«Darauf bin ich ein bisschen stolz»: Detta Kälin präsentiert ein extra angefertigtes Bühnenmodell aus Calderóns Zeit. Bild Victor Kälin
«Darauf bin ich ein bisschen stolz»: Detta Kälin präsentiert ein extra angefertigtes Bühnenmodell aus Calderóns Zeit. Bild Victor Kälin
TV-Interview für die gestrige Tagesschau mit Irma Gabriel (83), «Schniderlis», Welttheater-Spielerin ab 1935 (!). Bild Christoph Lienert
TV-Interview für die gestrige Tagesschau mit Irma Gabriel (83), «Schniderlis», Welttheater-Spielerin ab 1935 (!). Bild Christoph Lienert

Dies & Das

Lustvoll durch 1000 Jahre wandeln

Am Sonntag öffnet im Museum Fram die dem Welttheater gewidmete Ausstellung ihre Türen. Die Suche nach der Herkunft der Einsiedler Spieltradition führte über 1000 Jahre zurück.

Dass das Einsiedler Welttheater der Ausgabe 2013 das dominierende Theaterereignis des Jahres ist, zeigt sich auch an den Begleiterscheinungen. Wenn ein Theater bereits vier Monate vor der Premiere mit einer Ausstellung und einem Katalog beehrt wird, dann lässt sich die Bedeutung des Anlasses unschwer ermessen. So geschehen gestern Donnerstag in Einsiedeln, als das Museum Fram mit einer Pressekonferenz seine neueste Ausstellung «Dem Meister ein Spiel – Calderón, die Einsiedler und ihr Welttheater» ankündigte (worüber noch am selben Abend selbst die Tagesschau in ihrer Hauptausgabe berichtete).

Wozu – und warum in Einsiedeln?

Die neue Wechselausstellung setzt den spanischen Theaterautor aus dem 17. Jahrhundert, Calderón de la Barca, die tausendjährige Einsiedler Theatertradition und die bis ins Jahr 1924 zurückreichenden Aufführungen des «Grossen Welttheaters» im Klosterdorf in Szene. Fotos, Filme, Kostüme und Requisiten beleuchten die elf Rollen Calderóns und diejenigen der vergangenen 15 Einsiedler Inszenierungen. Die Ausstellung geht in verschiedenen Kapiteln an das komplexe Thema des Welttheaters heran: Wie konzipierte Calderón seine Aufführungen und was wollten er und seine Auftraggeber mit dem Stück bezwecken? Warum wurde und wird Caleróns Stück in Einsiedeln gespielt – wenngleich seit dem Jahr 2000 in einer jeweils adaptierten Neufassung? Und letztlich gehen die Ausstellung und ein (wunderbarer) Katalog der grundsätzlichen Frage nach, ob das Thema heute überhaupt noch aktuell ist. D aran liess die Kuratorin Detta Kälin gestern Donnerstag keinen Zweifel offen: «Das Welttheater ist nicht nur aktuell, sondern hochaktuell.» Die zentrale Frage, was «ein gut (geführtes) Leben» sei, hat nach Meinung der Ausstellungsmacherin auch nach 400 Jahren nichts an Aktualität eingebüsst. «Diese Aktualität zeigt sich gerade darin, dass man Calderóns Stück umschreiben kann, ohne den Grundgedanken verwässern zu müssen.»

Zuerst Ausstellung, dannTheater

Die Ausstellung versteht sich als Begleitung, als Einführung in die Thematik. «Ich empfehle, die Ausstellung vor dem Theater zu besuchen», rät Detta Kälin, «man sieht das Spiel dann in einem anderen Licht.» Die Ausstellung ist bewusst lustvoll konzipiert. Wer will, schafft sie in einer Dreiviertelstunde – womit einem perfekten Welttheaterabend nichts mehr im Wege steht. Deshalb bleibt das jüngste der Einsiedler Museen auch an allen Spielabenden bis eine halbe Stunde vor Theaterbeginn geöffnet. Selbstredend bietet die Ausstellung mehr Stoff als nur für die besagten 45 Minuten. Unzählige Exponate, Fotos und Plakate lassen die 15 Spielperioden und das Wirken der bisher sieben Regisseure in einem Gesamtzusammenhang erscheinen. Bequem im Sofa sitzend kann man via i-pad sein persönliches Welttheater-Bild verfestigen, Filmausschnitte aus den Jahren 1935 (von Othmar Baur) und 1960 (Tagesschau) geniessen, an einer Pin-Wand am sich ständig erneuernden Werdegang der Inszenierung 2013 teilhaben oder in der Beiz all die Eindrücke einer ersten Ordnung unterziehen. Und letztlich wartet seit gestern Donnerstag auch der Ausstellungskatalog auf dankbare Abnehmer. Konzipiert von Detta Kälin, vertieft er die Ausstellungsthematik, reichert sie mit einem ungeahnten Fundus an Bildern sowie Informationen zu jeder Spielperiode an. Spätestens mit dem Buch in der Hand wird eines klar: Das Welttheater ist greifbar nah!

Öffnungszeiten 24. Februar bis 30. November, Dienstag bis Freitag 13.30 bis 17 Uhr. Samstag, Sonntag und Feiertage 10 bis 17 Uhr.

An Spielabenden des Welttheaters bis eine halbe Stunde vor Spielbeginn geöffnet.

www.fram-einsiedeln.ch



Einsiedler Anzeiger

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Dies & Das

Publiziert am

22.02.2013

Webcode

schwyzkultur.ch/RjQdyP