Die Vernissage der neue Ausstellung im Chärnehus war gelungen.
Die Vernissage der neue Ausstellung im Chärnehus war gelungen.
Die Ausstellungsgruppe zeigt sich fast komplette versammelt zusammen mit dem Präsidenten des Kulturvereins Chärnehus: Beat Ruhstaller (rechts). Bild Urs Gusset
Die Ausstellungsgruppe zeigt sich fast komplette versammelt zusammen mit dem Präsidenten des Kulturvereins Chärnehus: Beat Ruhstaller (rechts). Bild Urs Gusset

Dies & Das

«Weisch nu früener» – interessante Zeitreise

Das Motto der neuen Ausstellung im Chärnehus lautet «Erinnerungen wecken, erhalten und weitergeben». Die Vernissage läutete eine Zeitreise in die Vergangenheit im Dorf und auf den Vierteln ein. Der inhaltliche Fokus liegt auf dem Alltagsgeschehen. Die Ausstellung weiss zu begeistern.

«Weisch nu am Samschtig.» Vor drei Tagen fand im Chärnehus die Vernissage zur Ausstellung «Weisch nu früener – Einsiedeln von 1930 bis 1965» mit rund 80 geladenen Gästen statt. Diese verteilten sich rasch auf die verschiedenen Etagen, auf denen die Ausstellung ab dem 11. November eingerichtet worden war. Im Foyer, im grossen Saal – inklusive Galerie –, im Dachstock und im Treppenhaus lebt die Zeit von 1930 bis 1965 im Dorf und auf den Vierteln noch einmal auf – eine Zeitreise in eine für viele bereits fremde Welt, die allerdings noch gar nicht so lange zurückliegt. Wirtschaftskrise, Aktivdienst, Anbauschlacht, Nachkriegszeit, Aufschwung oder Wirtschaftswunder sind einige einschlägige Stichworte. Aber nicht nur der Sihlseebau zwischen 1931 und 1937 und der Zweite Weltkrieg von 1939 bis 1945, die den Alltag in der von der Ausstellung gewählten Epoche beeinflusst haben, sondern auch weniger Bekanntes wird in Erinnerung gerufen. Die Vernissagen-Gäste liessen sich auf die Zeitreise ein – jedoch nur kurz, denn Albert Bingisser, Obmann der Ausstellungsgruppe des Kulturvereins Chärnehus Einsiedeln, läutete im grossen Saal die eigentliche Vernissage ein.

Vernissage mit Wort und Musik

Die Vernissage war geprägt durch Wort und Musik. Neben Albert Bingisser und Beat Ruhstaller, Präsident des Kulturvereins Chärnehus, richtete sich auch Susanna Bingisser, Mitglied der Ausstellungsgruppe und «Tätschmeisterin» der Ausstellung, an die Gäste. Umrahmt wurden die kurzen Reden durch die Einspielung von Musik, wobei Hans Gyr vier Platten abspielte – deren drei mechanisch auf einem Trichtergrammophon und eine elektrisch. Und die Titel hatten es in sich: «Vor der Kaserne» mit Lale Andersen, in zweiter Ehe mit dem Einsiedler Liederkomponisten Artur Beul verheiratet, «Stägeli uf, Stägeli ab» mit den Geschwistern Schmid, komponiert von Artur Beul, «Rock around the Clock» mit Bill Haley und «Ein Schiff wird kommen» nochmals mit Lale Andersen.

Bingissers Vorstellungen

Treffend waren auch die Worte von Susanna Bingisser, die sich in der Ausstellung mit dem Thema «Freizeit» beschäftigt hatte. «Wahrscheinlich habe ich geahnt, dass meine Freizeit mit dieser Ausstellung rar wird», sagt Bingisser. «So habe ich mich mit der Freizeit wenigstens theoretisch befassen dürfen.» Sie stellte sich in ihrer Rede vor, wie ihr Leben 1945, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, ausgesehen hätte und stellte es jeweils in Relation zu einem der sieben Ausstellungsthemen. • Siedlung und Landschaft: Sie wäre sicher nicht auf dem Schnabelsberg aufgewachsen, denn dort hatte es bis Mitte der 1960er-Jahre gar keine Häuser. • Heim und Herd: Sie hätte neben ihrem Bruder sicher noch mehr Geschwister gehabt. Und das Zimmer hätte sie mit vielleicht zwei Schwestern teilen müssen. Gegessen hätte sie Gumel, Gumel und nochmals Gumel. Für sie als Gumel-Liebhaberin wäre das kein Problem gewesen. Auf das thailändische Fertigmenü aus der Mikrowelle hätte sie verzichten müssen. • Bildung: Sie wäre mit rund 50 bis 60 andern Mädchen in einer Schulklasse gewesen. Und wahrscheinlich hätte sie die siebte Klasse gemacht und hätte nicht die Sek besucht, geschweige denn das Gymnasium in Einsiedeln, wo nur Knaben zugelassen waren. • Arbeit: Sie hätte auch kein Geschichtsstudium gemacht, sondern hätte nach der Schule in einem Laden in der Gegend im Verkauf gearbeitet oder als Haushälterin oder im Gastgewerbe eine Stelle gefunden und früh geheiratet. • Mobilität: Jeden Tag mit dem Auto zur Arbeit gefahren wie heute wäre sie sicher nicht. Vielleicht hätte sie mit Glück ein eigenes Velo gehabt. • Kleidung und Frisuren: Und Hosen hätte sie nicht getragen – als Frau unmöglich. • Freizeit: In der wenigen Freizeit mit sechs Tagen Ferien pro Jahr hätte sie vielleicht einmal mit dem Zug ihre Verwandten in Zürich besucht. In der Pfadi hätte sie auch nicht mitmachen können. Diese wurde zwar schon 1940 gegründet, aber nur für Knaben. Aber als Vereinsmensch hätte sie sich vielleicht im Frauen- und Töchterverein eng

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Dies & Das

Publiziert am

04.12.2012

Webcode

schwyzkultur.ch/DZ7kpj