«Das Angeeignete abrufbar machen»: Probenfoto aus dem Gemeindesaal mit Jo Siska.  Bild Franz Kälin
«Das Angeeignete abrufbar machen»: Probenfoto aus dem Gemeindesaal mit Jo Siska. Bild Franz Kälin
«Nicht vom Platz verschlucken lassen»: Jo Siska zur choreografischen Herausforderung. Bild Victor Kälin
«Nicht vom Platz verschlucken lassen»: Jo Siska zur choreografischen Herausforderung. Bild Victor Kälin

Bühne

«Wir sind alle fiebrig auf den Platz»

Er sorgt bereits zum dritten Male für ein dynamisches Welttheater. Die Rede ist von Jo Siska, Choreograf aus Berlin, der auch in Einsiedeln heimisch geworden ist.

«Als Beat Fäh mich fragte, musste ich nicht lange darüber nachdenken.» Nach 2000 und 2007 – mit Regisseur Volker Hesse – ist Jo Siska zum dritten Mal in Folge Choreograf des Einsiedler Welttheaters.

Mit dem Ort verbunden

«Der Ort und die Leute sind mir mittlerweile ans Herz gewachsen», meint der 51-Jährige. Jo Siska hat in unserem Dorf seine eigene Geschichte. Er fühlt sich verbunden auch mit Menschen, die inzwischen gestorben sind, ihm aber sehr wichtig waren. Die Fragen nach «der Existenz, nach Leben und Tod, verbinden mich nicht nur mit dem aktuellen Spiel, sondern generell mit dem Ort und den Menschen hier». Da er in Berlin zeitgleich ein happiges Zusatzpensum an Aufträgen wie zum Beispiel Seminaren zu erfüllen hat, ist seine Einsiedler Freizeit knapp bemessen. «Dann aber», schmunzelt Siska, «gehe ich ins Restaurant Burg, bestelle bei ‹Frau Burg› einen Kaffee Lutz, geniesse die Luft, schau in die Berge und lass es mir gut gehen.»

Nicht alles ist machbar

Der Rest hier in Einsiedeln ist Arbeit. Jo Siska wird letztlich rund 300 Personen über den Platz laufen, springen, hüpfen und wenn nötig kriechen lassen: Schauspieler, Chor, Musiker. «Ich habe den Platz immer im Kopf, ich spüre seine Dimension, auch wenn wir, wie bis anhin der Fall, im Gemeindesaal üben.» Rund 60 auf 90 Meter sind zu bespielen. Eine eindrückliche Fläche. Da der Platz «geometrisch und gewaltig» sei, würden die Spieler «von ihm verschluckt, sobald sie aus der vorgesehenen Form ausbrechen. Sie gehen einfach verloren ». Das wurde, so Siska, schon in früheren Inszenierungen erkannt. Die Antwort darauf waren grosse Linien, eine statische Aufstellung, die das Zentrum stärkte. Er selbst versucht diesen Ansatz aufzubrechen, und «der heutigen Zeit entsprechend » weiterzuentwickeln: «In unserer Welt gibt es das Zentrum nicht mehr; es gibt keine Mitte, auf die sich die ganze Gruppe ausrichtet.» Heute sei alles «beweglicher, dynamischer, fliessender, amorph». Und dennoch, so Siskas Erfahrung, gelinge nichts, wenn man die Gesetzmässigkeiten des Platzes ignoriere. «Das ist ein Hügel, heimtückisch und uneben.» Doch genau dies sei seine Herausforderung. Und wenn man das wisse, «bringt das einen vielleicht auf andere Ideen». Doch Siska ist sich bewusst: «Alles machen kann man nicht.» Aber vieles.

Vieles ist möglich

Dass dem so ist, hängt wesentlich mit der Spiellust der Mitwirkenden zusammen. «Die Leute sind unglaublich motiviert, diese Energie», staunt Jo Siska. Dass sich so viele Menschen ein halbes Jahr lang einem Projekt verschreiben, alles hinten anstellen … «das ist eine unglaubliche Rarität». Entsprechend gut sind die seit zwei Monaten andauernden Proben vorangekommen. «Das waren produktive Wochen», blickt Jo Siska zurück. Für seinen Teil sei er «sehr gut in der Zeitachse». Nun kommt der Schritt hinaus auf den Platz. Am heutigen Freitag ist die erste offizielle Probe vor dem Kloster angesagt (nachdem am Dienstag bereits eine kleine Gruppe ganz spontan draussen probte). Hat sie nicht schon zuvor im Gemeindesaal geschlagen, dann schlägt sie sicher heute Abend – die Stunde des Choreografen. Die Herausforderung sei in jedem Stück praktisch identisch, blickt Jo Siska diesem Moment entgegen. Ab jetzt gilt es für jeden Mitwirkenden, das Einstudierte und Angeeignete in Darstellung, Text, Bewegung, Ablauf und Dynamik so «abrufbar zu machen und mit Leben zu füllen», dass es «zum Publikum 'rüberkommt». In Einsiedeln komme speziell die Dimension des Platzes hinzu, welcher «massgeblich Anteil hat, ob das gelingt». Aufgrund seiner Erfahrung mit dem Klosterplatz gibt sich Jo Siska gelassen: «Sind wir erst einmal draussen, fügt sich eines ums andere. » Bisher sei vieles «zurückhaltend gewesen, noch alles in einem Topf mit dem Deckel drauf. Doch nun sind wir alle ziemlich fiebrig, 'rauszugehen».

Einsiedler Anzeiger

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

26.04.2013

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schwyzkultur.ch/w9qDTa