Büsten als Gesamt-Mosaik: Das Werk von Janine Züger.
Büsten als Gesamt-Mosaik: Das Werk von Janine Züger.
Initiantin Madeleine Schönbächler von der Gruppe «Junge Kunst» führt die Vernissage-Gäste durchs Chärnehus. Fotos: Franz Kälin
Initiantin Madeleine Schönbächler von der Gruppe «Junge Kunst» führt die Vernissage-Gäste durchs Chärnehus. Fotos: Franz Kälin

Dies & Das

Junge Kunst 09: Sprungbrett in die Zukunft

Am Samstagabend wurde im Chärnehus die Ausstellung «Junge Kunst 09 Einsiedeln» eröffnet. Das Interesse am Schaffen der jungen Einsiedlerinnen und Einsiedler war gross, die gezeigten Objekte, Bilder, Fotografien und Installationen vielfältig und sehenswert.

Der Surrealist Salvador Dalí war achtzehn Jahre alt, als seine Bilder zum ersten Mal an einer Gruppenausstellung zu sehen waren. Heute sind seine Werke weltberühmt und unerschwinglich teuer. Ob die Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung «Junge Kunst 09 Einsiedeln» (unter dem Patronat des Bezirks und des Kulturvereins Chärnehus) dereinst auch solche Kunststars werden, steht in den Sternen. Aber sie haben eine Chance wahrgenommen und präsentieren ihr Schaffen erstmals der breiten Öffentlichkeit.

Plattform für die bildende Kunst

Die Idee, jungen Kunstschaffenden aus der Region eine Plattform zu bieten, kam von Madeleine Schönbächler-Bingisser. Einsiedeln habe zwar eine starke Jugendkultur, aber eigentlich nur für theater- und musikbegeisterte Jugendliche. Der bildenden Kunst Jugendlicher wurde bisher wenig Beachtung geschenkt. So rief sie zusammen mit Berit Bisig und Simone Steinegger das Projekt «Junge Kunst 09 Einsiedeln» ins Leben. Mit Plakaten wurden junge Kunstschaffende (Höchstalter 25 Jahre) für diese Ausstellung gesucht. Ein kleines Wagnis, so Madeleine Bingisser, denn die engagierten Frauen hatten keine Ahnung, wie gross das Interesse sein würde. Mit 17 Anmeldungen wurden ihre grossen Hoffnungen schliesslich erfüllt.

Breites Spektrum

Die Werke der elf Frauen und der sechs Männer manifestieren ein breites Spektrum: Malerei, Zeichnungen, Fotografien, Objekte, Schmuck, Kunsthandwerk, Design und Film – eine erstaunliche Vielfalt von teilweise bemerkenswertem Niveau. Einige der Kunstschaffenden besuchen Kunstschulen im In- oder Ausland oder machen eine kunsthandwerkliche Lehre, für andere ist die Kunst leidenschaftliches Hobby.

Zum Beispiel …

Zum Beispiel Rahel Fuchs (24). Die Kunststudentin präsentiert kleine und kleinste Objekte, Kreidezeichnungen und Fotografien als Resultat ihrer Auseinandersetzung mit der Weiblichkeit. Die hautfarbenen, rundlich gekneteten Formen wirken organisch, sinnlich, erotisch. Auch die Fotografien lassen Körper erahnen, aus unscharf zerfliessenden, weichen Linien und Bewegungsunschärfe entsteht eine sanfte, pastellene Farblandschaft. Zum Beispiel Nadine Schibli (18). Die Gymnasiastin begeistert nicht nur mit ihren Schmuckobjekten aus Abfall, sondern auch mit deren Präsentation. Die Idee zu dieser Arbeit entstand während einer Hausräumung: Die Tasten einer uralten Schreibmaschine wurden zur Rosenkranzkette, Bierflaschen zum Collier und Kronenkorken zur Perlenkette. Die Objekte sind auf einer Installation aus alten Paletten und anderem Material aus dem alten Haus drapiert: Ein Gesamtkunstwerk. Zum Beispiel Jonas Di Lorenzo (22). Der angehende Industrial Designer hat sich dem Motorraddesign verschrieben: Die Zeichnungen, Skizzen und Modelle seiner Motorräder zeigen eine individuelle Formensprache und erinnern doch an die fantastisch futuristische Ästhetik des Stummfilmklassikers «Metropolis» aus den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts. Zum Beispiel Desirée Knüsel (23). Die Carrosserie-Sattlerin und Marina Beeler (23), die Schreinerin, haben für ihre Arbeit auf Facebook Stühle gesucht – und gefunden. Staubige Stühle bekamen ein Facelifting, sprich einen fantasievollen Anstrich, einen Überzug aus Zeitungen oder Kunstfell oder ein Sitzgeflecht aus Plastik-Efeu. Jeder Stuhl ist ein Unikat mit eigener Geschichte – und man kann es sich nach wie vor darauf gemütlich machen. Kunst «be-sitzen» ist hier wörtlich zu verstehen.

Preisgekrönte Animation

Zum Beispiel Roman Kälin (24). Die mehrfach preisgekrönte Animation «Formic» des Filmakademie-Studenten ist ein kleines, witziges Meisterwerk. Zum Beispiel Corin Fuchs (23). Die vielseitige Kunststudentin kombiniert jahrhundertealte Drucktechniken mit neuen Materialen: Für ihre Radierungen hat sie keine Kupferplatte verwendet, sondern die metallisch beschichtete Innenseite eines Milch-Tetrapacks. Und beim Betrachten ihrer Fotoarbeit wird man zum Déjà-vu-Voyeur: Auf hundert Handybildern hat sie ihren ganz persönlichen Blick auf den Alltag festgehal

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Dies & Das

Publiziert am

08.12.2009

Webcode

www.schwyzkultur.ch/bSwp1r