Meinrad Lienert in jungen Jahren, als er Redaktor des Einsiedler Anzeigers war. Bild zvg
Meinrad Lienert in jungen Jahren, als er Redaktor des Einsiedler Anzeigers war. Bild zvg
Verteidigungsschrift Lienerts am 19. Oktober 1895 «Ein für allemal!» gegen Angriffe auf seine im Einsiedler Anzeiger geäusserten Ansichten.
Verteidigungsschrift Lienerts am 19. Oktober 1895 «Ein für allemal!» gegen Angriffe auf seine im Einsiedler Anzeiger geäusserten Ansichten.
Diskret: Posthume Mitteilung vom 16. April 1898 über Austritt von Meinrad Lienert aus der Redaktion. Bilder Victor Kälin
Diskret: Posthume Mitteilung vom 16. April 1898 über Austritt von Meinrad Lienert aus der Redaktion. Bilder Victor Kälin

Dies & Das

Parteienstreit machte ihm das Leben schwer

Der vor 150 Jahren geborene Schriftsteller Meinrad Lienert war von 1893 bis 1898 Redaktor des Einsiedler Anzeigers. Meinrad Lienert hat sich pointiert zu Fragen der kantonalen Politik geäussert. Das lässt sich allerdings nicht auf Anhieb erschliessen. Denn in den Anfängen des Einsiedler Anzeigers auch in den Jahren 1893 bis 1898, der Wirkungszeit Lienerts, sind sämtliche Artikel nicht gezeichnet.

Bei einer Sichtung der Bände des Einsiedler Anzeigers aus Lienerts Zeit lässt sich zunächst feststellen, dass, gestützt allein auf die Zeitungen, sich nur literarische Zeugnisse Meinrad Lienert eindeutig zuordnen lassen. Es handelt sich um Gedichte und um einzelne Erzählungen Lienerts. Letztere erscheinen als Fortsetzungsgeschichte im Feuilleton. Die Gedichte sind entweder mit M.L. oder ausgeschrieben mit Meinrad Lienert gezeichnet. Spannend ist aber vor allem der Blick auf seine politischen Äusserungen.

Politische Äusserungen

Einer Seminararbeit des seinerzeitigen Geschichtsstudenten Nicolas Lienert, eines Urenkels von Meinrad Lienert, ist es zu verdanken, dass sich ein differenziertes Bild von Lienerts politischem Engagement gewinnen lässt. Nicolas Lienert kann sich auf Materialien aus dem Nachlass von Meinrad Lienert stützen, und so bestimmte Zeitungsartikel eindeutig Meinrad Lienert zuschreiben. Denn damals rückten nicht nur Redaktoren, sondern auch Setzer Artikel ins Blatt ein.

Kanton und Eidgenossenschaft

Grob gesagt sind es zwei Felder, auf denen sich Meinrad Lienert publizistisch engagiert. Es ist zum einen die eidgenössische Politik, zum anderen das politische Geschehen im Kanton. Auf nationaler Ebene äussert sich Lienert etwa ausführlich zur damals aktuellen Frage der Verstaatlichung der Eisenbahnen. Bis anhin gab es in der Schweiz nur Privatbahnen. Die Diskussion über eine Verstaatlichung kam ins Rollen, nachdem verschiedene Privatbahnen wie etwa die Schweizerische Ostwestbahn oder die Nationalbahn Konkurs angemeldet hatten. Im Jahr 1898 konnte das Schweizervolk über die Verstaatlichung abstimmen und mit dem Ja den Grundstein für die SBB legen.

Engagement für die Verfassung

Auch zu wichtigen kantonalen Angelegenheiten nimmt Meinrad Lienert Stellung. Ein Anliegen ist ihm die neue Kantonsverfassung, die Anfang der 1890er-Jahre eines der grossen Themen war. Die liberale Partei hatte eine Volksinitiative zur Totalrevision der Kantonsverfassung lanciert. Mit dieser sollten die Volksrechte gestärkt werden. Die Volksinitiative wurde am 20. Oktober 1895 gutgeheissen. Die ausgearbeitete Verfassung wurde jedoch am 13. Februar 1898 abgelehnt, weil darin der sogenannte Klosterartikel, welcher die wirtschaftliche Handlungsfreiheit der Klöster beschnitten hätte, in der neuen Verfassung verankert war.

Vorkämpfer

Lienert war ein engagierter Vorkämpfer für die neue Verfassung und hat sich für die Revision stark gemacht. Er ist dafür auch angefeindet worden, von vorab von katholisch-konservativen Zeitungen, namentlich von der Ostschweiz, die mit Argusaugen die konservative Gesinnung anderer Blätter überwachte.

Eine «Verteidigungsschrift»

In diesem Zusammenhang nimmt Lienert unter der Überschrift «Ein für alle mal!» am 19. Oktober 1895 persönlich prononciert Stellung (EA 83, 1895). Er reagiert auf den Vorwurf der «Ostschweiz», der Einsiedler Anzeiger (eine damals offiziell ebenfalls katholisch-konservative Zeitung) sei «zu unparteiisch, zu farblos». Lienert entgegnet deshalb im Artikel: «Wir antworten, der Anzeiger ist seit seinem Bestehen immer gemässigt konservativ gewesen, getreu den Anschauungen der überwiegenden Mehrheit des Einsiedlervolkes.» Die Ostschweiz versuchte den EA zu massregeln, weil er sich in der Sache des damals umkämpften Erwerbssteuergesetzes gegen die herrschende Regierungspartei (die Katholisch-Konservative) gewendet hatte. Vor allem aber war ihr Lienerts Engagement für die Verfassungsrevision, gegen welche sich die Katholisch-Konservativen ebenfalls stellten, ein Dorn im Auge.

Parteiunabhängige Meinung

Lienert nimmt dazu wie folgt Stellung: «Wenn der ‹Anzeiger› auch mit aller Entschiedenheit für das Volksbegehren nach einer Verfassungsrevision eingestanden ist, so befanden sich hinter ihm noch 6000 Bürger aller Parteirichtungen, welche die Revision, wie er, als notwendig erachteten. Er sah in dieser Angelegenheit weder nach rechts noch nach links, sondern einzig auf die Berechtigung des Volksbegehr

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Dies & Das

Publiziert am

19.05.2015

Webcode

www.schwyzkultur.ch/8WX5j8