Karl-May-Kenner Bruder Gerold Zenoni (im Habit) erhält fachliche Unterstützung aus dem Publikum durch Elmar Elbs, Gründer der Karl-May-Freunde Schweiz (links).  Bild Gina Graber
Karl-May-Kenner Bruder Gerold Zenoni (im Habit) erhält fachliche Unterstützung aus dem Publikum durch Elmar Elbs, Gründer der Karl-May-Freunde Schweiz (links). Bild Gina Graber

Dies & Das

Der Duft der grossen, weiten Welt

Einsiedeln ist nicht der Nabel der Welt, aber die Welt war schon immer im Klosterdorf zu Gast. Das Museum Fram zeigt in der aktuellen Ausstellung Trouvaillen, die von alten Zeiten erzählen und einen Hauch Globalität verströmen.

Es sollte nur eine kleine Ausstellung über Einsiedeln und seine internationale Bedeutung in der Vergangenheit werden, erklärte Walter Kälin, Präsident des Fram-Clubs an der Ausstellungseröffnung am Donnerstagabend. Aber das Archiv des Museums Fram enthält viel mehr Illustrationen, Schriften und Objekte, als sich die Ausstellungsmacher erträumt hatten. Die von Heinz Nauer und Giulia Passalacqua konzipierte Ausstellung gründet auf der Erkenntnis, dass es schade wäre, unzählige Objekte aus der Einsiedlensia-Sammlung zu inventarisieren und dann in den Tiefen des Archivs zu schubladisieren – aus den Augen, aus dem Sinn. Die Bücher, Bilder und Gegenstände mit internationaler Ausstrahlung sind es wert, gezeigt zu werden.Sie erzählen Geschichten, die kaum oder nur am Rande in Geschichtsbüchern und Biografien weltberühmter Männer zu finden sind. Aber sie haben in Einsiedeln stattgefunden und lassen unser bescheidenes Dorf ein bisschen am Weltgeschehen teilhaben.


Karl May, der Protestant

Das Kloster Einsiedeln einerseits und der Benziger Verlag andererseits waren die grossen Vermittler, wenn es um die Beziehungen des Klosterdorfs mit der Welt ging. Da war zum Beispiel Karl May. Der Schöpfer von Winnetou, Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi besuchte Einsiedeln und veröffentlichte Ende des 19. Jahrhunderts Geschichten in «Benzigers Marien-Kalender ».Der deutsche Karl May wurde von der katholischen Verlagsleitung jener Zeit verunglimpft, bis man sich gegen den Erfolg des beliebten Abenteuerschriftstellers nicht mehr wehren konnte.


Handel mit heiligen Gebeinen


Der Katholizismus war in Einsiedeln in jeder Hinsicht prägend für die Geschäftsbeziehungen mit dem Ausland. Davon zeugen unter anderem die Geschäfte um und mit den «heiligen Gebeinen». Die im Jahr 1587 entdeckten Katakomben in Rom initialisierten einen Boom um die gefundenen Knochen. Man war überzeugt, es handle sich um die sterblichen Überreste der ersten Christen, die wegen ihres Glaubens verfolgt und getötet worden waren. Jeder noch so kleine Knochensplitter galt alsbald als Reliquie, ein reger Handel begann. Die Knöchelchen wurden in Klöstern aufwendig verziert, geschmückt und auf Samtkissen gebettet, die man an Prozessionen durch die Ortschaften trug, so auch durch Einsiedeln.


Publikum trug zu Erläuterungen bei


Apropos Rom und christliche Märtyrer: Welches ältere Semester erinnert sich nicht an den Monumentalfilm in Technicolor «Quo vadis» aus den 50er-Jahren? Der gleichnamige Roman des polnischen Autors Henryk Sienkiewicz wurde in der deutschen Übersetzung bei Benziger veröffentlicht. Dieser Art katholischer Literatur des frühen 20. Jahrhunderts ist ebenfalls eine Station der Ausstellung gewidmet, durch die Walter Kälin die Vernissagenbesucherinnen und -besucher führte. Max Fuchs (Präsident Panorama Gesellschaft) und Karl Hensler (Tell), assistierten Kälin als Kenner der Lokalgeschichte. Bruder Gerold Zenoni OSB ist ausgewiesener Karl-May-Experte und vermochte mit seinem leidenschaftlichen Referat über den schillernden Abenteuerautor zu begeistern. Last, but not least trugen persönliche Voten aus dem Publikum zur Erläuterung über die Einsiedler Vergangenheit bei.


Höfner Volksblatt & March Anzeiger / Gina Graber

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Dies & Das

Publiziert am

11.10.2018

Webcode

schwyzkultur.ch/3ieBU8