Die Stars in der Cineboxx: Die Egger «Kaminfeger» und Regisseur Xavier Koller. Bild Franz Kälin
Die Stars in der Cineboxx: Die Egger «Kaminfeger» und Regisseur Xavier Koller. Bild Franz Kälin

Film

Die Schüler und «ihr» Regisseur

Am nächsten Wochenende startet im Kino Cineboxx der Film «Die schwarzen Brüder». Am Sonntag fand daselbst eine Vorpremiere in Anwesenheit des Regisseurs Xavier Koller statt. Für das gelungene Rahmenprogramm sorgte die 5./6. Klasse aus Egg.

Die Geschichte der armen Tessiner Buben, die bis Mitte des neunzehnten Jahrhunderts unter widrigsten, ja unmenschlichen Bedingungen in Mailand enge, heisse Kamine säubern mussten, bewegt und berührt seit ihrem Erscheinen 1940/41 Jugendliche und Erwachsene gleichermassen.

Doch es kam etwas anders

Das weiss auch die Egger Lehrerin Marlis Mathis. Sie wählte die so traurige wie abenteuerliche Geschichte «Die schwarzen Brüder» als Vorleselektüre im Advent für ihre Fünft- und Sechstklässler. Als krönenden Abschluss wollte sich die Klasse vor Weihnachten den neuen, gleichnamigen Film von Regisseur Xavier Koller im Kino ansehen  doch es kam etwas anders: Franz Kälin, Inhaber des Kinos Cineboxx, ermunterte Marlis Mathis, mit ihren Schülerinnen und Schülern an die Vorpremiere zu kommen. So kam es schliesslich am vergangenen Sonntag nach der Filmvorführung zu einem Liedvortrag der Kinder und anschliessender Fragerunde mit Xavier Koller.

Verfilmungen von Romanen werden immer an ihrer literarischen Vorlage gemessen und können doch das Geschriebene nie wirklich eins zu eins wiedergeben. Seitenlange Detailbeschreibungen geraten auf der Leinwand zu einem flüchtigen Schwenk, Nebenfiguren werden gleich ganz weggelassen, Hunderte von Romanseiten auf anderthalb Kinostunden verdichtet.

So sieht Xavier Koller seine «Schwarzen Brüder» denn auch nicht als wortgetreue Umsetzung des auf Tatsachen beruhenden Jugendromans, wie er nach der Filmvorführung den wissensdurstigen Schülerinnen und Schülern und dem Publikum erklärte, sondern als eigenständige Form, die in möglichst ausdrucksstarken Bildern und prägnanten Dialogen die Haupthandlung erzählt: «Man kann Literatur nicht verfilmen, Literatur ist Literatur und Film ist Film.» Die Geschichte eines Buches soll im Film in authentischen Bildern erlebbar gemacht werden.

Die Macht der Freundschaft

Kollers Film über die Drecksarbeit der «Spazzacamini» in Norditalien ist in der Tat ein Erlebnis. Die grosse Not der mittellosen Tessiner Familien im 19. Jahrhundert ist bedrückend, das Mitgefühl für den von Gewissensbissen geplagten Vater gross. Die Zuschauer begleiten den verdingten Kaminfegergehilfen Giorgio durch enge, russige Kamine, trauern mit ihm am Totenbett eines Freundes und bangen um ihn in unerbittlichen Bandenschlägereien. Nach zahllosen, scheinbar unüberwindlichen Widrigkeiten findet die Geschichte über die Macht tiefer Freundschaft im Buch wie im Film zu einem Happy End.

Die Egger Schülerinnen und Schüler waren allesamt begeistert vom Film. Weinen mussten sie gemäss eigenen Angaben und im Gegensatz zu den Erwachsenen auch bei den traurigsten Szenen nicht, dafür gefielen besonders die Actionszenen in Form von Schlägereien und der Gefangennahme des skrupellosen Kinderhändlers. Der Film ist in gedämpften, dunklen Sepiatönen gehalten, vielleicht ein Grund dafür, dass das Publikum auffallend still war, es waren kaum Lacher oder Schreckenslaute zu hören. Andächtige Ruhe herrschte auch während des Liedvortrags der Klasse: Abwechslungsweise sangen die Kinder die zahlreichen Strophen eines alten, melancholischen Kaminfegerliedes, am E-Piano begleitet von Bernadette Mathis.

Lernen, lernen, lernen

In der äusserst anregenden und angeregten Fragerunde, die die Klasse abschliessend mit Koller bestritt, war auch der Regisseurberuf Thema. Wie wird man Regisseur? Die Antwort mag dem einen oder anderen Schulkind möglicherweise missfallen haben: «Lernen, lernen, lernen! Viel lesen, neugierig sein, sich viele Gedanken machen über sich selbst und die anderen.» Koller, der 1991 einen Oscar für seinen Film «Reise der Hoffnung» erhalten hatte, beantwortete die zahlreichen Fragen der Jugendlichen prägnant und präzise. «Die schwarzen Brüder» ist ein eindrücklicher Film, den man sich am besten mit der ganzen Familie ansieht, denn jeder und jede  von der Grossmutter bis zum Teenager  kennt Giorgios Geschichte und hat eigene Bilder davon im Kopf.





Der Film «Die schwarzen Brüder» läuft ab Donnerstag, 19. Dezember,

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Film

Publiziert am

17.12.2013

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