Der Mann des Bildes und der Mann des Wortes: Franz Kälin (links) und Benno Kälin. Bild Victor Kälin
Der Mann des Bildes und der Mann des Wortes: Franz Kälin (links) und Benno Kälin. Bild Victor Kälin

Film

Wallfahrtsfilm kommt in der nächsten Woche ins Kino

In ihrem neuesten Dokumentarfilm thematisieren Franz Kälin und Benno Kälin die Einsiedler Wallfahrt. Sie zeigen den rasanten Wandel und greifen die Frage auf, wie Einsiedeln auf diese Veränderungen reagiert – oder reagieren könnte.

In der nächsten Woche kommt ein Dokumentarfilm ins Kino Cineboxx, der «einsiedlerischer» kaum sein könnte: «Im Schatten der Madonna». Er handelt von der Einsiedler Wallfahrt. Während Jahrhunderten hat unser Dorf vom Pilgerwesen gelebt. Doch in den letzten zwanzig Jahren hat sich das Bild radikal verändert: Dominierten früher die grossen Landes-Wallfahrten das Bild, sind es heute vermehrt die Einzelpilger. Kannte man vor 15 Jahren die Jakobspilger noch kaum, hat sich inzwischen eine ganze Industrie darum herum entwickelt. Es gibt mittlerweile eine Twitter-Wallfahrt und seit kurzem auch eine Afrikawallfahrt. «Es ist extrem, wie sich die Wallfahrt nur schon in den letzten anderthalb Generationen verändert hat», wundert sich mit Benno Kälin einer der beiden Macher des Filmes (siehe Kasten).

Viele Personen befragt

Diese Veränderungen aufgreifen und zum Thema machen, ist das Hauptanliegen des Filmes. «Der Film ist als Anregung gedacht», bringt es Franz Kälin (siehe Kasten) auf den Punkt. Das Dorf, das wegen der Wallfahrt zur Schwarzen Madonna bekannt geworden ist, bemüht sich heute eher, Leute aus sportlichen oder kulturellen Gründen anzuziehen. Pilger und Pilgerinnen kommen zwar immer noch, wenn auch nur noch selten in grossen Gruppen. Diese Veränderungen setzen sich vielfach fort – zum Beispiel beim alten Pilgerhandwerk, das sich ebenso radikal verändert hat: Gipsfiguren- und Rosenkranz-Hersteller, das katholische Druckereiwesen und der Fassmaler sind aus Einsiedeln verschwunden. Auch das greift der Film auf – teilweise in Interviewform. Befragt wurden zahlreiche Personen, die in irgend einer Beziehung zur Wallfahrt stehen: Von der «Bättlifasseri» bis zum Jugendseelsorger, vom Gipsfiguren-Hersteller bis zur Devotionalien-Händlerin, vom Hotelier bis zum Abt von Einsiedeln. Namentlich sind es Marlies und Werner Attolini, Willi Auf der Maur, Pater Aaron Brunner, Peter Eberle, Max Fuchs, Marta Heinzer, Karl Hensler, Armida Kaeslin, Detta Kälin, Hans Lienert, Maria Ochsner, Karl Oechslin, Ernst Weibel sowie Abt Martin Werlen.

«Als selbstverständlich nehmen»

Franz Kälin und Benno Kälin wollen mit ihrem Dokumentarfilm im Dorf Einsiedeln eine Diskussion über etwas anschieben, «was man einfach als selbstverständlich anschaut: Die Wallfahrt». Im Gegensatz zum Kloster, stellt Benno Kälin sachlich fest, würden sich im Dorf «nicht so viele Leute Gedanken zur Wallfahrt machen. Angesichts der Tatsache, dass das Dorf einst zur Hauptsache vom Pilgerwesen lebte, ist das doch erstaunlich». Ein nur bescheidenes Budget Für einen Film dieser Qualität und Länge (90 Minuten) stand Franz Kälin und Benno Kälin ein eher bescheidenes Budget von rund 80'000 Franken zur Verfügung. «Ich mache meine Filme immer so: Zuerst das Geld sammeln, und sich dann danach richten», erklärt Franz Kälin seine pragmatische Einstellung. Dass letztlich ein trotz des geringen Aufwandes auch technisch anspruchsvolles Werk herauskommt, ist nicht nur Franz Kälins filmischem Handwerk zu verdanken, sondern auch dem Umstand, dass er seine eigene Arbeit – Idee, Drehbuch-Mitarbeit, Produktion, Kamera, Schnitt, Equipment – nicht verrechnet. Alles zusammen, schätzt Kälin, würde der Film rund eine Viertelmillion Franken kosten. «So hoffe ich auf die Eintritte in der Cineboxx.»

Franz Kälin und Benno Kälin

Mit Franz Kälin (Jahrgang 1961) und Benno Kälin (Jahrgang 1944) haben sich der Mann des Bildes und der Mann des Wortes gefunden. Franz Kälin ist Kinopionier («cineboxx» in Einsiedeln) und Filmemacher mit langjähriger Erfahrung – unter anderem mit dem Spielfilm «Rampass» (1990) oder der Dokumentation «Turpäland» (2001). Benno Kälin schuf sich als Redaktor und Moderator bei Radio DRS einen Namen, unter anderem mit den legendären Sendungen «Radio-Musik-Box» oder auch mit «Spasspartout». Während Franz Kälin für Idee, Produktion, Kamera, Schnitt und das Equipment zuständig war, schrieb Benno Kälin die Texte, die er als Kommentator für den Film gleich selbst sprach. Die Drehbucharbeit hing

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Film

Publiziert am

15.01.2013

Webcode

schwyzkultur.ch/GBxFgw