Franz Kälin (links) und Benno Kälin in der vollbesetzten Cineboxx anlässlich der Filmpremiere. Bild Franz Kälin
Franz Kälin (links) und Benno Kälin in der vollbesetzten Cineboxx anlässlich der Filmpremiere. Bild Franz Kälin

Film

Wenn der Rosenkranz ein Schmuckstück ist

Ein volles Haus und ein Film voller Anregungen: Das neueste Werk von Franz Kälin und Benno Kälin ist mehr als eine Bestandes-aufnahme. Er ist Anregung zugleich, um über die Wallfahrt nachzudenken.

Die Premiere «Im Schatten der Madonna» bescherte der Einsiedler Cineboxx am Sonntagabend ein volles Haus. Die beiden Macher – Franz Kälin und Benno Kälin – konnten nicht nur alle Protagonisten vor und hinter der Kamera begrüssen, sondern auch viele Personen, die in irgend einer Weise zum Gelingen dieses 90-minütigen Werkes beigetragen haben.

Gestern. Heute. Morgen?

Gesehen haben die Gäste einen Dokumentarfilm, der mehr ist als eine klassische Bestandesaufnahme. Franz Kälin und Benno Kälin blieben nicht im Gestern und Heute stehen, sondern nahmen die Frage nach dem «Morgen», nach der Zukunft der Wallfahrt auf wie einen roten Faden. Dazu klopften sie mit ihrer Kamera dort an, wo sie Antworten vermuteten, ja erwarteten. Vorweg: Eine klare Vision hatte keiner der Befragten, weder Abt Martin Werlen, noch Landschreiber Peter Eberle, noch Vikar Pater Aaron Brunner. Einig sind sich die drei aber insofern, dass Einsiedeln sein Potenzial nicht ausschöpft. Wie äussert sich das? Zum Beispiel im Leitbild des Bezirks, in welchem das Wort Wallfahrt nicht existiert, da «Spirituelles Sache des Klosters» sei, wie Landschreiber Peter Eberle stellvertretend für den Bezirksrat etwas unbeholfen formulieren musste. Für Abt Martin hingegen sind «Kloster und Dorf» der Wallfahrtsort; einer gemeinsamen Vision würden jedoch «Neid und Missgunst» im Wege stehen. Und Pater Aaron belegt das schwindende Verständnis der Einsiedler mit seiner Aussage, dass im Religionsunterricht gerade einmal zwei Kinder sagen konnten, schon einmal eine Engelweih-Prozession gesehen zu haben. Je jünger die Einsiedler, desto geringer das Bewusstsein.

Vergangene Blütezeiten

Bewusstsein wofür?Diese Frage wiederum beantworteten die drehbuchmässig geschickt eingestreuten Rückblicke, welche mächtige Standeswallfahrten zeigten, oder auch 11000 Blauringmädchen, die sich 1958 zum Jugendtreffen in Einsiedeln versammelten. Von 100000 Eintritten ins Panorama wusste Max Fuchs zu berichten; heute sind es im Jahr noch 8000. Rund 80 Heimwerkerinnen erwähnte Armida Kaeslin, als sie auf ihr ehemaliges Geschäft Rickenbach zu sprechen kam, das am Klosterplatz religiöse Artikel verkaufte (heute «ars pro deo», christliche Kunst). Und gegen 500 Frauen und Männer beschäftigte das Unternehmen Benziger in seiner Blütezeit alleine in Einsiedeln. Die einst grösste Firma vor Ort hat ihre Produktion längst eingestellt. Die abnehmende Bedeutung der Wallfahrt liess auch für Einsiedeln typische Berufe verschwinden. D ennoch suchen bis zu einer Million Menschen auch heute noch Jahr für Jahr Einsiedeln auf; das Kloster ist unbestrittener Magnet. Doch nur etwa 80000 übernachten hier. Und der Fusspilger, so Abt Martins Feststellung, «wird auf unseren vielbefahrenen Strassen doch hauptsächlich als Verkehrshindernis gesehen». Drei Zeitzeugen, die eng mit der Wallfahrt verbunden waren (oder noch immer sind), sinnieren über diesen Wandel nach. Karl Oechslin (Schafbockbäckerei Goldapfel) mutmasst, dass man «früher mehr auf Gottes Hilfe angewiesen und auch gläubiger» war; Hans Lienert (Kerzen Lienert) begründet die fast zum Erliegen gekommene Nachfrage nach religiösen Kerzen mit dem «Verschwinden der religiösen Bräuche», und Martha Heinzer (Devotionalienstand am Klosterplatz) bestätigt, dass Rosenkränze mehr und mehr als Schmuckstück, und kaum mehr als Gebetshilfe gefragt sind. «Es muss uns erst schlechter gehen, bis die Wallfahrt wieder blüht», befürchtet Armida Kaeslin. Dem muss nicht so sein, sind mindestens Abt Martin und sein Mitbruder Pater Aaron überzeugt. «Wir müssen Wege finden, die den Pilgern in der Gruppe, aber auch als Individuum gerecht werden», fordert Abt Martin – eingedenk der Schwierigkeit, Einzelreisende erreichen zu können. Dass das Kloster und vor allem dessen Vorsteher ein offenes Ohr für die Anliegen der Pilger hat, zeigen neue Wallfahrten wie «Mit der Kirche im Clinch» (bereits wieder eingegangen), die Twitterwallfahrt oder die Jugendwallfahrt. Und Pater Aaron vermutet, dass der Jugend von Ei

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Film

Publiziert am

23.01.2013

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schwyzkultur.ch/R8Qajt