Frei in der Umsetzung, entschied sich Sibylle Suter, auf eine Spiegelung zu verzichten. Das Original misst 18 auf 18 Zentimeter. Bilder Victor Kälin
Frei in der Umsetzung, entschied sich Sibylle Suter, auf eine Spiegelung zu verzichten. Das Original misst 18 auf 18 Zentimeter. Bilder Victor Kälin

Dies & Das

«So gross habe ich sie noch nie gesehen»

Zürich: Gerry Hofstetter projiziert Sibylle Suters Scherenschnitte auf das neue Landesmuseum.

Zehntausende geniessen jeweils «Live on Ice», den grössten Weihnachtsanlass der Schweiz. In diesem Jahr sind im Innenhof des Landesmuseums auch überdimensionale Scherenschnitte zu bestaunen. Sie stammen aus Einsiedeln.

Filigranes vergrössert

«So gross habe ich sie noch nie gesehen», sagt Sibylle Suter. Statt ein filigranes Zentimeter-Mass beansprucht ihr Scherenschnitt eine Fläche von 100 Quadratmetern. «Das ist ja riesig.» Sie staunt über die Schärfe der Projektion. Bei einer Papiervorlage, die kaum grösser als zehn auf zehn Zentimeter ist, war sie sich nicht sicher, ob nicht doch die Ränder und Abschlüsse ausfransen würden. Sie tun es nicht; und das imponiert der 41-jährigen Einsiedlerin.

Kultur-Patronat des SAC

Verantwortlich für die Projektionen ist Gerry Hofstetter (siehe Kasten), Zürcher Tausendsassa, Lichtkünstler sowie auch Produzent und Besitzer des «Live on Ice», eines Weihnachtsanlasses, den er seit 2002 im Innenhof des Schweizerischen Nationalmuseums, im Landesmuseum Zürich, veranstaltet. Da der diesjährige Anlass unter dem Kultur-Patronat des Schweizer Alpen-Clubs SAC steht, schwebten Hofstetter heimatliche Szenen in den Bergen vor: Gämsen, Steinböcke, Gebirgshütten und die Schweizer Fahne. Geliefert hat ihm das Gewünschte die Einsiedlerin Sibylle Suter. Spätestens seit 2011 und ihren drei Scherenschnitten zur Feiertags-Trilogie Ostern  Pfingsten  Weihnachten ist sie den Lesern und Leserinnen unserer Zeitung bekannt. Mit Hofstetter in Kontakt gekommen ist sie über eine andere Einsiedlerin, Rita Kälin-Kälin. Im Rahmen des Jubiläums 150 Jahre Theresianum Ingenbohl arbeitete Kälin eng mit Hofstetter zusammen. Und sie wusste von ihm, was er für das «Live on Ice» suchte, und sie wusste auch, wer dafür in Frage kommt.

«Brauche ihn bis morgen»

Von seinen Arbeiten in Einsiedeln her war Gerry Hofstetter für Sibylle Suter ein Begriff. Und dennoch erinnert sich die Teilzeit-Kindergärtnerin ans erste Telefonat, als wäre es gestern gewesen: An einem Freitagmittag rief der «Live on Ice»-Chef an mit der Botschaft, dass er den ersten Scherenschnitt morgen Samstag um 16 Uhr haben muss! Obwohl Suter meinte, sich verhört zu haben, sagte sie zu: «Die Anfrage ist für mich eine Ehre, auch wenn es nicht die ganze Welt wissen muss, dass ich die Scherenschnitte mache.» Sie stört es nicht im Geringsten, wenn die Medien über den Anlass und die Illustrationen berichten, ihr Name aber unerwähnt bleibt. Sie bezeichnet sich auch nicht als Künstlerin, sondern als Handwerkerin, die meist erst dann zur Schere greift, wenn eine Bestellung vorliegt.

«Das ist der Hammer! Weiter so.»

Nach dem Anruf aus Zürich machte sich Suter unverzüglich an die Arbeit. Sieben Stunden dürften es am Freitag gewesen sein, nochmals drei weitere, kaum war sie am Samstag aus den Federn. Den Termin hat sie eingehalten. Keine zwei Minuten nach der elektronischen Übermittlung hatte sie einen begeisterten Hofstetter am Apparat: «Ich habe nicht gedacht, dass es so gut wird. Das ist der Hammer! Weiter so.» Es folgten nochmals zwei Scherenschnitte. Als Sibylle Suter die Marschtabelle deutlich unterbot, schrieb ihr Hofstetter zurück: «Ihr Stil und Ihr Arbeitstempo gefallen mir.» Am 23. Dezember wird ihm die Einsiedlerin erstmals persönlich begegnen  als persönlicher Gast und selbstverständlich im Innenhof des Schweizerischen Nationalmuseums. Denn bisher fand die dreifache Mutter keine Zeit für einen Besuch in Zürich. Die Projektion ihres Scherenschnittes auf das Landesmuseum hat sie lediglich auf einer Foto gesehen. Nun ist sie gespannt auf das Original. Und auf Gerry Hofstetter. Ebenfalls ein Original. «Aus dem Lohn kaufe ich mir eine neue Spezialschere.»Foto: Victor Kälin Frei in der Umsetzung, entschied sich Sibylle Suter, auf eine Spiegelung zu verzichten. Das Original misst 18 auf 18 Zentimeter. Und so sieht der Scherenschnitt in Übergrösse aus, wenn ihn Gerry Hofstetter auf das neue Landesmuseum projiziert. Foto: Rita Kälin-Kälin

Gerry Hofstetter

Hofstetter (1962

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Dies & Das

Publiziert am

16.12.2016

Webcode

schwyzkultur.ch/BnpcfJ