Zwischen Holzkamera und Aluminiumleiter: Franz Kälin senior (Mitte) im Gespräch mit Sohn Franz Kälin (links) und Benno Kälin. Bild Victor Kälin
Zwischen Holzkamera und Aluminiumleiter: Franz Kälin senior (Mitte) im Gespräch mit Sohn Franz Kälin (links) und Benno Kälin. Bild Victor Kälin

Film

Ohne «Foti Fränzel» wäre Einsiedeln ärmer

Beeindruckende und berührende Premiere des Dokumentarfilmes über Fotograf Franz Kälin senior. Ein behutsamer Film über ein fast siebzigjähriges Arbeitsleben ist «Foti Fränzel». Vielmehr noch: Er ist eine in dieser Dichte noch nie gesehene Bilderdokumentation einer ganzen Region.

Berührt und ergriffen waren alle. Berührt über die poetische Erzählkraft des Filmes; ergriffen vom immensen Werk, das eine einzige Person hinterlassen hat: Foto Franz Kälin, der letzte selbständige Fotoreporter von Einsiedeln. Ihm hat sein Sohn Franz Kälin mit «Foti Fränzel» ein filmisches Denkmal gesetzt. Am Premierenabend erhielten das Werk, die Macher (Franz Kälin junior und Benno Kälin) sowie der Hauptdarsteller Franz Kälin senior langen Applaus, der selten derart von Herzen gekommen ist wie am letzten Montagabend.

«Ich habe es von mir aus gemacht»

«Das Rad kann man nicht zurückdrehen. Es geht immer vorwärts.» Gleich zu Beginn spricht Foto Franz Kälin diesen Satz, dessen schon fast philosophische Tiefe symptomatisch für den ganzen Film werden soll: Er zeigt in Bildern, was geschehen ist, was sich verändert hat, was früher anders war. Er wertet und verurteilt nicht. Was war, ist gewesen. In stoischen Einstellungen kommt «Foti Fränzel» zu Wort. Er erzählt vom «alt Bisig, wo gseiht hätt, du wirsch nie ä Fotograf». Oder später, bereits dorfbekannt, dass «ich immer überall hineinkonnte, da alle wussten, dass ich einen Fotoauftrag hatte». Seine Bekanntheit und Vernetztheit wurden mit der Zeit so gross, dass er sich dem Vorwurf aussetzte, den Stall etwa selbst angezündet zu haben, da «Foti Fränzel» wieder einmal vor der Feuerwehr wusste, wo es brannte. «Ich habe es von mir aus gemacht», sagt er im Film in aller Bescheidenheit. Und doch hat «Foti Fränzel» gewusst, dass er in dieser Konsequenz des Fotografierens etwas Einmaliges schafft. Zutreffend bringt es Radiojournalist Benno Kälin in den spärlich, aber bewusst gesetzten Kommentaren auf den Punkt: «Ohne ‹Foti Fränzel› wäre Einsiedeln ärmer.»

Ein Film für alle Alter

Die Herausforderung, aus tausenden von Fotos und einer Zeitspanne von 70 Jahren ein dramaturgisches Konzept zu formen, haben Franz und Benno Kälin hervorragend gemeistert. Der Film ist episch, durch ruhige und temporeiche Sequenzen rhythmisiert, immer wieder überraschend und letztlich durchgehend amüsant: In seiner unnachahmlich trockenen Art bringt «Foti Fränzel» jeden zum Schmunzeln. Einheimische Betrachter sehen ihre eigenen Lebensstationen im Minutentakt vorüberziehen, realisieren, dass nicht nur sie sich verändert haben, sondern der ganze Ort. Geschickt setzt der erfahrende Filmemacher Franz Kälin Überlagerungen als Stilmittel ein, sodass aus dem Dorf der 50er-Jahre in Bruchteilen von Sekunden das Städtchen der Neuzeit wird. Dennoch spricht der Film «Foti Fränzel» nicht ausschliesslich Einheimische «50plus» an. Seine erzählerische Fülle wird auch Junge und Jugendliche, selbst Auswärtige begeistern.

«Das kann man nicht verlangen»

Von Herzen kam der lange Applaus, als nach 93 Minuten die «Welturaufführung» zu Ende ging. In einer kurzen Rede widmete Franz Kälin junior den Film seinen im Zuschauerraum anwesenden Eltern Franz und Hermina Kälin: «Immer sind sie mir eine grosse Unterstützung gewesen. Und ohne sie gäbe es auch die Cineboxx nicht.» Ebenfalls berührt, und dennoch schon bestens gelaunt erklärte daraufhin Franz Kälin senior, dass ihm der Film, den er sich für den Premierenabend aufgespart hätte, sehr gut gefallen habe: «Ich habe Tränen gelacht.» Er lobte die Fotoauswahl, welche die beiden Macher getroffen hatten, um festzustellen, dass «man das nicht verlangen kann». Was verlangen? «Dass einer so einen Film macht. Das erlebt sonst niemand mehr.» Er versprach, den Film noch oft anzuschauen. Tun Sie das auch! Solange das Interesse besteht, läuft «Foti Fränzel» in der Cineboxx. Wer an der Welturaufführung dabei gewesen ist, weiss, dass man dieses einmalige Zeitdokument auch mehr als nur einmal geniessen kann.

«Überregionales Potenzial»

Der selbständige Filmschaffende Erich Langjahr aus Baar («Hirtenreise ins dritte Jahrtausend», «Männer im Ring», «Ex Voto») lobt das dramaturgische Konzept: «Es ist gelungen, über das Fotografische filmisch zu erzählen. Die Fotos bleiben nicht Fotos, sondern wirken Bild

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Film

Publiziert am

04.11.2016

Webcode

schwyzkultur.ch/UQA3s6