Licht, Josefine träumt ihrer Liebe nach, Franziska will die Beziehung endlich beenden und Carmela will auf die Bühne. Das Stück geht weiter mit gegenseitigen Seitenhieben, denn die Lebenseinstellungen der Frauen differieren stark. Doch muntern sie einander auch auf, zeigen sich mitfühlend und unterstützend, wenn es etwa um die längst fällige Lohnerhöhung von Josefine geht.

Wortwitz und Theatertechniken

Die «tagliatElle»-Frauen haben diese drei Figuren und das Stück zusammen mit Regisseur Thommy Truttmann in Improvisationen entwickelt. Nebst Wortwitz bringen sie auch viele Techniken auf die Bühne, wie Singen, Tanzen, Imitieren, Pantomime, Clownerie, Sprechgesang und dergleichen. Tagliatelle sind Bandnudeln, die drei Theaterfrauen zeigen Ulkiges was hinter der grossen Bühne geschieht – eben Ulknudeln an der Garderobe. Zuschauer dieses Stückes werden sich nun künftig bei Vorstellungen fragen, ob nicht vielleicht «das Theater» aus der aktuellen Lebenswelt der Garderobefrauen spannender gewesen wäre, als das Stück auf der echten Bühne.

Einsiedler Anzeiger

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

04.10.2011

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schwyzkultur.ch/Za6caK