Zur Ausstellung erschien wiederum eine Broschüre.
Zur Ausstellung erschien wiederum eine Broschüre.
«Anstatt glettä» mit Josef Hensler (Klarinette), Stephan Gassner (Bass) und Beat Ruhstaller (Akkordeon). Foto: Urs Gusset
«Anstatt glettä» mit Josef Hensler (Klarinette), Stephan Gassner (Bass) und Beat Ruhstaller (Akkordeon). Foto: Urs Gusset
An der neuen Fotografieausstellung im «Chärnehus» Einsiedeln gibt es viel zu sehen. Bild: Urs Schönbächler
An der neuen Fotografieausstellung im «Chärnehus» Einsiedeln gibt es viel zu sehen. Bild: Urs Schönbächler

Dies & Das

Inspiriert durch den Film «Foti Fränzel»

Vernissage der Ausstellung und der Schrift «Einsiedeln und seine Fotograf(i)en» im Chärnehus mit 120 geladenen Gästen am Samstag.

Für einmal sei die Geschichte eines Anlasses weder chronologisch erzählt noch am Schwanz aufgezäumt. Für einmal geht es in medias res, mitten in die faszinierende Ausstellung «Einsiedeln und seine Fotograf( i)en», die am letzten Samstag im Chärnehus, dem ehemaligen Kornhaus von Einsiedeln, mit der Vernissage eingeläutet wird. Wer Lust hat, kann die Ausstellung schon einmal im Schnelldurchlauf mitmachen. Im Foyer kann man sich mit einer Camera obscura auf die Spuren der Fotografie-Geschichte machen. Im Saal und auf der Galerie werden die ersten Klosterfotografen oder Einsiedler Laienpioniere und Mitglieder des Amateur-Fotoclubs Einsiedeln vorgestellt: Marian Schönbächler, Pierre Joseph Rossier, Josephine Kälin, Wilhelmine Marthaler, Othmar Baur, Robert Rosenberg, Franz Kälin senior und junior, Paul Gabriel und Martin Linsi. Das Herzstück der Ausstellung bildet das nachgebaute Fotostudio mit Labor und Dunkelkammer der Einsiedler Fotografen Lienhardt und Gasser.


Bis unters Dach gefüllt


Das Chärnehus ist bis unter das Dach gefüllt. Im historischen Dachstock aus dem 18. Jahrhundert findet man Fotos 19 zeitgenössischer Fotografinnen und Fotografen aus dem Bezirk Einsiedeln, die je zwei Werke ausstellen. Auch die irreale Farbenfotografie des verstorbenen Einsiedlers Hans Bisig wird in Szene gesetzt.


Aussagekräftig


«Ein Foto sagt mehr als tausend Worte.» So beginnt das Vorwort der Broschüre der Ausstellungsgruppe Kulturverein Chärnehus Einsiedeln mit Obmann Albert Bingisser an der Spitze. Deshalb erstaunt es nicht, dass sich die beiden Redner der Vernissage im Saal des Chärnehus kurz fassen – zum einen Beat Ruhstaller, Präsident des Kulturvereins Chärnehus Einsiedeln, zum andern Kuratorin Susanna Bingisser.


Gelungene Mischung


Wohltuend sind nicht nur die beiden kurzen Ansprachen, sondern auch die musikalische Umrahmung durch die Formation «Anstatt glettä» mit Josef Hensler (Klarinette), Stephan Gassner (Bass) und Beat Ruhstaller (Akkordeon). Der Präsident meistert seine Doppelrolle bestens. In seiner Rede dreht er das Rad der Zeit um 35 Jahre zurück. Er erwähnt seine Weltreise von 1983 via Wien und Moskau nach Peking, für die er sich einen Fotoapparat und einen Filmschutzsack zur Aufbewahrung der schwarzen Döschen gekauft hat. Wieder zu Hause, gab er diese Filme im Fotogeschäft ab. Sie wurden eingeschickt. Ein paar Tage später konnte er die Schachteln mit den entwickelten Farbdias abholen, was bei etwa 15 Filmen à 36 Fotos gut 500 Fotos ergab. Er zeigt zum einen die nostalgischen Gegenstände, zum andern seine neue Digitalkamera mit 373 Bildern. Musste er damals Angst haben, seine Bilder würden von Röntgenstrahlen zerstört, muss er sich heute damit beschäftigen, ob «meine privaten Bilder wirklich noch auf dem Gerät sind oder nicht irgendwo auf der Welt, zum Beispiel in Moskau, und für irgend etwas missbraucht werden».


Dank an Ehrenamtliche


Kuratorin Susanna Bingisser dankt in ihrer Rede nach allen Seiten. Sie lässt nicht unerwähnt, dass die Ausstellungsgruppe einerseits ehrenamtlich arbeitet und glücklicherweise Mitglieder mit unterschiedlichen und vielseitigen Fähigkeiten hat, anderseits bei der Verwirklichung der Ausstellung auch Profis benötigt werden. Sie verweist darauf, dass das Gruppenkässeli für eine Ausstellung inklusive Begleitbroschüre nicht reicht und dankt zum einen den Vereinsmitgliedern, zum andern den grossen und kleinen Sponsoren und Gönnern. Die drei grössten Geldgeber sind der Bezirk, der Kanton und die Avina Stiftung.


Vier Fotografen anwesend


Die Kuratorin gibt ihrer Freude Ausdruck, dass vier der porträtierten Fotografen persönlich anwesend sind – Franz Kälin senior (geboren 1933), Robert Rosenberg (1934), Martin Linsi (1956) und Franz Kälin junior (1961). Nicht ohne Stolz erwähnt sie, dass sich auf einen Aufruf nicht weniger als 19 Profi- und Hobby-Fotografinnen und -Fotografen aus dem Bezirk Einsiedeln gemeldet haben. An der Ausstellung werden einige Trouvaillen der Chärnehus-Sammlung gezeigt. Ergänzt werden diese durch viele weitere Fotos und Objekte von Leihgeberinnen und Leihgebern wie Klosterarchiv, Bezirksarchiv, Museum Fram, Staatsarchiv Schwyz und Schweizerisches Nationalmuseum. Der Anlass ist nicht nur Ausstellungs-, sondern auch Buchvernissage. Alle 120 geladenen Gäste erhalten eine druckfrische Broschüre und einen backstubenfrischen Lebkuchen.


Inspiration durch Foti-Fränzel


Ein paar Worte zur Ausstellung: «Inspiriert hat uns, wir gestehen es gerne, der Film ‹Foti Fränzel›», sagt Susanna Bingisser. Die Ausstellungsgruppe stellte sich die Frage, welche Fotografen es in Einsiedeln sonst noch gegeben hatte. Die Gruppe begann zu recherchieren und suchen. «Wir haben gefunden, gefunden und nochmals gefunden», sagt die Kuratorin. Das Ergebnis der schwierigen Auswahl zeigt die eindrückliche Ausstellung. Das Gezeigte zieht einem vom Foyer bis unters Dach in seinen Bann. Was die Ausstellungsgruppe gemeinsam entdeckt, gescannt, beschrieben, organisiert, aufgehängt und aufgebaut hat, wird noch bis am 27. Januar 2019 gezeigt.


Einsiedler Anzeiger / Urs Gusset

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Dies & Das

Publiziert am

11.12.2018

Webcode

schwyzkultur.ch/WwvuXL