Sie präsentierten den Film (von links): Präsident SchwyzKulturPlus Hermann Betschart, die Filmer Klaus-Michael Vetter und Rolf Rosenberg, der kundige Fachmann Paul Jud. Bild Karl Hensler
Sie präsentierten den Film (von links): Präsident SchwyzKulturPlus Hermann Betschart, die Filmer Klaus-Michael Vetter und Rolf Rosenberg, der kundige Fachmann Paul Jud. Bild Karl Hensler

Film

Waisenkinder, Hurenkinder und Zwiebelfische: Die Schwarzkunst als spannender Kurzfilm

Als Präsident von SchwyzKulturPlus konnte Hermann Betschart am 27. November über sechzig neugierige Besucher im Hotel Drei Könige begrüssen. Mindestens die Hälfte davon waren ehemalige Jünger Gutenbergs, welche voller Stolz ihren Gautschbrief zu Hause horten.

Die Anwesenden aus verschiedener Warte waren gespannt, wie die Geschichte der Schwarzkunst präsentiert wird. Es gilt zu bedenken, dass dieses Gewerbe früher im Klosterdorf eine schwergewichtige Bedeutung hatte. Was in den Neunzigerjahren des 18. Jahrhunderts, durch die initiative Benzigerfamilie, mit dem Wechsel des Drucks vom Kloster ins Dorf seinen Anfang nahm, sollte sich zu einem Erwerbszweig entwickeln, der sich weltweit einen besonderen Ruf schuf.

Der Film

Zwei Seiten konnten bei der Uraufführung des Films «Schwarzkunst» festgestellt werden. Zuallererst erlebten die Zuschauer ein Werk, das materiell und filmtechnisch das Prädikat vorzüglich verdient. Äusserst feinfühlig gingen die beiden Cineasten Rolf Rosenberg und Klaus-Michael Vetter das historische Thema an. Still begleitete man den Mönch durch die Gänge ins Refugium der Bibliothek. Der Buchdruck löste die Schreiber an ihren Schreibpulten ab. Gutenberg, eigentlich hiess er Johannes Gensfleisch, wird mit Recht als der bahnbrechende Pionier geschildert. Dank seiner Technik der Einzellettern und damit dem neuzeitlichen Druck von Büchern, erhielt das Volk Gelegenheit, sich mit Lesen weiterzubilden. Paul Jud führt im Film in der Folge als ausgewiesener Fachmann den Betrachter in die Geschichte dieses Gewerbes ein. Etappenweise kann erfahren werden, wie sich der Buchdruck, hier die Setzerei, entwickelte. Stichwortartig wird im Film versucht, dem Kiebitz das Setzmaterial und die Satztechnik verständlich zu machen. Probengleich werden ihm Rosinen aus der Druckersprache mit ihren zeitweise exotisch anmutenden Ausdrücken ausgedeutscht. Von Waisen- und Hurenkindern, von Fischen und Zwiebelfischen ist beispielsweise die Rede. Vieles gäbe es aus diesem in seinen Grundzügen interessanten Gewerbe zu schildern.

Ein Ausblick als Resultat

Viele unter den sehr interessierten Besuchern waren erstaunt, dass der Film bereits nach zwanzig Minuten zu Ende war. Leider, und damit sei die andere Seite des Filmthemas angesprochen, war es förmlich zu spüren, dass der Wunsch nach mehr Information zu diesem sich eigentlich aus drei Grundelementen zusammensetzenden Gewerbe vorhanden war. Es wurde das Bild wach von einem Buch, aus dem von drei Kapiteln nur das erste erlaubt wird zu lesen. Die ausgezeichnete Darstellung des Themas durch die beiden Filmer, man glaubte zu bemerken, dass hier viel Herzblut Einfluss auf das Resultat hatte, fordert geradezu heraus, die andern zwei Bereiche Druck und Buchbinderei im gleichen Stil sichtbar zu machen.

Altes Handwerk sichtbar machen

Es war an diesem Abend schliesslich zu vernehmen, dass das Ziel der Filmreihe «Die Letzten ihres Handwerks» sein soll: Altes Gewerbe sichtbar zu machen. Dass diese Filmreihe überhaupt zustande kam, ist grosszügigen Sponsoren zu verdanken. In die Gratulation für das präsentable Werk sei auch ein Dank eingeschlossen. Es ist den beiden leistungsfähigen Betrieben Franz Kälin AG und der ea Druck + Verlag AG zu verdanken, dass sich in der Waldstatt das Grafische Gewerbe immer noch aktiv zeigt. Dabei vervollständigt die Druckerei Franz Grätzer + Co. zusätzlich mit ihrem Nischenangebot diese Gewerbe-Palette in Einsiedeln.

Einsiedler Anzeiger

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Film

Publiziert am

30.11.2012

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schwyzkultur.ch/qgXJdF