André Kälin, Geschäftsführer des Mauz Music-Clubs, hat ein goldenes Händchen und schafft es immer wieder, grosse Persönlichkeiten ins Klosterdorf zu locken. Foto: Lukas Schumacher o
André Kälin, Geschäftsführer des Mauz Music-Clubs, hat ein goldenes Händchen und schafft es immer wieder, grosse Persönlichkeiten ins Klosterdorf zu locken. Foto: Lukas Schumacher o
Im Jahr 2018 trat Stiller Has mit Endo Anaconda im Mauz Music-Club in Einsiedeln auf und zog zahlreiche Besucher an. Foto: zvg
Im Jahr 2018 trat Stiller Has mit Endo Anaconda im Mauz Music-Club in Einsiedeln auf und zog zahlreiche Besucher an. Foto: zvg

Musik

«Die Clubs stehen unter Druck»

Das erste Konzert im Mauz Music-Club nach dem Lockdown war ausverkauft. André Kälin erlebte diesen Auftritt im Klosterdorf als Drummer von Drop of Dew. Der 40-jährige Geschäftsführer hofft, dass es nicht das letzte Konzert in seinem Club in diesem Jahr gewesen ist.

André Kälin, Geschäftsführer im Mauz Music-Club, steht Red und Antwort zur Wiedereröffnung seines Betriebs nach dem Corona-Lockdown.

Magnus Leibundgut: Im Mauz Music-Club ist der Lockdown beendet: Ende gut, alles gut?


André Kälin: In der Theorie vielleicht, in der Praxis ist Corona allerdings noch lange nicht ausgestanden. Die Clubs stehen ja seit dem Superspreader im «Flamingo» in Zürich unter Druck und sind im Fokus der Öffentlichkeit: Sie gelten als Sündenböcke.

Im Zürcher Club «Flamingo» war ein Superspreader unterwegs. Wie kann derlei im Klosterdorf verhindert werden?


Ich will diesen Club nicht abwerten, aber man kann ihn nicht mit dem Mauz gleichsetzen. Wir haben ein ganz anderes Publikum, das weniger betrunken und aufgeputscht ist als zum Beispiel in diesem Club in Zürich. Klar muss ich meinen Kopf hinhalten, würde ein solcher Fall bei uns auftreten. Aber wir haben hier im Klosterdorf eine andere Community mit Leuten, die in Eigenverantwortung auftreten und aufeinander Rücksicht nehmen: So haben sich bei uns Gäste abgemeldet, die sich krank fühlten oder ein erkältetes Familienmitglied zu Hause hatten.

Es war eine kleine Sensation, dass der Mauz als erster Club weitherum überhaupt am 27. Juni wieder ein Konzert veranstalten konnte.


Wir waren selber überrascht, dass die Behörden unsere Anfrage positiv beantwortet haben und wir ein Konzert durchführen konnten. Um sicher zu gehen, dass es kein grosses Gedränge geben würde, haben wir eine limitierte Anzahl Tickets nur im Vorverkauf online verkauft und hierbei die Daten der Besucher gesammelt und diese dann am Eingang kontrolliert: Statt der möglichen 300 Besucher waren es dann nur 150 Leute, die wir reingelassen haben. Im Lokal selber haben wir Desinfektionsstationen aufgebaut und uns auf eine Bar beschränkt, um Getränke zu verkaufen.

Wie handhaben Sie die Eingangskontrolle am Nachwuchsband-Festival «BandXsz 2020 » am Samstag im Mauz?


Weil diese Konzerte ja gratis sind und wir also keine Kontrolle via Ticketverkauf ausüben können, müssen sich die Besucher am Eingang ausweisen. Wir registrieren Name, Wohnort und Handynummer. Bei Unsicherheiten führen wir Kontrollanrufe durch. Das gibt das Sicherheitskonzept vor. Auch die Bands müssen sich daranhalten.

Mit welchem Verlust rechnen Sie aufgrund des Coronavirus?


Der ist immens. Einerseits ist der Club während drei Monaten geschlossen worden, andererseits zieht sich die Misere auch noch weiter hin: Es gibt Absagen von Leuten, die geplante private Anlässe in unserem Club stornieren – aus Angst vor dem Virus. Die Angst der Besucherinnen und Besucher kommt auch dadurch zum Ausdruck, dass der Vorverkauf für Konzerte im Herbst stockt. Überhaupt ist das Ganze eine komplizierte Sache: Wir organisieren ja die Konzerte weit im Voraus und können nicht einfach spontan die Künstler engagieren.

Sind Sie während der Zeit der Corona-Krise unterstützt worden?


