Noch lange nicht alle Wisel. Insgesamt sind es 1650 Zeichnungen! Foto: Lukas Schumacher
Noch lange nicht alle Wisel. Insgesamt sind es 1650 Zeichnungen! Foto: Lukas Schumacher

Dies & Das

Irgendeinmal war der Wisel einfach da

«Dr Wisel» dürfte eine der langlebigsten Comic-Figuren der Schweizer Presselandschaft sein: Seit 34 Jahren zeichnet ihn Amy Bollag exklusiv für den Einsiedler Anzeiger.

Und dann war er einfach da: «Dr Wisel». Ohne Ankündigung, ohne Nichts. Am Freitag, 27. Januar 1984, erschien das Strichmanndli erstmals auf der letzten Seite unserer Zeitung, klein und ohne Farbe. Es muss damals viel geschneit haben, denn Wisel meinte, sich auf seine Schaufel abstützend: «Jedesmoul han-i meh Schnee als dr Nouchber!» Mit dem Einsiedler Dialekt haperte es noch ein wenig – Amy Bollag, der Wisel-Erfinder, weilte zwar oft in seinem Ferienhaus auf dem Schnabelsberg, doch der gebürtige Badener hatte seinen Wohnsitz in Zürich. Das schlug sich sprachlich nieder. Ansonsten war (und ist) Wisel ein Einsiedler durch und durch. Geboren, aufgewachsen und wohnhaft: alles in Einsiedeln. Amy Bollag fand Gefallen an der hiesigen Tracht. Da er seine Figur aber nicht spezifisch zuordnen wollte, setzte er ihm nur den Trachtenhut auf.


Bollag – auch der geistige Vater


Doch wie kam der Wisel zum Einsiedler Anzeiger? Amy Bollag war damals schon ein auch in unserer Region bekannter Zeichner und Illustrator. «Zuerst waren die Chärnehus- Plakate», erinnert sich der heute 93-Jährige. Später dann zeichnete er für das Bennauer Theater oder illustrierte die Fasnachtszeitung der Mäuder … Es war der langjährige Redaktor Gerhard Oswald, der Bollag für den EA gewann – allerdings nicht als Wisel-Zeichner, sondern für die Gestaltung der Titelblätter zu den hohen kirchlichen Feiertagen Ostern, Pfingsten und Weihnachten. Irgendwann schlug Amy Bollag vor, doch auch im Anzeiger eine Comic-Figur zu veröffentlichen. Oswald fragte nach dem Preis. «20 Franken» beschied ihm Bollag, worauf Oswald «Ist gut» meinte. Der erste Wisel erschien am 27. Januar 1984. Wäre es nach dem verantwortlichen Redaktor gegangen, hätte Wisel allerdings Meiri geheissen. Doch Amy Bollag konnte sich durchsetzen. Und seither erscheinen seine Zeichnungen in ununterbrochener Folge: Seit 34 Jahren, pünktlich einmal die Woche. Gegen 1650 Wisel hat er für den EA gezeichnet. Eine unglaubliche Leistung! Unser Einsiedler Wisel dürfte damit eine der langlebigsten Figuren sein, welche die Schweizer Medienlandschaft je hervorgebracht hat. Nur drei Änderungen in 34 Jahren Visuelle Änderungen gab es in diese 34 Jahren nur drei: Seit dem 23. Juli 2004 erscheint der Wisel farbig. Und ein Jahr später, am 5. Juli 2005, erhält er mehr Raum. Er verlässt seinen angestammten Platz oben links und zügelt an den Fuss der letzten Seite «Smalltalk». Seither bringt er seine Sprüche am Dienstag. Ansonsten sieht der Wisel noch immer gleich aus. Und der gleiche geblieben ist er auch.


Letztmals am 29. Dezember


Doch nun steht «Dr Wisel» kurz vor seiner Pensionierung. In der heutigen Ausgabe und in jener zum Jahresschluss (29. Dezember) wird Wisel letztmals etwas zum Welt- und Lokalgeschehen meinen. Damit verschwindet ein Teil unserer Zeitung, ein Teil, der unverwechselbar war und seit 34 Jahren wöchentlich für einen ganz speziellen Farbtupfer sorgt.


Schweizer Fernsehen schaut vorbei


Zwar ist Amy Bollag der Hauszeichner des Einsiedler Anzeigers. Viele andere Titel setzen aber ebenso auf dessen Erzähl- und Zeichnungskunst. Kein Wunder, ist Bollag weitherum bekannt. So bekannt, dass selbst das Schweizer Fernsehen auf den Wisel und dessen nahende Pensionierung aufmerksam geworden ist. Heute Dienstag, 19. Dezember, schaut ein Fernsehteam auf der EA-Redaktion vorbei, ehe es Amy Bollag und dessen Frau Thea am Zürcher Wohnsitz besucht. Gemäss Fernsehprogramm sollte der Beitrag über Amy Bollag und seinen, «unseren» Wisel noch am gleichen Abend, am heutigen 19. Dezember, um 19 Uhr, in der Sendung «Schweiz Aktuell» ausgestrahlt werden.


Einsiedler Anzeiger / Vi

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Dies & Das

Publiziert am

19.12.2017

Webcode

schwyzkultur.ch/Vqf5sw