Die Spieler und Spielerinnen zeigten einmal mehr eine starke Gemeinschaftsleistung. Fotos: Franz Kälin
Die Spieler und Spielerinnen zeigten einmal mehr eine starke Gemeinschaftsleistung. Fotos: Franz Kälin
Die Kunst des gehobenen Nonsens - 1

Bühne

Die Kunst des gehobenen Nonsens

Das Stiftstheater führte Woody Allens «Gott und andere Zufälle» auf Endlich darf wieder Theater gespielt werden! Auch am Stiftstheater, das am Freitag zur Premiere von Woody Allens Stück «Gott und andere Zufälle» laden konnte.

«Das Theater ist zur Unterhaltung da. Im Showbusiness gibts einen alten Spruch: Wenn du eine Botschaft vermitteln willst, dann schick ein Telegramm.» So definiert der Chor gegen Ende von Woody Allens Stück «Gott» aus dem Jahr 1975 die Aufgabe des Theaters. Das dreizehnköpfige Ensemble des Stiftstheaters um Regisseur Oscar Sales Bingisser wagte sich an die Aufführung dieses Stücks und nahm sich die Worte des Chors zu Herzen. Es bot bei der Premiere letzten Freitag in jeder Szene beste Theaterunterhaltung.

Die Studentin aus Freienbach


Im Zentrum der Handlung stehen der Autor Hepatitis (Ricardo Riediker) und der Schauspieler Diabetes (Tobias Freund), welche im antiken Griechenland leben und arbeiten. Sie suchen verzweifelt nach einem Schluss für ihr Theaterstück, mit dem sie das Athener Dramenfestival gewinnen wollen. Bald stellt sich jedoch heraus, dass die beiden selber nur Figuren in einem anderen Stück sind, geschrieben von Woody Allen und aufgeführt am Stiftstheater in Einsiedeln. Aus dem Publikum gesellt sich Nicole Kaufmann, eine Philosophiestudentin aus Freienbach (gespielt von Prisca Barothy), zu den beiden auf die Bühne und mischt das Stück kräftig auf.

Vertrackt


Nachdem der Autor Hepatitis von der Idee überzeugt worden ist, zum Schluss seines Stücks mit Hilfe eines Flaschenzugs Gott Zeus als Deus ex Machina auftreten zu lassen, beginnt die Aufführung seines Dramas. Dieses handelt vom Sklaven Pheidippides, der König Ödipus eine Botschaft überbringen soll. Der Sklave weiss, dass viel für ihn auf dem Spiel steht: Gefällt die Botschaft dem König, gewinnt Pheidippides die Freiheit (und die Studentin aus Freienbach als Liebhaberin). Andernfalls wird er wohl zu Tode gefoltert. Nach einer beschwerlichen Reise überbringt Pheidippides dem König schliesslich die Botschaft – es ist die Antwort auf die Frage, ob Gott existiert und sie besteht aus einem Wort: «Ja». Eine schlechte Botschaft für den König, da dies bedeutet, dass er für alle seine Schandtaten von Gott zur Verantwortung gezogen werden kann. Nur noch der einfliegende Zeus könnte den Sklaven vor dem Zorn des Königs retten, doch sein Auftritt geht schief. Der Gott hängt schliesslich tot am Flaschenzug; ein Defekt hat ihn das Leben gekostet.

Ein Haarföhn für den Fahrtwind


Immer wieder gelangen den Jugendlichen ungemein witzige und intensive Theatermomente. Zum Beispiel, als Pheidippides auf einem Standfahrrad seinem Schicksal entgegen radelte, während Discokugel und Lichteffekte eine typisch mediterrane Nachtstimmung herbeizauberten und die Mitglieder des Chors mithilfe eines alten Haarföhns für Fahrtwind sorgten. Oder auch, als die Unterschenkel des toten Zeus (gespielt von der zierlichen Erstklässlerin Victoria Schönbächler) mit gelben Taucherflossen an den Füssen aus einem Ölfass hingen, der besorgte Diabetes von unten ins Fass hineinschaute und fragte: «Gott, bist du okay?»

Lachen als schönster Lohn


Obwohl der Theatersaal nur zu einem Drittel gefüllt werden durfte, waren wohl die meisten Zuschauerinnen und Zuschauer nach einem Jahr Corona-Pause schon lange nicht mehr Teil eines so grossen Publikums. Sie bedankten sich beim Ensemble immer wieder mit herzhaftem Lachen. «Genau dieses Lachen als Rückmeldung des Publikums ist der schönste Lohn für uns», waren sich die Schauspielerinnen nach der Premiere einig. So fand ihre Freude, endlich wieder vor einem Publikum zu spielen, in der Freude des Publikums an der gelungenen Darbietung ihre verdiente Entsprechung.


Einsiedler Anzeiger / Philipp Lothenbach

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

15.06.2021

Webcode

www.schwyzkultur.ch/Xvjdj5