Wir erhalten vom Kanton und vom Bund eine Ausfallentschädigung. Wie hoch diese sein wird und wann sie ausbezahlt wird, ist noch unklar. Um über die Runden zu kommen, mussten wir einen Kredit aufnehmen. Für die ganze Musikindustrie bedeutet dieses Coronavirus ein grosses Schlamassel: Musikerinnen und Musiker und Leute aus der Eventbranche können zwar Kurzarbeit anmelden, aber mit höchstens 3000 Franken pro Monat ist es schwierig, eine Familie durchzubringen. Uns kam der Vermieter mit einer Reduktion des Mietzinses entgegen. Und wir konnten auf die Solidarität unserer Besucher zählen: Ein Einziger wollte das Geld zurück für ein Konzert, das wegen Corona verschoben werden musste.

Sie selber spielen Schlagzeug bei Drop of Dew. Wie sind Sie in dieser Band gelandet, die Songs von Greatful Dead spielt?


Eigentlich ist Drop of Dew nur ein Projekt. Hauptsächlich spiele ich in der Band The Calling Sirens. Es war schon immer mein Bubentraum, als Musiker auf der Bühne zu stehen und Konzerte zu veranstalten. Mit 16 Jahren spielte ich in der Formation Dead End – eine Anspielung naturgemäss auf Greatful Dead. Wir übten in der Ziegelei, das war der damalige Bandraum von Dead End, aus dem dann später der Mauz entstand. Schon vor dem Mauz gab es Konzerte in der Ziegelei. Allerdings gab es auch viele Betrunkene, Sachbeschädigungen, Vandalenakte und Nachtruhestörungen. Das hat sich dann beruhigt mit der Gründung des Mauz Music-Clubs.

Wie haben Sie Ihr eigenes Konzert von Drop of Dew am 27. Juni im Mauz Music-Club erlebt?


Einerseits hatte ich ein mulmiges Gefühl, weil ich als Drummer der Band gleichzeitig auch Organisator des Konzertes und dementsprechend wegen Corona wie auf Nadeln war. Andererseits war ich überwältigt, wie die Besucher des Konzertes tanzten und sich freuten über den Anlass. Ein schönes Erlebnis!

Wie haben Sie es geschafft, zu einer überaus angesagten Adresse für Musiker und Fans zu werden?


Es braucht Glück und Können und viel engagierte Arbeit hierzu. Und auch etwas Mut, um Persönlichkeiten wie Endo Anaconda anzurufen, ob sie bereit dazu sind, im Klosterdorf aufzutreten. Und Auftritte wie von Stiller Has tun Einsiedeln einfach gut. Es gab magische Momente beim letzten Konzert von Endo Anaconda. Umso mehr freue ich mich auf den 4. September, wenn Stiller Has im Klosterdorf auftreten. Und ebenso auf den Auftritt von Max Lässer und Pedro Lenz, die am 19. September zu Gast im Mauz sind.

Was verbindet Sie mit Einsiedeln?


Ich habe mir im Klosterdorf meine ersten musikalischen Sporen verdient und dann auch einmal einen Plattenladen in Einsiedeln geführt sowie den Kulturverein Fismo mitbegründet. Dann hat es mich wegen der Musik nach Zürich verschlagen. Der Club hat mich dann aber wieder zurück ins Klosterdorf geführt – eine Herzensangelegenheit.

Wen wünschen Sie sich auf der Bühne des Mauz Music-Clubs?


Bob Dylan, aber das ist eher unrealistisch, dass er ausgerechnet im Klosterdorf sein neues Album präsentieren will. Realistischerweise eher ins Konzept passen würde einmal ein Auftritt von Züri West oder zum Beispiel Sophie Hunger in Einsiedeln. So halb realistisch wäre eine Zusammenarbeit von Lee «Scratch» Perry mit Dub Spencer an Trance Hill bei uns im Mauz: Immerhin hätte der Dub-Künstler keinen allzu weiten Weg bis an die Zürichstrasse zurückzulegen, da er ja seit vielen Jahren auf dem Schnabelsberg in Einsiedeln lebt. Allerdings würde seine Gage wohl unser Budget sprengen. Dub Spencer and Trance Hill spielen am 26. September bei uns, ohne ihn.

Wohin bewegt sich die Welt?


Ich hoffe nicht, dass es erneut zum Lockdown kommt. Dies würde bedeuten, dass der Auftritt von Drop of Dew der letzte in diesem Jahr im Mauz Music-Club gewesen wäre. Ich sehe die ganze Corona-Krise aber jetzt nicht nur vollends negativ: Die Pandemie kann womöglich auch dazu beitragen, dass wir uns nicht nur auf rein Äusserliches fokussieren, uns besinnen und uns wieder auch auf innere Werte ausrichten. Kleine Veranstalter wie der Mauz Music-Club könnten davon profitieren.

Einsiedler Anzeiger / Magnus Leibundgut

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

10.07.2020

Webcode

schwyzkultur.ch/cAuNLp