Männlein und Weiblein und klare Verhältnisse: die Tolggen und die Humirosis (Bild). Fotos: zvg
Männlein und Weiblein und klare Verhältnisse: die Tolggen und die Humirosis (Bild). Fotos: zvg
Männlein und Weiblein und klare Verhältnisse: die Tolggen (Bild) und die Humirosis. Fotos: zvg
Männlein und Weiblein und klare Verhältnisse: die Tolggen (Bild) und die Humirosis. Fotos: zvg

Volkskultur

Es gerüchtet, dass die «Schwösterä» gar keine … dafür die Humirosis um

Sie dichten, reimen und singen. Doch im Gender-Zeitalter interessiert eigentlich etwas ganz anderes. Wer versteckt sich hinter den Schnitzelbänklern?

Der Schmutzige Donnerstag gehört am Morgen den Senioren, am Nachmittag den Kindern und am Abend den Schnitzelbänklern. Jahr für Jahr ziehen bekannte Gruppen und solche, die es noch werden wollen, von Restaurant zu Restaurant. 2021 mangels Beizen allerdings nicht. Die Ruhe um den Schmutzigen Donnerstag und die Fasnacht generell hat die Redaktion des Einsiedler Anzeigers bewogen, nicht nur den Strophen (sofern vorhanden), sondern für einmal auch den Dichtern und Dichterinnen (sofern auseinanderzuhalten) ein paar Zeilen zu widmen. Sie haben es verdient.

«Schwösterä»: Etwas ist nicht koscher


Die «Schwösterä» sind verführerisch jung, gerade weil man sie noch nicht so genau kennt. Aber so viel ist schon durchgesickert: Frauen sind es wahrscheinlich nicht, demzufolge auch keine Schwestern, auf jeden Fall ganz sicher keine Nonnen. Das wurde der Redaktion aus den Frauenklöstern der Umgebung bestätigt: «Wer sie auch immer sein mögen, sind sie zu jung für unsereiner. » Die «Schwösterä» haben sich Corona-bedingt der Inaktivität hingegeben. 2021 gibts keine Strophen und keinen Auftritt. «Wir haben dieses Jahr keine Pläne, was eine Schnitzelbank angeht», richtete eine der Schwestern am Telefon dem EA aus. Trotz akustischem Life-Feeling war sich die Redaktion nicht schlüssig, ob man eben nun mit einer Pascale oder einem Pascal gesprochen hatte.

Antje: Gerüchte um eine Boy-Group


Auch bei den Antje sind ähnlich wie bei den «Schwösterä» Zweifel entflammt. Langjährige Kenner der Einsiedler Fasnacht sind jedenfalls überzeugt, dass unter den Zöpfen und Röcken «urchige Knaben» stecken. Haben die uns tatsächlich schon 20 Jahre lang nicht nur mit ihren Strophen zum Narren gehalten? Kaum zu glauben … Da die Redaktion vor einer Kontrolle zurückschreckte, gibts hier leider keine Enthüllungs- Story. Dafür einige Strophen, welche der EA mit Antjes Erlaubnis aus dem «Abäck» übernehmen durfte. Denn Frau Antje hat tatsächlich einige Verse gedichtet.Und teilt mit: «Folgsam und vernünftig wie wir halt nun einmal sind [ was eher wieder für Frauen sprechen würde – Anmerkung der Redaktion…], verzichten wir jedoch im Sinne der bundesrätlichen Verordnungen auf das Einstudieren, Üben und Vortragen einer Schnitzelbank.»

