Heinz Nauer, Giulia Passalacqua und Hanspeter Pfister (von links) im Ausstellungsraum des Museums Fram.
Heinz Nauer, Giulia Passalacqua und Hanspeter Pfister (von links) im Ausstellungsraum des Museums Fram.
Die Benziger-Nachfahrinnen Marie-Catherine und ihre Grossmutter Anne-Marie Glutz von Blotzheim vor einem historischen Familienfoto.
Die Benziger-Nachfahrinnen Marie-Catherine und ihre Grossmutter Anne-Marie Glutz von Blotzheim vor einem historischen Familienfoto.
Begrüssung vor Symbolträchtigem: Kuratorin Giulia Passalacqua, Fram-Präsident Hanspeter Pfister (Mitte) und Szenograf Mathis Füssler führten in die Ausstellung ein. Bilder Gina Graber
Begrüssung vor Symbolträchtigem: Kuratorin Giulia Passalacqua, Fram-Präsident Hanspeter Pfister (Mitte) und Szenograf Mathis Füssler führten in die Ausstellung ein. Bilder Gina Graber
Gerd Heckmanns neben seinen handschriftlichen Notizen, die beginnen mit: «1983 Mai: 13 Entlassungen aus wirtschaftl. Gründen.»
Gerd Heckmanns neben seinen handschriftlichen Notizen, die beginnen mit: «1983 Mai: 13 Entlassungen aus wirtschaftl. Gründen.»

Dies & Das

Benziger – Geschichte und Geschichten

Am Samstag fand im Museum Fram die Vernissage der Ausstellung «Benziger – der Weltverlag im Klosterdorf» statt. Zur Eröffnung hatten sich viele Gäste, darunter prominente Persönlichkeiten und ehemalige Angestellte eingefunden.

Der Benziger Verlag ist Geschichte. 22 Jahre nach der allerletzten eigenständigen Verlagstätigkeit in Einsiedeln widmet das Museum Fram der traditionsreichen Firma mit der aktuellen Ausstellung eine umfassende Würdigung. Über das Ausstellungskonzept und die bevorstehenden Rahmenveranstaltungen wurde im Einsiedler Anzeiger am vergangenen Freitag ausführlich berichtet. Schenkungen und Leihgaben Am Samstag nun wurde die Ausstellung der Öffentlichkeit präsentiert. Viele Einsiedlerinnen und Einsiedler sowie Persönlichkeiten aus Kultur und Politik, darunter Nationalrat Alois Gmür und die Regierungsräte Andreas Barraud und Michael Stähli, erwiesen dem Anlass ihre Reverenz. Fram-Präsident Hanspeter Pfister zeigte sich in seiner Rede glücklich darüber, im Haus selbst auf das reiche Benziger Archiv zurückgreifen zu können. In der Ausstellung sind aber auch zahlreiche Dokumente, Fotos und Objekte aus den Privatarchiven der Nachfahren der Verlegerfamilie zu bewundern, die bisher noch nie öffentlich gezeigt worden waren. Pfister würdigte insbesondere Donata Krethlow-Benziger, die für die Aufarbeitung der Verlagsgeschichte und die Ausstellung Hunderte von Schenkungen und wichtige Leihgaben zur Verfügung gestellt hat. Eine weitere Benziger-Nachfahrin besuchte die Ausstellung in Begleitung ihrer Familie: Anne-Marie Glutz von Blotzheim kann sich noch gut an ihren Grossvater Karl Benziger erinnern, in dessen Haus in Schwyz die zierliche, liebenswürdige Dame heute noch wohnt. Multidimensionale Ausstellung Neben den Ausstellungs-Co-Kuratoren Heinz Nauer und Giulia Passalacqua zeichnet Mathis Füssler als Szenograf verantwortlich. Die multidimensionale Ausstellung konzentriert Exponate, Fotos, Filmaufnahmen und Informationen auf dichtem Raum als kleines Gesamtkunstwerk. Deshalb werden die Besuchenden auf einem vorgegebenen Rundgang durch den mehrfach unterteilten Saal geführt, zu schnell verlöre man sonst den Überblick über die vielen unterschiedlichen Exponate aus drei Jahrhunderten. Zum noch besseren Verständnis der komplexen Verlags-, Druckerei- und Familiengeschichte stehen Audioguides und Tablets zur Verfügung. Erinnerungen an die «alte Bude» Die ehemaligen Benziger-Angestellten Leo Kälin (Einsiedeln) und Martin Holdener (Gross) streiften durch die Ausstellung und wurden vor allem durch die zahlreichen Fotos aus Druckerei und Werkstatt an ihre einstigen Tätigkeiten erinnert. Der 83-jährige Leo Kälin war von 1949 bis 1995 Schriftsetzer: Vom Bleisatz bis zum computergesteuerten Druckablauf erlebte er die komplette Wandlung seines Berufs am eigenen Leib mit. In jungen Jahren waren seine ältesten Arbeitskollegen um die 75 Jahre alt, sann er: «Die AHV gab es damals noch nicht.» Martin Holdener (77 Jahre) war 39 Jahre lang Handbuchbinder und hat nur gute Erinnerungen an die «alte Bude», an die alte Druckerei im Dorf. Er erinnert sich auch an die Zeit in den Siebzigerjahren, als er für die Anfertigung von Stundenbüchern unzählige Überstunden machen musste, so gross war das Bestellvolumen. Bis zu zwölf Stunden am Tag habe er Bücher gebunden – und am Samstag oft auch noch. Kämpferischer Chronist Auch Gerd Heckmanns (79 Jahre) war Buchbinder bei Benziger und ausserdem Mitglied der Druckerei-Gewerkschaft und der Betriebskommission. In dieser Funktion war er unter den ersten, die wussten, wer die Firma 1984 kaufen würde. Als sich im Mai 1983 die grosse Krise abzuzeichnen begann, fing der kämpferische Heckmanns an, Daten und Ereignisse minutiös zu notieren. Etwa ein Jahr lang führte er dieses Protokoll, in einer Zeit, in der zu Recht viele Benziger Angestellte um ihren Arbeitsplatz fürchteten. Heckmanns wusste die Belegschaft immer hinter sich, manche fragten ihn, wann denn nun endlich gestreikt werde. Aber nicht zu streiken wurde als sinnvoller erachtet, denn die Streikdrohung war das grössere Druckmittel der Angestellten, als der Arbeit tatsächlich fernzubleiben. Nun, Streik hin, Verhandlungen her: Benziger ist heute trotzdem Geschichte – und in

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Dies & Das

Publiziert am

17.10.2017

Webcode

schwyzkultur.ch/f3WkRP