Literatur

«Das Interesse an Schweizer Geschichte wecken»

Dani Gebert ist ein Schweizer Autor und hat sich auf historische Geschichten spezialisiert. Vor Kurzem erschien «Die Raben des Einsiedlers».

Angela Suter, EA: Der Titel spricht zwar für sich, aber worum geht es in Ihrer Kurzgeschichte? 

Dani Gebert: Um die beiden Raben von Meinrad und wie diese ins Wappen von Einsiedeln und vom Kloster kamen. Meine Hauptfigur ist ein Wollerauer, der nach dem Mord an Meinrad der Spur der Raben folgt und versucht, die Mörder zu stellen.

 

Weshalb sollte man die Geschichte lesen, auch wenn man die Sage von Meinrad schon kennt?

Weil es eben keine typische Meinradgeschichte ist und nicht seine Sage erzählt wird, sondern hinterfragt wird, wie die beiden Raben ins Wappen kamen. Sie schrieben schon über die Mordnacht von Luzern, den Habicht vom Wülpelsberg, die weisse Taube von Pfäfers, den Raubritter von Freienstein, den Wolf vom Hügel Born, den furchtlosen Metzger von Zug, die Bienen von Klosters sowie das Neunuhrglöcklein von Schaffhausen.

 

Weshalb folgt nun Einsiedeln?

Ich glaube, weil ich schon länger mit Einsiedeln zu tun habe und Meinrad sowie seinen Raben immer wieder begegne. 2020 habe ich den Jakobsweg von Konstanz bis Einsiedeln gemacht und kam so zum ersten Mal mit dem Kloster in Berührung. Ich arbeite auch als Führer im Einsiedler Skriptorium und werde oft auf Meinrad sowie die beiden Raben in den Wappen angesprochen. Für frühere Geschichten durfte ich schon im Klosterarchiv recherchieren. Und jetzt ist Einsiedeln an der Reihe!

 

Wie kam Ihre Kurzgeschichte in Einsiedeln und im Kloster an?

Ich hatte sie Pater Thomas gezeigt, der sie super fand und mich auf den Klosterladen hinwies. Dort ist sie seit zwei Monaten erhältlich. Vielleicht lasse ich sie sogar ins Englische übersetzen, um das internationale Pilgerpublikum zu erreichen.

 

Woher kommt Ihr Interesse an der Geschichte der Eidgenossenschaft, auf welche Sie sich spezialisiert haben?

2014 suchte ich Lesestoff für meine Kenia-Reise. Ich merkte, wie wenig ich über die Schweizer Geschichte weiss. So wählte ich das Buch «Geschichte der Schweiz» vom Schweizer Historiker Thomas Maissen. Ich hörte während des Lesens Filmmusik und erkannte, wie viel Potenzial diese Geschichten haben. Da mich das Schreiben schon immer reizte, begann ich während der Pandemie damit. Ich möchte mit meinen Kurzgeschichten Licht auf die Schweizer Geschichte werfen, die so viel Spannendes bietet und die in der Schule oft vernachlässigt wird. Ich hoffe, dass ich so bei anderen das Interesse an der Schweizer Geschichte wecken kann!

 

Sie haben einfach darauflosgeschrieben?

Eigentlich schon, ich halte es da nach dem Motto «Schreib die Geschichte, die du gerne lesen würdest». Ich habe inzwischen zwei Schreibkurse absolviert und dank den tollen Feedbacks meiner Lektorin hat sich mein Schreibstil noch mehr verbessert – zu Beginn war sehr viel rot markiert, inzwischen viel weniger.

 

Sie betreiben viel Recherchearbeit für Ihre Bücher. Wie kommen Sie zu den Informationen?

Ich besuche Archive, betreibe Vor-Ort-Recherche und nutze auch das Internet. Zu Hause habe ich mittlerweile eine kleine umfassende Bibliothek, unter anderem mit alten Büchern aus Liquidationen.

 

Konnten Sie sich schon eine Stammleserschaft aufbauen?

Ja, sie ist allerdings noch nicht so gross, aber kommt aus der ganzen Schweiz. Und es gibt tatsächlich schon Leute, die jeweils fragen, wann meine nächste Geschichte erscheint! Bisher ist das Schreiben Ihr Hobby.

 

Welche Ziele haben Sie als Autor?

Ich träume davon, dass ich einmal vom Schreiben leben könnte. Es folgt nun meine zehnte Kurzgeschichte und zudem schreibe ich aktuell auch an einem Roman …

 

Einsiedler Anzeiger / Angela Suter

Autor

Einsiedler Anzeiger

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Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

07.08.2026

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