Am Tisch sitzend (von links nach rechts): Karl Hensler, Lisbeth Hensler-Grätzer und Moderator/Fram-Club-Präsident Walter Kälin. Bild Wolfgang Eberle
Am Tisch sitzend (von links nach rechts): Karl Hensler, Lisbeth Hensler-Grätzer und Moderator/Fram-Club-Präsident Walter Kälin. Bild Wolfgang Eberle

Dies & Das

Die «Welt» gab eine Kostprobe

Am letzten Donnerstagabend fand im Museum Fram ein weiterer Anlass des Fram-Clubs statt. Walter Kälin (Meilen) konnte um die 50 Gäste willkommen heissen.

Der Abend war ganz in Einsiedler Hand und kam vielleicht gerade deshalb speziell locker und humorvoll daher. Eingeladen waren acht Personen, die alle an einem der Welttheater seit 1955 in unterschiedlichen Funktionen mitgewirkt haben. Verschiedene Tonaufnahmen waren zu hören, so unter anderem die Stimme des Meisters, der zu Spielbeginn die Rollen verteilte, und die manchem noch absolut geläufig ist: «Und so nehm' denn jedermann, welchen Part ich ihm beschere.» Erinnerungen an die Aufführungen der 1960er- und 1970er- Jahre kamen wohl auf. Jene Zeit auch, wo am Schluss des Theaters beim Einzug in die Klosterkirche Orgeltöne zu hören waren und mit grosser Ehrfurcht das Lied «Grosser Gott wir loben Dich» gesungen wurde; mit anschliessendem Glockengeläut und natürlich ohne Applaus.

Erinnerungen

Ursi Staub erzählte aus eigener Erfahrung, dass sie alsdamalige Neuzuzügerin sehr vom Welttheater profitiert habe. Dieses habe und trage bestimmt heute noch enorm zur Integration ins Dorfleben bei und erfülle durchaus eine grosse soziale Aufgabe. Als sie Jahre später dann die Rolle der Welt zugeteilt erhielt, fühlte sie sich dann eher wieder als Einzelkämpferin. Benno Kälin spielte 1955 als Elfjähriger das ungeborene Kind und als er vor Kurzem und auch am Donnerstagabend seine Stimme auf dem noch vorhandenen Tondokument hörte, sei er sehr berührt gewesen. Richard Schönbächler erinnerte sich seiner Rolle um 1950 als Erzengel Michael. Gross und stark mit langem Schwert musste er immerhin den Reichen in die Hölle befördern. Meiri Gyr bemerkte, wie er ganz zufällig bei einem Bier im Jahre 1970 auf die Aufgaben eines Requisiteurs aufmerksam gemacht wurde und seit damals in dieser Funktion dem Welttheater die Treue hielt. So erzählte er auch, wie 2007 der 48 Meter runde und 900 Quadratmeter grosse Rock der Welt mal erst im allerletzten Moment ausgerollt werden konnte. Man habe Blut geschwitzt!

Theater verbindet

Hanspeter (James) Kälin stellte in seinen Äusserungen fest, dass er aus einer Theaterfamilie stamme und ihm deshalb wohl das Schauspielen in die Wiege gelegt wurde. In nicht wenigen Einsiedler Familien habe das Theaterspielen auf die nächste Generation abgefärbt. Lisbeth Hensler berichtete, wie sie ihre beiden Hauptrollen von 1960 und 1965 noch immer auswendig könne und sie gab mit ihrer imposanten und markanten Stimme als «Welt» gleich eine Kostprobe davon. Karl Hensler hatte mehrmals eine Hauptrolle und bemerkte, wie er dank dieser Möglichkeiten und durch entsprechende Sprachschulung den Zugang zu unserer Sprache erst richtig gefunden habe. In den letzten zwei Spielperioden sei die Abkehr von grossen Hauptrollen verglichen mit früheren Aufführungen offensichtlich gewesen. Heute werde eine Hauptrolle eher in Gruppen aufgeteilt. Karl Saurer veranstaltete an der Premiere des Welttheaters 1970 mit einer Gruppe von Studenten ein «Kleines Welttheater» als Protest. Diese äusserten sich kritisch zur damaligen Calderon-Aufführung. Aus heutiger Sicht war der damalige Protest wohl noch verfrüht. Nach der achtjährigen Theaterpause am Ende des letzten Jahrhunderts wurde im Jahr 2000 und 2007 mit Thomas Hürlimann und Volker Hesse eine völlige Neukonzeption gestaltet und damit vermutlich den Kritikern von damals Rechnung getragen. Nach rund anderthalb Stunden konnte Walter Kälin einen nostalgisch spannenden und unterhaltsamen Abend, der vermutlich bei den meisten Zuhörern alte Erinnerungen weckte, abschliessen.

Mitwirkende des Nostalgieabends

Benno Kälin: Ungeborenes Kind (1955); Lisbeth Hensler-Grätzer: Schönheit (1960) und Welt (1965); Karl Hensler: Bauer (1965, 1970, 1987, 1992) und Reicher (1981); Ursi Staub: Welt (1987); Hanspeter (James) Kälin: Reicher (1981), Bauer (2013); Richard Schönbächler: Erzengel Michael (zirka 1950); Meiri Gyr: Requisiteur (seit 1970); Karl Saurer: Protest mit «Kleinem Welttheater » (Premiere 1970).

Einsiedler Anzeiger

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Dies & Das

Publiziert am

21.05.2013

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schwyzkultur.ch/Ztr5pP