Zu wenig Bartwuchs für den Alpöhi - 1

Film

Zu wenig Bartwuchs für den Alpöhi

Der ehemalige TV-Geissenpeter Stefan Arpagaus  wohnhaft in Einsiedeln  erinnert sich an früher Seit Ende letzter Woche läuft in den Schweizer Kinos die Neuverfilmung von «Heidi» nach Johanna Spyri. Stefan Arpagaus hat ihn zwar noch nicht gesehen, ist aber sehr gespannt.

Patrizia Pfister: Sie spielten 1978 den Geissenpeter in der TV Serie «Heidi». Wie kam es dazu?

Stefan Arpagaus: In der Bündner Zeitung wurden damals Buben für Probeaufnahmen gesucht. Mein Vater meldete meinen Bruder und mich an und wir fuhren nach Chur. Von 160 Teilnehmern fiel die Wahl auf mich.

Hatten Sie besondere schauspielerische Fähigkeiten?

Nein, ich hatte keine Erfahrung. Es war alles natürlich: Mein Vater hatte als leidenschaftlicher Hobbybauer einen halben Zoo zu Hause. Ich war im Umgang mit Geissen geübt.

Wie lange dauerten die Dreharbeiten?

Wir hatten in der Primarschule acht Wochen Sommerferien. Das kam sehr gelegen. Für die Winteraufnahmen fehlte ich einige Wochen in der Schule. Das war aber nicht schlimm, ich bin eh nicht so gerne hingegangen (lacht).

Wie gross war Ihre Gage?

Ich erhielt rund 4000 Franken plus ein Rennvelo. In dieser Zeit war das für einen Jungen eine stolze Summe. Im Vergleich mit dem Aufwand war es gar nicht so viel.

Was haben Sie mit dem Geld gemacht?

Ich habe vier Geschwister und mein Vater kaufte mit meiner Gage ein Pony, an dem die ganze Familie Freude hatte.

Wie war damals die Resonanz auf die Heidi-Serie?

Es war eine riesige Sache. Man kannte mich und es gab Autogrammstunden in der ganzen Schweiz. Ich stand jedes Wochenende im Einsatz. Am Anfang hat mich der Rummel genervt. Ich hatte keine Zeit zum Skifahren und mit meinen Kollegen abzumachen. So mit 16 Jahren wurde es dann zunehmend schwieriger. Ich sah nicht mehr wie der 10-jährige Geissenpeter aus. Vor allem Kinder hatten andere Vorstellungen. Ich habe dann einen Strich darunter gezogen.

Haben Sie die Schauspielkarriere weiterverfolgt?

Nein. Als 10-Jähriger war es für mich kein Thema, Schauspieler zu werden. Meine Eltern hätten mich zwar unterstützt, ich musste aber zuerst die Schule fertig machen.

Wie lange wohnen Sie schon in Einsiedeln?

Ich wuchs in Brienz (GR) auf und wohnte später in der Westschweiz, im Berner Oberland und so weiter. Meine Frau stammt aus Galgenen. Als wir uns entschieden zu heiraten, suchten wir etwas in der Nähe. Einsiedeln hat mir sofort gefallen.

Welche Rolle spielt der Auftritt als Geissenpeter heute in Ihrem Leben?

Wenn die Leute meinen Namen hören, können sie sich oft an die Rolle erinnern. Als Kind hat man das voll miterlebt, es war unser Film. Heute ist das anders, die Vielfalt von Sendungen ist viel grösser geworden. Meine beiden Söhne, Donat (6) und Curdin (8), haben die Heidi-Serie auch schon geschaut. Sie finden sie zwar gut, aber es gäbe coolere Filme.

In den letzten Jahren gab es einige Heidi-Neuverfilmungen, die neuste startete letzte Woche im Kino. Haben Sie den Film schon gesehen?

Nein, ich hatte noch keine Zeit, gehe aber sicher noch ins Kino.

Der «Blick» schrieb 2014, Sie hätten sich für diesen Film als «Alpöhi» beworben, stimmt das?

Der Blick hat sich das ausgedacht, das war für mich kein Thema. Ich bin auch noch etwas jung für einen Grossvater und habe zu wenig Bartwuchs (lacht).





Heidi-Serie mit Stefan Arpagaus läuft jeweils am Mittwoch, um 16 Uhr auf SRF 2. Foto: Patrizia Pfister

Einsiedler Anzeiger (Patrizia Pfister)

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Film

Publiziert am

15.12.2015

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schwyzkultur.ch/d9sCfM