Der Einsiedler Kim Moses ist Künstler und zeigt hier einige seiner Werke. Bild: Laura Inderbitzin
Der Einsiedler Kim Moses ist Künstler und zeigt hier einige seiner Werke. Bild: Laura Inderbitzin

Kunst & Design

Er malt mit der Seele

Da und trotzdem weg! Wenn Kim Moses malt, dann ist er weit entfernt von der realen Welt.

«Ich bin da, und trotzdem weg.» Ein Schild mit diesem Satz hing schon oft an der Tür von Kim Moses in Einsiedeln. Der heute 72-Jährige ist zwar zu Hause, in seiner Wohnung, und trotzdem weit entfernt von der realen Welt. Weil er malt. Moses hat sich voll der Kunst verschrieben und malt leidenschaftlich gerne – «mit der Seele», wie er sagt. «Ich will und kann nicht oberflächlich malen. Immer, wenn ich etwas schaffe, kann ich mich genau in den Menschen hineinversetzen oder spüre eine tiefe Verbindung zu der Sache», erzählt der Pensionär.

Astral-Maler


Er nennt sich denn auch Astral-Maler: Ein Astralkörper ist in manchen Glauben eine unsichtbare, wolkenartige Hülle, die einen Menschen – oder eben die Seele – umgibt und den Tod überdauert. Seit er zwei Jahre alt ist, malt Moses und hat inzwischen Hunderte Kunstwerke geschaffen: Zu Beginn von Sänger Heintje und Künstler Salvador Dalí, später viele vom Mond, der Kelly Family, Michael Jackson oder auch Harry Potter. Eine einzigartige Verbindung hat Moses, der ursprünglich aus Biel kommt, besonders zu Michael Jackson gespürt. «Es waren nicht nur seine Lieder und sein Tanz, sondern seine ganze Art, seine Energie. Ich bin seelenverwandt mit Michael. Er war ein so einfacher, authentischer Mensch, der das Gute in der Welt gesehen und dafür gekämpft hat. Für mich war er wie ein Magnet. Es knisterte immer, wenn er irgendwo auftauchte», sagt Moses. Wenn der Mann mit den kurzen, weissen Haaren begeistert vom US-amerikanischen Sänger spricht, scheint er nie wieder aufhören zu wollen. «Wenn ich an Konzerten von Michael war, stand ich in der ersten Reihe und hatte noch einen Feldstecher dabei», sagt er lachend. Er habe die Gesichtszüge, die Ausdrücke, die Emotionen von seinem Seelenverwandten ganz genau sehen wollen. Um ihn später noch besser malen zu können. Einmal hat der Einsiedler Jackson sogar persönlich getroffen und konnte ihm ein selbst gemaltes Bild überreichen: Als der Sänger 1993 in Gstaad war, fand Moses heraus, in welchem Hotel sein Bodyguard wohnte. «Als ich dort anrief, wusste dieser sogar, wer ich bin. Das, weil ich an einem bekannten Jackson-Event in London jeweils Postkarten – mit selbst gemalten Bildern von Michael darauf – verkaufte und den Erlös den Jackson-Hilfsorganisationen spendete.» So kam es tatsächlich zu einem kurzen Treffen. «Ich konnte Michael das Bild überreichen und habe gesehen, dass er gerührt war… das war ein unglaublicher Moment.»

Kunst teilen


Fast 80 Bilder und Zeichnungen hat der 72-Jährige allein von Jackson geschaffen. Gerne würde er sie einmal irgendwo ausstellen. Bislang hat er nur wenige Ausstellungen organisiert und vor seiner Pensionierung neben seinem Dasein als Künstler immer auch gearbeitet: Ursprünglich hatte er die Keramische Fachschule in Bern absolviert und einige Jahre in diesem Metier gearbeitet, so kam er in den 70er-Jahren auch nach Einsiedeln. Doch im Laufe seines Lebens traf man Moses auch als Staplerfahrer, in einer Möbelfabrik und als Heilpädagoge an, wobei er da mit den Kindern künstlerisch arbeitete. Er sagt: «Ich würde mich freuen, wenn ich meine Kunst in diesen schwierigen Zeiten mit allen teilen könnte.» Und damit vielleicht einigen Besuchern eine kurze Auszeit von der Realität bieten könnte, getreu seinem Schild an der Wohnungstür: «Ich bin da, und trotzdem weg.»

Bote der Urschweiz / Laura Inderbitzin

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Kunst & Design

Publiziert am

08.04.2021

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www.schwyzkultur.ch/vSNifd