Zur Aufnahme aus dem Werk: Gleich zu Beginn des Films präsentiert sich Stöffi im Abteihof des Klosters. Bild SRF/Daniel Winkler
Zur Aufnahme aus dem Werk: Gleich zu Beginn des Films präsentiert sich Stöffi im Abteihof des Klosters. Bild SRF/Daniel Winkler

Film

Einsiedeln ist Stöffis Town

Am Sonntagabend kommt der Film «Stöffitown» im Fernsehen, gedreht wurde er auch in Einsiedeln. Mitten in Einsiedeln wähnt sich der Zuschauer, wenn er den TV-Film von Christoph Schaub anschaut. Die Hauptrolle im berührenden Streifen spielt ein behinderter Jugendlicher.

Wir sehen den Jugendlichen Stöffi zuerst im Klosterhof. Laut ruft er «Stöffitown, Stöffitown» und läuft dann mit seinen Cowboystiefeln in grossen Sätzen über den Klosterplatz. So beginnt Christoph Schaubs Film «Stöffitown». Darauf sehen wir Stöffi vor dem Dorf-Märcht. Hier trifft er seine Mutter, die den Laden führt, und seinen dort einkaufenden Vater. Aber dass dies sein Vater ist, weiss Stöffi noch nicht, denn er ist kein Kind aus einer Ehe und vaterlos aufgewachsen. Doch erst in dieser schön herausgearbeiteten Szene wird klar, Stöffi ist ein behinderter Jugendlicher. Er ist eine Frohnatur. Mit lustigen Sprüchen und ausladenden Gesten zaubert er manchen Kunden im Laden seiner Mutter ein Lächeln ins Gesicht.

Fröhlichkeit täuscht

Doch die fröhlichen Bilder am Anfang täuschen. Bald wird deutlich, dass dieses Leben kein einfaches sein kann. Stöffi lebt bei seiner Mutter und ist stark auf sie bezogen. Doch sie ist durch die Doppelbelastung von Berufstätigkeit und der Betreuung des temperamentvollen Stöffi stark gefordert. Die Ereignisse spitzen sich zu, als die Mutter bei der Arbeit zusammenbricht und ins Spital eingeliefert werden muss. Als sie an den Folgen des Herzinfarkts stirbt, droht Stöffi in ein Heim gesteckt zu werden. Bei einer guten Bekannten der Mutter, die mit ihrem Mann eine Wirtschaft führt, hat Stöffi einen Rückhalt. Die beiden sind bereit, Stöffi vorübergehend bei sich aufzunehmen und versuchen, ihn später in den Gastronomiebetrieb zu integrieren. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse. Gedreht worden ist der Film Stöffitown im Auftrag von SRF in Einsiedeln und Weesen. Für fast alle Szenen im Freien ist Einsiedeln der Schauplatz. Bedeutsame Szenen spielen etwa vor dem Bahnhof und unterhalb und auch auf der Schanze. Die Aufnahmen in der Gastwirtschaft und dem angegliederten Hotel hingegen sind in Weesen realisiert worden.

Packend und vielschichtig

Die spannend erzählte Geschichte spielt auf verschiedenen Ebenen. Da geht es einmal um das spezielle Sein von Jugendlichen mit einer Behinderung. Dann aber auch um das Thema Akzeptanz oder Diskriminierung. Und das zum einen aus dem gesellschaftlichen Blickwinkel, zum andern aus der für das Kind oder den Jugendlichen prägenden Perspektive der Eltern. Im Besondern geht es da um die Beziehung von Vater und Sohn. Berührend ist, dass der im Film überraschend auftauchende leibliche Vater von Stöffi einen Reifungsprozess durchmacht. Aus anfänglicher Abneigung, ja gar Verleugnung, wächst in einem schmerzlichen Prozess Verständnis und Zuneigung.

Tolle Schauspieler

Der Film lebt von den Qualitäten der Schauspieler, in erster Linie vom 1994 geborenen Saladin Dellers, der den Stöffi hervorragend wiedergibt, aber auch von der Frau des Schwanenwirts, Delia Mayer,bekannt aus der Serie Tatort,die auch in schwierigen Momenten zu Stöffi steht. Und nicht zuletzt von der von Max Gertsch stark gespielten Rolle des Vaters. Aus dem Ensemble Hora - das sind Menschen mit geistiger Behinderung, die grosses Theater machen - wurden bedeutsame Nebenrollen gut besetzt. Die Vorlage für den Film verfasst hat Bettina Schmid.

Vorpremiere in der Cineboxx

Gefeiert wurde die Vorpremiere des Films sinnigerweise am Dienstagabend in Einsiedeln, in der Cineboxx, also gleich dort, wo ein paar Meter weiter einige wichtige Sequenzen des Films gedreht worden sind. An Publikum fehlte es dem erstmals gezeigten Film nicht. Geladen waren alle am Film Beteiligten mit Anhang, so dass weit mehr als 200 Personen gekommen waren, die nachher auf engem Raum im Foyer den Apéro genossen. Zuvor aber sprachen Regisseur Christoph Schaub und Produzentin Anne-Catherin Lang allen Beteiligten den Dank aus. Sie baten Schauspielerinnen und Schauspieler und die Produktionsverantwortlichen, aber auch alle sonst an der Realisation Beteiligten auf das Podium, wo sie den verdienten Applaus der Zuschauer entgegennehmen durften.

Der Film wird ab Auffahrts-Donnerstag, 14. Mai, mit ein paar Vorstellungen im Programm der Cineboxx st

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Film

Publiziert am

08.05.2015

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schwyzkultur.ch/FFCC7d