Güselgusler: Gemischtes Doppel-Doppel


Die vier Güselgusler sehen zwar aus wie Unisex-Säcke, aber es gibt durchaus Nuancen, wie aufmerksame Beobachter festgestellt haben. Dem Vernehmen nach muss es sich um ein gemischtes Doppel-Doppel mit wechselndem Aufschlag handeln. Auf Nachfrage unserer Zeitung wollte Markus Staub, auf Lebenszeit designierter Obmann der Güselgusler, auf die Lifestyle- Diskussion allerdings nicht eintreten. Er versprach, pardon: bedauerte hingegen, dass es von ihnen in diesem Jahr weder Strophen noch Fotos gäbe: «Der Haus-Poet», so Staub, «hätte ohnehin keine Strophen mit dem C-Wort und keine mit dem amerikanischen T-Namen verfasst. Todsicher nicht.» Und ein anderes Thema liess sich vermutlich schwerlich finden. Ohne Strophen natürlich kein Vortrag, so die kausal überzeugende Schlussfolgerung des Obmanns. «Die Verhältnisse wären zwar ideal und verlockend», gibt er zu bedenken: «Kein Routenplan, in dem wir jeweils als Lückenbüsser die Lücken mit der Entsorgung von gefüllten Güselsäcken überlasten mussten. Totale Freiheit und überall Platz. Doch würden wir zum traditionellen Sagenplatz-Event animieren, hätten wir – die Erfahrung zeigts – dann doch wieder zu wenig Platz für anständigen Abstand. » So kann sein Fazit nicht mehr überraschen: «Wir stellen die gefüllten Güselsäcke ins Vereinsarchiv. Ja, dieses Jahr isch fertigluschtig.»

Tolggä-Chörli: Maskuliner als jeder Mönchschor


Der Tolggenchor ist wahrscheinlich schon aufgetreten, als die Frauen in Einsiedeln noch gar nicht an die Fasnacht durften. Da herrscht in Geschlechterfragen sozusagen historische Gewissheit. Nicht zuletzt, da die Herren der Schöpfung noch heute öffentlich kundtun, partout keine Frauen mitsingen lassen zu wollen. Schminken genügt vollauf. Wobei: Angesichts des Durchschnittsalters dürfte der Sexus bei den meisten Tolggen ohnehin keine Rolle mehr spielen. Auf jeden Fall keine besonders aktive. Was hingegen das Dichten betrifft, verspüren die Tolggen intensive Frühlingsgefühle. Das Sing- und Auftrittsverbot löste bei ihnen jedenfalls einen doppelten Kreativ-Schub aus. Wie Obertolgg Reto Hensler berichtet, tritt der reputierte Chor in diesem Jahr zwar ebenfalls nicht auf. Zur Kompensation haben die Tolggen Verse à gogo gedichtet. Neun Stück haben sie bereits im «Abäck» veröffentlicht. Doch damit nicht genug der geistigen Anstrengung. Exklusiv haben die Tolggen für den Einsiedler Anzeiger fünf weitere Strophen erfunden. Zum Nachsingen stimmt man am besten in die Melodie: «Det änne am Bärgli …» ein. Herzlichen Dank, liebe Tolggä, für das Geschenk. Nichts geht über Männerfreundschaften!

Humirosis: Da weiss man, was frau hat


Wem gehören die gepflegtesten Kostüme, die aufmerksamsten Details und wem der unwiderstehlichste Charme? Zweifellos den Frauen. Und deshalb kann es bei den Humirosis auch keine Männer geben. Doch in diesem Jahr gibts bei den Sängerinnen des Frauenchors nicht nur keine Männer, sondern auch keine Strophen. «Alles ist anders, daher haben wir Humirosis auch nichts Definitives organisiert», lässt die Pressesprecherin auf Anfrage mitteilen. «Wir können uns vorstellen, dass man die Humirosis spontan irgendwo auf der Strasse antreffen wird, aber wirklich der Situation angepasst.» Auch hier sieht man sie wieder, die weibliche Besonnenheit. Und es kommt noch dicker: «Statt Schnitzelbänke zu singen, holen wir die Fasnacht in die Küche und haben zwei Humirosis-Rezepte aufgeschrieben. » Das können wirklich nur Frauen. Fasnacht mit Küchenarbeit zu verbinden kommt keinem Mann in den Sinn. Und was gibts zu essen? Natürlich einen Schnitzelbank-Teller sowie Humirosis-Kräpfli. Wer sich dafür interessiert: Die Rezepte sind im «Abäck», der Fasnachtszeitung der Goldmäuder, veröffentlicht worden. En Guete.

Einsiedler Anzeiger / Victor Kälin

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Brauchtum / Feste

Publiziert am

12.02.2021

Webcode

www.schwyzkultur.ch/duGFGH